Noch ist Intels Prozessorgeneration Arrow Lake alias Core Ultra 200 gar nicht vollständig auf dem Markt, da machen schon die ersten detaillierteren Informationen zum Nachfolger Panther Lake die Runde. Panther Lake soll noch vor Jahresende erscheinen – dem neuen Namensschema folgend wohl als Core Ultra 300 – und erstmals Chiplets mitbringen, die im nagelneuen Fertigungsprozess 18A vom Band laufen. Letztere ist Intels Hoffnungsträger, um bei der Fertigungstechnik wieder den Anschluss an Marktführer TSMC zu finden. TSMC produziert bei Arrow Lake alle Chiplets bis auf den Interposer, welcher die Einzelteile miteinander verbindet.
Bei Panther Lake soll nun nicht nur die Fertigung des CPU-Chiplets wieder in eigene Fabs verlagert werden: Einem Datenblatt zufolge, das der Leaker Jaykihn veröffentlicht hat, wird Intel auch die Anzahl und Zusammenstellung der CPU-Kerne (Performance, Effizienz, Low-Power-Effizienz) gröber verändern. Seit Meteor Lake gibt es die Ausbaustufen H (Core Ultra 100H: 6 P-Kerne, 8 E-Kerne, 2 LP-E-Kerne) und davon abgeleitet und abgespeckt U (Core Ultra 100U: 2 P-Kerne, 8 E-Kerne, 2 LP-E-Kerne). Trotz neuer Mikroarchitekturen für die jeweiligen Kerne wurde deren Anzahl 1:1 für Core Ultra 200H beziehungsweise Core Ultra 200U übernommen. Neu hinzu kam am oberen Ende der Core Ultra 200HX mit 8 P- und 16 E-Kernen, aber ganz ohne LP-E-Kerne.
Abspeckmaßnahmen
Für Panther Lake stehen laut Jaykihn als H-Stufe nur noch 4 P- plus 8 E-Kerne an, also glatt ein Drittel weniger P-Kerne. Da mit der reduzierten Anzahl an P-Kerne kaum noch Spielraum vorhanden ist, um die Zusammenstellung für die kleinere U-Stufe abzuändern, sollen diese laut Jaykihn an andere Stelle umso radikaler abspecken: Sie sollen gar keine E-Kerne mehr bekommen. Ob es noch LP-E-Kerne geben wird, die die Streichung abfangen, ist aus dem veröffentlichten Material nicht zu erkennen. Unser Bauchgefühl tendiert allerdings zu nein, weil LP-E-Kerne schon heute weder bei den HX-Modellen am oberen Ende noch bei Lunar Lake (Core Ultra 200V) für besonders mobile Notebooks eine Rolle spielen.
Auch ist unklar, was das hinsichtlich der zu erwartenden Rechenleistung bedeutet. Laut Jaykihn dreht Intel nämlich gleichzeitig an einer anderen Stellschraube: Die nominale Abwärme (PL1) soll wie bisher mit 25 Watt gleich bleiben, doch PL2 steigt von 55 auf 64 Watt. PL2 ist der Wert, den die CPUs in ihren Turbofrequenzen verheizen dürfen, solange die Kühlsysteme der Notebooks noch Reserven haben und weitere Parameter wie etwa ein Grenzwert hinsichlich des zulässigen Maximalstroms nicht überschritten wird. Die abgespeckte U-Stufe soll nominell bei 15 Watt PL1 bleiben.
Ebenso ist noch nicht bekannt, ob bei Panther Lake Hyperthreading seine Rückkehr feiern wird, die aus einem echten zwei virtuelle Kerne macht. Bei Meteor Lake beherrschten die P-Kerne diese Technik noch, bei Arrow Lake hat Intel die Funktion hingegen abgedreht.
Tick-Tock, aber anders
Und dann ist da noch die offene Frage, für welche Marktsegmente Panther Lake überhaupt vorgesehen ist. Meteor Lake hatte klar Notebooks als Fokus. Desktop-PCs mussten hingegen bis Arrow Lake warten, um ebenfalls aus Chiplets zusammengesetzte Intel-CPUs zu bekommen, während man mobilspezifische Neuerungen mit der Lupe suchen muss. Für Notebooks rückte stattdessen der Sonderling Lunar Lake in den Fokus, der komplett außerhalb der Hauptreihe entwickelt wurde.
Prototypen-Notebooks mit Panther Lake
(Bild: c't/mue)
Panther Lake muss die Vorzüge von Lunar Lake, darunter eine für Copilot+ taugende NPU und eine leistungsfähige integrierte Grafikeinheit, in die Hauptreihe zurückführen, und zwar wie oben geschrieben möglichst mit einer Fertigung in Intels eigenen Fabs. Gegenüber Lunar Lake (4P+4E) dürfte Panther Lake (4P+8E) ein klarer Fortschritt sein. Und wer weiß, was Intels Ingenieure noch so in petto haben, da sie sich klar den Chiplets verschrieben haben: Kombiniert man etwa zwei CPU-Chiplets à 4P+8E, landet man wieder bei 8P+16E, was exakt der bisherigen HX-Ausbaustufen entspräche.
Genau so etwas soll jedenfalls beim Panther-Lake-Nachfolger Nova Lake kommen, der irgendwann mal der Core Ultra 400 werden dürfte: Dort sprechen Gerüchteköche von bis zu 48 CPU-Kernen (16P+32E), die aus zwei Chiplets à 8P+16E zusammengebastelt werden. Das ist aber was für leistungsstarke Desktop-PCs; bei Notebooks sollen auch dann 8P+16E das Maximum bleiben. Von LP-E-Kerne ist bei Nova Lake nicht die Rede, wohl aber erneut von 4 P-Kernen ohne E-Kern-Unterstützung als kleinste U-Stufe. (mue)



