Stand: 17.08.2026, 16:59 Uhr
Von: Michael Hesse

Der Ex-Sicherheitsberater wirft dem US-Präsidenten vor, ohne strategischen Plan in den Konflikt gezogen zu sein. Jetzt gehe es Trump nur noch um die Benzinpreise für November.
John Bolton hatte im Jahr 2022 ziemlich präzise den Verlauf des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine vorhergesagt. Er zählt zu den Kritikern von US-Präsident Donald Trump.

Botschafter Bolton, warum gelingt es Donald Trump nicht, den Krieg gegen Iran zu beenden?
Ich glaube, er steckt in einer Falle, die er selbst geschaffen hat. Bis heute ist nicht klar, was sein ursprüngliches Ziel eigentlich war. Natürlich spielte das iranische Atomprogramm immer eine Rolle. Aber wollte er einen Regimewechsel? Glaubte er, einen schnellen Sieg erreichen zu können? Wenn das der Plan war, wurde er jedenfalls nicht ausreichend vorbereitet.
Worum geht es ihm jetzt?
Inzwischen geht es Trump vor allem um die Benzinpreise für die amerikanischen Verbraucher. Die strategischen Fragen sind in den Hintergrund getreten. Die Demokraten nennen das die Frage der „affordability“, der Bezahlbarkeit. Man kann es auch schlicht Inflation nennen. Trump macht sich Sorgen über den Preisanstieg infolge der Schließung der Straße von Hormus. Gleichzeitig ist unklar, wer auf iranischer Seite eigentlich entscheidet. Nach den Angriffen auf die Führung gibt es verschiedene Machtzentren, die miteinander konkurrieren. Meist scheint sich die Revolutionsgarde durchzusetzen. Und die will keinen Waffenstillstand. Sie will die Straße von Hormus kontrollieren. Trump weiß also nicht, in welche Richtung er gehen soll. Deshalb erleben wir Drohungen, dann Verhandlungen, die scheitern, anschließend neue Drohungen und wieder neue Verhandlungen.
Zur Person
John Robert Bolton, 77, arbeitete schon für die US-Präsidenten Ronald Reagan und George Bush senior im Justiz- und im Außenministerium, bevor er am 9. April 2018 zum Nationalen Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump bestellt wurde. Von diesem Posten trat er am 10. September 2019 zurück. Er war zudem von August 2005 bis Dezember 2006 US-Botschafter bei den Vereinten Nationen.
In seinem Buch „Der Raum, in dem es geschah“ schildert Bolton seine Sicht auf die Trump-Regierung.

Was sollte Trump Ihrer Ansicht nach jetzt tun?
Wenn für ihn kurzfristig die Benzinpreise entscheidend sind, muss er dafür sorgen, dass möglichst viel Öl auf den Weltmarkt gelangt. Dazu gehört vor allem, die Schifffahrt im Golf wieder zu ermöglichen und, wenn nötig, militärische Gewalt einzusetzen, um die entsprechenden Seewege offenzuhalten. Die Fördermengen werden wahrscheinlich nicht sofort wieder das Niveau von vor dem Krieg erreichen. Aber man kann ihm ziemlich nahekommen. Saudi-Arabien und andere Staaten können versuchen, über ihre Pipelines mehr Öl zu exportieren. Wenn man diese zusätzlichen Mengen mit einer zumindest teilweise wiederhergestellten Schifffahrt im Golf kombiniert, lässt sich der Preisdruck erheblich reduzieren.
Warum handelt er dann nicht?
Trump fürchtet, dass die USA nicht genügend defensive Raketen zur Verfügung haben und eine noch größere militärische Operation notwendig werden könnte. Dabei wird ein Punkt häufig übersehen: Wenn defensive Systeme knapp sind, kann man offensive Waffen einsetzen, um Raketenstellungen und Drohneneinrichtungen an ihrem Ausgangspunkt zu zerstören. Dann muss man die Raketen später nicht über ihrem Ziel abfangen. Das würde allerdings einen erheblich größeren Einsatz amerikanischer Streitkräfte bedeuten. Und Trump will das wegen der Wahlen im November vermeiden. Deshalb sage ich: Er steckt in einer selbst geschaffenen Falle. Ich weiß, was ich tun würde. Aber Trump wird darauf nicht hören. Ihn interessiert vor allem, was im November passiert.
„Es ist schwer zu sagen, worin die Geheimdienste genau übereinstimmten und worin nicht. Nach solchen Ereignissen erleben wir immer das gleiche Spiel: Hinterher erklären alle, sie hätten schon vorher gewarnt. Das liebe ich besonders“
Verfügen die Vereinigten Staaten also tatsächlich über zu wenige Waffen?
