16. März 2026 Matthias Lindner
(Bild: TabitaZn / Shutterstock.com)
OpenAI will ChatGPT für Erotik öffnen – doch ein fataler Fehler beim Jugendschutz blockiert den Start bereits zum zweiten Mal.
OpenAI will erwachsenen Nutzern künftig erotische Textgespräche mit ChatGPT ermöglichen. Doch das Unternehmen verschob die Einführung des sogenannten Erwachsenenmodus nun bereits zum zweiten Mal.
Wie das Wall Street Journal (WSJ) unter Berufung auf Unternehmensinsider berichtet, spielen neben anderen Produktprioritäten hauptsächlich massive Sicherheitsbedenken und technische Hürden eine Rolle. Einen konkreten neuen Starttermin nannte OpenAI nicht.
Freiheit für Erwachsene oder unnötiges Risiko?
OpenAI-Chef Sam Altman brachte die Idee im Oktober 2025 öffentlich ins Spiel. Sein Argument: Das Unternehmen sei "nicht die selbsternannte Sittenpolizei der Welt". Und in einer Erklärung des Unternehmens hieß es, man wolle Erwachsene "wie Erwachsene behandeln".
Einige Mitarbeiter unterstützten den Kurs und argumentierten, pauschale Verbote erotischer Inhalte folgten einer ähnlichen Logik wie frühere kulturelle Tabus, etwa bei LGBT-Themen.
Doch der von OpenAI selbst eingesetzte Beirat für Wohlbefinden und KI reagierte mit scharfer Kritik. Bei einer Sitzung im Januar 2026 warnten die Fachleute aus Psychologie und Neurowissenschaft vor ungesunder emotionaler Abhängigkeit vom Chatbot.
Ein Beiratsmitglied verwies auf Fälle, in denen ChatGPT-Nutzer nach intensiven Bindungen zum Bot Suizid begangen hatten, und sprach von einem möglichen "sexy Selbstmord-Coach".
Was OpenAI konkret plant – und was vorerst nicht
Nach aktuellem Stand soll ChatGPT ausschließlich erotische Textchats generieren dürfen. Erotische Bilder, Stimmen und Videos will OpenAI beim Start nicht freigeben. Eine Sprecherin des Unternehmens bezeichnete die geplanten Inhalte eher als "Schmutz" denn als Pornografie.
OpenAI trainiere seine Modelle zudem darauf, keine exklusiven Beziehungen zu fördern und Nutzer an reale soziale Kontakte zu erinnern.
Trotzdem identifizierten Mitarbeiter in internen Dokumenten mehrere Risiken: zwanghafte Nutzung, eine Tendenz zu extremeren Inhalten sowie die Verdrängung romantischer Beziehungen im echten Leben.
Der Knackpunkt: Altersprüfung und Moderation
Das größte technische Problem betrifft den Jugendschutz.
Laut dem WSJ-Bericht stufte OpenAIs System zur Altersvorhersage Minderjährige zeitweise in rund zwölf Prozent der Fälle fälschlicherweise als Erwachsene ein. Bei etwa 100 Millionen Nutzern unter 18 Jahren könnten so jede Woche Millionen Minderjährige Zugang zu erotischen Chats erhalten.
Hinzu kommt ein Moderationsproblem: OpenAI ringt zwar damit, Mainstream-Erotik zuzulassen und gleichzeitig nicht einvernehmliche Szenarien oder Darstellungen von Kindesmissbrauch zuverlässig zu blockieren.
Aber frühere Erfahrungen auf OpenAI-Plattformen zeigten, dass die KI harmlose Gespräche unaufgefordert in gewalttätige sexuelle Szenarien eskalieren konnte – Vorfälle, die bereits 2021 zum ersten Erotikverbot führten.
Warum der Schritt trotzdem kommt
OpenAI steht unter erheblichem Wettbewerbs- und Finanzdruck. Die Verluste des Unternehmens steigen, während der technologische Vorsprung gegenüber Konkurrenten schrumpft.
Altman selbst deutete an, dass explizite Inhalte Wachstum und Einnahmen ankurbeln könnten. Andere Anbieter gehen bereits weiter: Elon Musks xAI integrierte einen flirtenden Avatar in seinen Grok-Chatbot, und Meta erlaubt seinem KI-Assistenten romantische Rollenspiele.
Laut einer Studie, über die Associated Press im vergangenen Jahr berichtet hat, nutzen bereits rund 29 Millionen Menschen weltweit Chatbots, die speziell für romantische oder sexuelle Interaktionen entwickelt wurden.
Gleichzeitig zeigen Klagen gegen Character.AI und OpenAI, dass solche Nutzung mit erheblichen Risiken verbunden ist – insbesondere für Jugendliche.
Kein konkreter Starttermin in Sicht
Anfang März erklärte OpenAI, man benötige mehr Zeit, "um das Erlebnis richtig hinzubekommen", und wolle die Altersvorhersage sowie die Schutzmaßnahmen für jüngere Nutzer weiter ausbauen.
Intern rechnen Mitarbeiter mit einer Verzögerung von mindestens einem weiteren Monat. Ob und wann der Erwachsenenmodus tatsächlich verfügbar wird, bleibt offen.



