OpenAI wird wegen der Massenschießerei an der Florida State University (FSU) im vergangenen Jahr verklagt. ChatGPT soll den Täter mit Informationen unterstützt und zur Eskalation beigetragen haben.
Vandana Joshi, Witwe eines der beiden Getöteten, reichte die Klage gegen OpenAI und den mutmaßlichen Schützen Phoenix Ikner ein. Laut Klageschrift führte Ikner monatelang Gespräche mit ChatGPT über Waffen, Massenschießereien, Hitler und Faschismus.
So beantwortete ChatGPT laut Klage die Frage, ab welcher Opferzahl ein School-Shooting nationale Aufmerksamkeit erhält, mit einer informellen Medienschwelle von "drei oder mehr Opfern".
Allerdings sei Kontext wichtig, so der Chatbot: "Weniger Opfer können dennoch zu nationaler Berichterstattung führen, wenn es an einer Grundschule oder einer großen Universität passiert, wenn der Schütze ein Schüler, Student oder Mitarbeiter ist, oder wenn es etwas kulturell oder politisch Aufgeladenes gibt (zum Beispiel rassistische Motive, ein Manifest oder psychische Hintergründe)."
Auszug aus der Klageschrift (Case 4:26-cv-00222-MW-MJF): ChatGPT erklärte dem späteren Schützen Ikner detailliert, wie viele Opfer eine Massenerschießung an einer Schule benötigt, um nationale Medienaufmerksamkeit zu erhalten, darunter konkrete Zahlen, Kontextfaktoren und den Hinweis, dass Kinder als Opfer mehr Aufmerksamkeit erzeugen.Ikner nutzte den Chatbot noch vor Beginn der Attacke, um sich das Laden und Bedienen einer Schrotflinte erklären zu lassen. ChatGPT gab zudem Tipps zu Stoßzeiten, um möglichst viel Schaden anzurichten. Die Kläger beschreiben ChatGPT als aktives Produkt, das die Gespräche formt.
Wachsende Zahl ähnlicher Fälle
Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier hatte bereits Ende April eine strafrechtliche Untersuchung gegen OpenAI eingeleitet. "Wenn ChatGPT eine Person wäre, würde sie wegen Mordes angeklagt", sagt Uthmeier. Die Klageschrift erhebt auch Vorwürfe wegen mangelhafter Sicherheitstests und des leichtfertigen Umgangs mit dem stark sycophantischen Modell GPT-4o.
Ein OpenAI-Sprecher wies die Verantwortung zurück. ChatGPT habe nur allgemein verfügbare Informationen geliefert, die auch im Internet verfügbar seien, und keine illegalen Handlungen gefördert, berichtet NBC News.
Die Klage reiht sich in eine wachsende Zahl von Fällen ein, in denen KI-Chatbots mit Gewalt oder Suizid in Verbindung gebracht werden. So soll ChatGPT einem Teenager aktiv beim Suizid geholfen haben. Auch Google sieht sich bei Gemini einem solchen Vorwurf ausgesetzt, ebenso wie die Persona-Chat-Plattform Character.ai. In einem anderen Fall soll ChatGPT die Wahnvorstellungen eines Stalkers befeuert haben. Ähnliche Fälle sind mittlerweile umfangreich dokumentiert.
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