Das muss man global betrachten. Jeder regionale Befehlshaber möchte möglichst große Bestände haben. Wenn Sie beispielsweise zum Indo-Pazifik-Kommando gehen und sagen: Wir brauchen ein Drittel eurer Patriot-Raketen, dann wird man Ihnen sagen: Um Gottes willen, dann werden wir gegenüber China verwundbar und können unseren Auftrag nicht mehr erfüllen. Und wahrscheinlich haben sie damit sogar recht. Das Problem ist also nicht nur Trumps mangelnde strategische Planung. Wir leiden seit Jahrzehnten unter zu geringen Vorräten, einer zu kleinen Rüstungsproduktion und falschen Berechnungen darüber, wie groß die Reserven sein müssen. Da gibt es reichlich Verantwortung zu verteilen.
Zum Beispiel?
Nehmen Sie die Patriot-Systeme. Schon während der Biden-Regierung wurden Patriots an die Ukraine geliefert, und auch europäische Staaten gaben Systeme ab. Die entscheidende Frage lautet: Wie hoch war 2022, 2023 oder 2024 die Produktionsrate für Ersatz? Sie war offensichtlich nicht hoch genug, um die Bestände schnell wieder aufzufüllen. Warum hat man also nicht schon damals begonnen, die Produktion massiv hochzufahren? Das geht nicht mit einem Fingerschnippen. Man braucht Zeit, um Produktionskapazitäten aufzubauen. Aus dem Krieg in der Ukraine wussten wir außerdem schon 2022 und 2023, dass der Verbrauch von Artilleriemunition sehr viel höher ist, als sämtliche Planungen zuvor angenommen hatten – sowohl auf russischer als auch auf ukrainischer Seite. Das ist die Natur dieses Krieges. Wenn Sie daraus eine Lehre ziehen, dann doch die, dass möglicherweise auch der Verbrauch von Patriot-Raketen höher sein wird als erwartet. Als Trump Anfang 2025 ins Amt kam und der Biden-Regierung vorwarf, zu viele Patriots an die Ukraine geliefert zu haben, hätte er gleichzeitig die Produktion massiv erhöhen müssen. Das geschah nicht. Jetzt ist es etwas spät.
Wären amerikanische Bodentruppen notwendig, um die Straße von Hormus zu sichern?
Nicht unbedingt in großer Zahl. Ich könnte mir begrenzte Einsätze von Bodentruppen auf der Nordseite des Golfs vorstellen, beispielsweise gegen Drohnenstellungen oder Raketenanlagen. Sie könnten die Marine und die Luftwaffe dabei unterstützen, Ziele auszuschalten, von denen eine Gefahr für Schiffe im Golf ausgeht. Aber ich spreche nicht von einer Invasion und nicht von großen Truppenkontingenten. Und schon gar nicht von einer dauerhaften Besetzung.
Ist ein Regimewechsel im Iran überhaupt möglich, wenn er nicht von innen heraus kommt?
Das war von Anfang an die Realität. Erstens müssen die Menschen im Iran selbst bereit sein, etwas zu unternehmen. Wir werden das nicht für sie erledigen. Und zweitens hat Trump von Anfang an gesagt: keine amerikanischen Bodentruppen. Wenn man also einen Regimewechsel will – und ich befürworte ihn seit Langem –, stellt sich die Frage, wie man ihn ohne amerikanische Bodentruppen erreichen kann. Die Antwort lautet: Man muss viel intensiver mit der iranischen Opposition zusammenarbeiten.
Was hätte das konkret bedeutet?
Dabei geht es nicht nur darum, ihr Waffen zu geben. Man muss fragen: Was braucht ihr? Geld? Kommunikationsmittel? Waffen? Und vor allem: Wozu seid ihr in der Lage? Es geht auch nicht nur um Demonstrationen auf den Straßen oder militärische Aktionen. Man muss überlegen, wie man dazu beitragen kann, dass das Regime an der Spitze auseinanderbricht. Wo gibt es innerhalb des Systems Menschen, die sich umsehen und sagen: Dieses Schiff geht unter, und ich werde nicht mit ihm untergehen? Man kann sehr viel tun, um die inneren Spannungen zu verschärfen und die Voraussetzungen für einen Regimewechsel zu verbessern. Solche Möglichkeiten entstehen teilweise ganz von selbst. In der Führung und in den Sicherheitsapparaten gibt es unterschiedliche Fraktionen und persönliche Rivalitäten. Genau solche Konflikte muss man ausnutzen. Israel verfügt aufgrund seiner jahrelangen Arbeit vermutlich über bessere Erkenntnisse über diese inneren Strukturen als wir. Aber auch die Opposition muss verstehen: Ein solcher Prozess braucht Zeit und Vorbereitung. Genau diese Vorbereitung fand vor Beginn der Kampfhandlungen nicht ausreichend statt.
