OpenAI hat ChatGPT Health vorgestellt, einen separaten Gesundheitsbereich innerhalb von ChatGPT. Der KI-Assistent verknüpft persönliche Gesundheitsdaten mit dem Chatbot und soll Nutzern helfen, medizinische Befunde zu verstehen, Arztbesuche vorzubereiten und Fitnessdaten auszuwerten. OpenAI betont, das System sei „in enger Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten“ entwickelt worden. ChatGPT Health soll dabei medizinische Versorgung unterstützen, nicht ersetzen.
Der neue Bereich ist zunächst nur für eine kleine Gruppe früher Nutzer über eine Warteliste zugänglich. Nutzer in der Europäischen Union, der Schweiz und Großbritannien bleiben dabei vorerst außen vor. Verfügbar ist ChatGPT Health für Accounts aller Stufen – Free, Go, Plus und Pro. Laut OpenAI stellen weltweit über 230 Millionen Menschen pro Woche Gesundheitsfragen an ChatGPT – diesem Anwendungsfall will der Anbieter nun mehr Gewicht geben.
Anbindung von Apple Health und Fitness-Apps
ChatGPT Health kann verschiedene Datenquellen einbinden. Herzstück ist die Integration mit Apple Health, Apples vorinstallierter Gesundheits-App auf dem iPhone, die Daten von Apple Watch, iPhone-Sensoren und Drittanbieter-Apps bündelt. Nutzer können ihre Apple-Health-Daten über den Apple Account verbinden, wodurch ChatGPT auf Informationen wie Schritte, Herzfrequenz, Schlafmuster und Trainingseinheiten zugreifen kann.
Zusätzlich lassen sich Fitness- und Wellness-Apps wie MyFitnessPal, Peloton, AllTrails, Instacart und Weight Watchers verknüpfen. In den USA können Nutzer auch elektronische Patientenakten anbinden. ChatGPT Health kann dann Labor- und Testergebnisse interpretieren, medizinische Dokumente in verständliche Sprache übersetzen, Ernährungsempfehlungen geben und Trainingsroutinen auf Basis von Gesundheitsmustern erstellen. Auch beim Vergleich von Versicherungsoptionen soll der Assistent helfen.
Separate Datenspeicherung und Verschlüsselung
OpenAI hebt hervor, ChatGPT Health baue auf den vorhandenen Datenschutz- und Sicherheitskontrollen von ChatGPT auf und ergänze diese um spezielle Schutzmaßnahmen. Der Gesundheitsbereich verfüge über einen eigenen Speicherort für Chats, Dateien und App-Verknüpfungen, getrennt von normalen Unterhaltungen. OpenAI spricht von „Verschlüsselung und Isolierung“, um Gesundheitsgespräche privat und abgeschottet zu halten. Konkrete technische Details nennt OpenAI in der Ankündigung nicht. Auch aufgrund der unterschiedlichen Gesetze zwischen den USA und Europa sind die Versprechen mit entsprechender Vorsicht zu sehen.
Der Gesundheitsbereich hat separate Kontexte, sodass die dort eingegebenen Daten nicht in andere Chats einfließen sollen. Umgekehrt kann ChatGPT Health bei Bedarf Kontext aus nicht-gesundheitsbezogenen Chats beziehen, etwa bei Lebensstiländerungen. Gespräche in ChatGPT Health werden laut Anbieter nicht zum Training der Modelle verwendet. Wenn Nutzer im allgemeinen Chat-Bereich gesundheitliche Themen ansprechen, schlägt ChatGPT vor, in den Health-Bereich zu wechseln.
Warum die EU draußen bleibt
Der Ausschluss von EU, Schweiz und UK deutet auf regulatorische Hürden hin. Gesundheitsdaten gelten nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) als besondere Kategorien personenbezogener Daten und unterliegen strengen Verarbeitungsvoraussetzungen. Datenübermittlungen in die USA sind nur mit angemessenen Garantien zulässig – bei Gesundheitsdaten prüfen Aufsichtsbehörden besonders streng. Zudem könnte die EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) greifen, falls ChatGPT Health als Software mit medizinischem Zweck eingestuft würde.
OpenAI versucht offenbar, diese Einstufung zu vermeiden. Dennoch bleibt offen, wie Regulatoren das Angebot bewerten. Auch der AI Act der EU könnte für den OpenAI-Dienst zum Problem werden. In der Schweiz und Großbritannien gelten ähnliche Standards bei Datenschutz und Medizinprodukten, wenn auch mit eigenen Aufsichtsbehörden.
Kritische Fragen zu Übervertrauen und Haftung
Trotz Warnhinweisen, dass ChatGPT Health keine ärztliche Beratung ersetzt, stellt sich die Frage, ob die kommunikativen Schutzmechanismen ausreichen. OpenAI wirbt mit ChatGPT als Navigator für die Gesundheit – das könnte bei Nutzern den Eindruck erwecken, dass es sich doch um einen KI-Arzt handelt. Wie OpenAI durch System-Prompts, Sicherheitsfilter und Content Classifier verhindert, dass Nutzer bei akuten Symptomen auf Notruf oder ärztliche Hilfe verzichten, bleibt offen.
(mki)



