Creality Sermoon P1 im Test: Präzises 3D-Scanning ganz ohne PC

1 month ago 13

 Präzises 3D-Scanning ganz ohne PC

Vor gut anderthalb Jahren durfte ich mir den 3D-Scanner Miraco Plus von Revopoint ausführlich anschauen und testen (zum Test). Ich musste dabei lernen, dass der Vorgang dieses „3D-Scannens“ keiner ist, wie man es sich als Anwender am liebsten wünscht: Objekt hinstellen - kurz drumherum scannen - an den Rechner übertragen - fertig, sondern dass man schon ausreichend Arbeit und vor allem Zeit investieren muss, um ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen.

Mit dem Sermoon P1 von Creality soll vieles noch viel einfacher geworden sein, vor allem aber arbeitet das Gerät mit bis zu 22 Kreuzlinien-Lasern und bietet weitere Modi an, mit denen das Objekt sehr viel besser in Tiefe und Details gescannt werden KANN - eines vorweg: An der nötigen Vorarbeit und Zeit ändert sich auch hier nix.

 Präzises 3D-Scanning ganz ohne PC

 Präzises 3D-Scanning ganz ohne PC

Die meisten klassischen Handheld-Scanner scheitern in der Praxis nicht zwingend an der reinen Genauigkeit der optischen Sensoren, sondern vielmehr an dem unfassbar nervigen Drumherum. Kabelsalat am Schreibtisch, unstabile Software, empfindliche Oberflächen und die ständige Notwendigkeit, immer ein leistungsstarkes Notebook in der direkten Nähe haben zu müssen. Manchmal möchte man eben an die Werkbank, ins Auto oder einfach in die Garage, um dort etwas einzuscannen, das sich nicht so leicht auf den heimischen Schreibtisch wuchten lässt.

 Präzises 3D-Scanning ganz ohne PC

Kurzer Faktencheck:

Spezifikation Daten
Scan-Technologie Blaulaser (22 Kreuzlinien, 7 Parallellinien, 1 Einzellinie) + NIR-Strukturlicht
Genauigkeit bis 0,02 mm (Laser), bis 0,075 mm (NIR)
Volumetrische Genauigkeit 0,02 mm + 0,06 mm/m (Laser), 0,075 mm + 0,1 mm/m (NIR)
3D-Auflösung 0,05–2 mm (Laser), 0,1–2 mm (NIR)
Scangeschwindigkeit bis 60 FPS (Standalone), bis 80 FPS (WLAN-PC-Modus), bis 100 FPS (kabelgebunden)
Objektgröße 5 × 5 × 5 mm³ bis 4.000 × 4.000 × 4.000 mm³
Arbeitsabstand 160–550 mm (Laser), 170–1.200 mm (NIR)
Prozessor Qualcomm 8-Core-CPU, bis 3,36 GHz, Adreno 740 GPU
Arbeitsspeicher / Speicher 24 GB LPDDR5X RAM / 256 GB UFS 4.0
Display 6 Zoll, Full-HD-Touchscreen, 160° Blickwinkel
Akku 2 × 3.300 mAh, hot-swappable, 65 W PD, 80 % in 50 Minuten
Konnektivität Wi-Fi 7, USB-C (kabelgebunden), Wireless-PC-Modus
Abmessungen / Gewicht 209 × 129 × 53 mm / 830 g
Ausgabeformate OBJ, STL, PLY
Unterstützte Betriebssysteme Windows, macOS (Desktop-Software)
Preis (UVP) ca. 3.299 US-Dollar / ca. 3.219 Euro

Der Sermoon P1 verspricht genau hier als echte Standalone-Lösung Abhilfe. Er bringt das Display, den Akku, den Speicher und ordentlich Rechenpower direkt im Gerät mit. Ob das in der Realität so reibungslos funktioniert, wie es sich auf dem Papier liest, und für wen sich die doch recht üppige Investition wirklich lohnt, das wollte ich mir dann auch mal anschauen.

Ausgepackt: Hardware und Lieferumfang

 Präzises 3D-Scanning ganz ohne PC

Der Sermoon P1 wird in einem äußerst robusten und mit Textil überzogenen Transportkoffer geliefert. Das Ganze erinnert eher an eine Werkzeugtasche für teures Equipment als an ein typisches Consumer-Gadget. Im Inneren ist der Koffer mit passgenauem Schaumstoff ausgekleidet, sodass beim Transport nichts wackelt.

Im Koffer finden sich neben dem Scanner:

  • ein Schultergurt
  • eine Kalibrierungsplatte aus Glas
  • ein USB-C-Kabel und ein Netzteil für diverse Länder-Adapter (EU-Variante war hier mitgeliefert)
  • reflektierende Marker in verschiedenen Größen
  • ein zweiter Akku - absoluter Gamechanger in manchen Situationen

 Präzises 3D-Scanning ganz ohne PC

Mit seinen knapp 830 Gramm ist der Scanner kein Leichtgewicht, liegt dank griffiger Gummierungen aber sicher in der Hand. Auf der Rückseite: Ein 6 Zoll großes LCD-Touchdisplay, das hell und reaktionsschnell arbeitet. Unter der Haube schlummern zudem 24 GB Arbeitsspeicher, 256 GB interner Speicherplatz und Wi-Fi 7, was komplett unabhängig von einem externen PC macht.

Die Kalibrierung: Ohne Fleiß kein Preis

Vor dem Scannen wird eingerichtet. Creality setzt hier auf eine massive Kalibrierungsplatte aus Glas, die man penibel genau vor dem Scanner ausrichten muss. Der Ablauf selbst ist gut geführt: Das Gerät zeigt an, ob die Platte im richtigen Winkel und Abstand gehalten wird, und gibt am Ende eine Bewertung der Kalibrierungsqualität aus. Wer hier schludert, bekommt das später in Form von Versätzen im Mesh zu spüren.

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Der Prozess wird über das Display angeleitet, erfordert aber eine ruhige Hand und hat mich beim ersten Mal knapp ne Viertelstunde gekostet. Für ein Gerät dieser Klasse (mit Genauigkeiten „bis zu“ 0,02 Millimetern) ist das jedoch eher branchenüblich und eben alles andere als unwichtig. Da das Gerät mobil eingesetzt und Temperaturschwankungen ausgesetzt wird, ist eine saubere Kalibrierung das Wichtigste für brauchbare Daten.

 Präzises 3D-Scanning ganz ohne PC

Zwei wechselbare 3.300-mAh-Akkus liegen dem Gerät bei, sodass man beim Leerlaufen des einen einfach den zweiten einlegt, statt eine Ladepause einlegen zu müssen. Die Ladezeit von rund 50 Minuten bis 80 Prozent Kapazität via 65-Watt-Schnellladung ist ein echter Pluspunkt, gerade wenn man den Scanner tagsüber auf unterwegs oder vielleicht bei einem Kunden vor Ort einsetzt, ohne Zugriff auf eine Steckdose zu haben.

In der Praxis: Workflow und Laser-Modi

Spannend ist der Sermoon P1 aufgrund der möglichen Kombination zweier grundverschiedener Aufnahmetechniken. Zum einen gibt es den blauen Laser, der in drei Varianten - als Einzellinie, als sieben parallele Linien oder als 22 sich kreuzende Linien - zum Einsatz kommt. Zum anderen steckt ein NIR-Strukturlichtsystem im Gerät, das mit vier Linsen arbeitet und speziell für organische, weniger klar konturierte Formen wie Gesichter oder ganze Körper gedacht ist.

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Das ergibt auch alles durchaus Sinn. Beim Scannen eines Bauteils mit einer engen Nut reicht es nicht, den Scanner einfach draufzuhalten. Man muss ihn gezielt im rechten Winkel zur Nut ausrichten, damit beide Kameraobjektive gleichzeitig in den Spalt hineinsehen können, und dann vorsichtig vor- und zurückfahren, bis genug Daten zusammengekommen sind. Das erfordert etwas Übung und vor allem Geduld, liefert am Ende aber verwertbare Ergebnisse, auch bei kniffligen Geometrien, die viele günstigere Scanner schlicht ignorieren würden.

 Präzises 3D-Scanning ganz ohne PC

Für glatte oder spiegelnde Oberflächen, die klassischerweise den Genickbruch für jeden optischen Scanner sind, punktet der P1 damit, dass er in vielen Modi ganz ohne Antireflexionsspray oder Klebemarken auskommt. Das ist ein handfester Vorteil im Arbeitsalltag, weil man sich das Einsprühen und spätere Reinigen des Werkstücks sparen kann.

Bei der Geschwindigkeit gibt es klare Unterschiede je nach Modus und Verbindungsart. Im reinen Standalone-Betrieb, also ganz ohne Kabel, schafft der Laser bis zu 60 Bilder pro Sekunde, das NIR-Modul kommt auf rund 15 bis 18. Schließt man das Gerät per Kabel an einen Rechner an, klettert die Framerate auf bis zu 100 fps. Die drahtlose Anbindung an den PC über Wi-Fi 7 liegt mit bis zu 80 fps.

Creality wirbt mit einer Genauigkeit von bis zu 0,02 Millimetern im Lasermodus. Wichtig ist dabei aber natürlich, dass diese Bestwerte nur unter optimalen Bedingungen erreicht werden: gute Beleuchtung, saubere Kalibrierung und ein Objekt, das nicht zu stark reflektiert oder zu dunkel ist.

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Wo die Hardware klar überzeugt, hinkt die Software noch etwas hinterher. CrealityScan bietet zwar mit Punktwolkenbearbeitung, automatischer Markerausrichtung und Ein-Klick-Verarbeitung durchaus praxisnahe Werkzeuge, und für Einsteiger sind die integrierten Tutorials auf dem Gerät eine echte Hilfe. Wer aber tiefer in die Nachbearbeitung einsteigen möchte, etwa für präzises Mesh-Editing oder eine saubere Texturanpassung, stößt schnell an Grenzen.

Hier muss dann der professionelle Anwender eher mit zusätzlicher Software wie Geomagic Control X oder Verisurf Inspect arbeiten, wenn es um die letzten Prozentpunkte an Kontrolle über das Ergebnis geht. Zudem: Die Farbtexturqualität ist eher als „okay“ zu bewerten, was bei einem Gerät mit RGB-Kamera und dem Anspruch, auch fürs 3D-Druck-Vorbild geeignet zu sein, schon ein wenig ärgerlich ist.
Für meinen Praxistest habe unter anderem eine Buddha-Büste aus unserer heimischen Deko gescannt. Da sind schon sehr viele Details zu finden, zudem glänzt das Original hier und da etwas, was solche Scanner ohne Scan-Spray und andere Hilfsmittel gern mal ärgern kann.

 Präzises 3D-Scanning ganz ohne PC

Das ursprüngliche Modell

Der Scan-Vorgang startet per Knopfdruck an der rechten Seite und die Erfassungsgeschwindigkeit ist flott. Mit bis zu 60 Frames pro Sekunde fliegen die blauen Laserlinien über den Schädel, während sich das 3D-Modell flüssig auf dem Display aufbaut.

Der Sermoon P1 bietet dafür verschiedene Modi:

  • 22 Kreuzlinien-Laser: für die schnelle, großflächige Erfassung
  • Parallele Linien: Hervorragend, um feine Kanten und flache Strukturen besonders scharf zu erfassen.
  • Single-Line-Modus: Für Details wie tiefe Schlitze und Bohrlöcher, etc. Ein visuelles Feedback (eine grüne Laserlinie) zeigt exakt an, wann man den Grund des Schlitzes getroffen hat.

Ein kleines Manko fiel mir beim Handling auf: Während des aktiven Scanvorgangs kann man auf dem Display nicht zoomen. Man muss erst pausieren, um Details per Pinch-to-Zoom zu prüfen.
Wirklich begeistert hat mich hingegen das Standalone-Processing. Ich habe zwei Scans direkt auf dem Touchscreen markiert und zusammengefügt. Das automatische Alignment dauerte knapp 10 Sekunden, das finale Meshing lief souverän auf dem Gerät durch.

 Präzises 3D-Scanning ganz ohne PC

Wer allerdings auf eine deutsche Oberfläche hofft, wird enttäuscht. Aktuell stehen lediglich Englisch und vereinfachtes Chinesisch zur Auswahl, was bei einem Gerät dieser Preisklasse und für einen internationalen Markt schon ein wenig verwundert.

Fazit: Licht, Schatten und Zielgruppe

Kein Technikgerät auf dem Markt ist restlos perfekt. Vor einer Kaufentscheidung sollte man beim Sermoon P1 diese Aspekte auf dem Schirm haben:

  • Farbtexturen: Sie bleiben spürbar hinter den Erwartungen zurück. Wer fotorealistische Scans für CGI-Modelle sucht, wird hier enttäuscht.
  • Performance: Im Infrarot-Modus (NIR) bei sehr großen Objekten kann die Bildwiederholrate der Software merklich absacken und etwas ruckeln.
  • Preis: Mit weit über 3.000 Euro ist der Scanner definitiv kein Impulskauf für den Bastelkeller.

Der Creality Sermoon P1 richtet sich ganz klar an professionelle Anwender, Ingenieure, Modellbauer und Restauratoren – nicht an den Hobbyhandwerker mit kleinem Budget. Die Möglichkeit, komplett kabellos zu scannen, riesige Datenmengen fehlerfrei auf dem Gerät zusammenzufügen und erst das fertige Mesh an den Rechner zu schicken, ist ein krasser Mehrwert im Alltag. Wer bereit ist, dieses Geld in die Hand zu nehmen, bekommt ein extrem präzises, mobiles Arbeitstier, das den oft frustrierenden Scan-Workflow deutlich angenehmer macht.

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