„Wenn Sie einen Regimewechsel anstreben, können Sie nicht drei Monate vor Beginn eines Krieges damit anfangen. Man muss Jahre vorher überlegen“
Und man hätte die Opposition folglich schon viel früher unterstützen müssen?
Natürlich. Wenn Sie einen Regimewechsel anstreben, können Sie nicht drei Monate vor Beginn eines Krieges damit anfangen. Man muss Jahre vorher überlegen: Was brauchen wir? Wie schnell können wir handeln? Welche Ressourcen brauchen wir? Wie gelangen sie zu den richtigen Leuten? Einer der wenigen Berichte über konkrete Vorbereitungen betrifft die Idee, die Kurden zu bewaffnen. Nach den Berichten, die ich gesehen habe, wurde diese Idee offenbar aufgegeben, nachdem Präsident Erdoğan Trump gebeten hatte, es nicht zu tun. Wenn das zutrifft, war das ein großer Fehler. Die Kurden hätten das Regime nicht allein stürzen können. Aber sie hätten eine wichtige Rolle spielen können – auch dabei, andere ethnische Gruppen oder oppositionelle Zellen im Iran zu unterstützen. Wenn die Berichte stimmen, war das eine enorme verpasste Gelegenheit.
War der von Benjamin Netanjahu und dem Mossad verfolgte Plan für einen Regimewechsel von Anfang an unrealistisch?
Wir kennen natürlich nicht den gesamten Plan. Wenn allerdings ein Teil der Vorstellung darin bestand, dass Reza Pahlavi nach dem Zusammenbruch des Regimes unmittelbar als neuer Führer auftreten könnte, wäre ich sehr skeptisch gewesen. Ich hätte darauf jedenfalls kein Geld gesetzt. Wenn das Regime eines Tages zusammenbricht, halte ich eine Übergangsregierung für wahrscheinlich, an der möglicherweise Teile des regulären Militärs beteiligt wären. Vielleicht wäre für eine kurze Zeit sogar eine militärisch geprägte Regierung notwendig. Im Iran gibt es sehr viele offene Rechnungen. Gleichzeitig besteht kein Konsens darüber, wie eine neue Verfassung aussehen soll. Und wenn wir eines gelernt haben, dann doch dies: Wir werden dem Iran von außen keine neue politische Ordnung aufzwingen. Deshalb sollte sich zunächst alles auf das wichtigste Ziel konzentrieren: den Sturz des Regimes. Anschließend braucht man Stabilität und genügend Zeit, damit die Iraner selbst entscheiden können, wie ihre nächste Regierung aussehen soll.
Hat Trump Warnungen der amerikanischen Geheimdienste ignoriert, weil sie nicht zum israelischen Plan passten?
Es ist schwer zu sagen, worin die Geheimdienste genau übereinstimmten und worin nicht. Nach solchen Ereignissen erleben wir immer das gleiche Spiel: Hinterher erklären alle, sie hätten schon vorher gewarnt. Das liebe ich besonders. Aber nehmen wir einmal an, die amerikanischen Geheimdienste hätten von Anfang an gesagt, der israelische Plan sei unrealistisch. Dann hätte Trump eine Entscheidung treffen müssen. Entweder sagt man: Der Regimewechsel ist grundsätzlich ein realistisches Ziel – dann muss man den israelischen Plan verbessern. Oder man sagt: Das Ziel ist unrealistisch – dann beginnt man den Krieg nicht.
Wie beurteilen Sie die iranische Blockade der Straße von Hormus?
Ich höre häufig von Liberalen in den Vereinigten Staaten oder von Linken in Europa, die Vereinigten Staaten würden internationales Recht verletzen. Aber hier haben wir einen ziemlich eindeutigen Fall. Nach jahrhundertealtem Gewohnheitsrecht besitzen Handelsschiffe das Recht der friedlichen Durchfahrt. Unter bestimmten Bedingungen gilt das auch für Kriegsschiffe. Die Vorstellung, Iran könne einfach den Verkehr durch eine internationale Wasserstraße kontrollieren, verstößt gegen diese Prinzipien. Das sollte auch in Europa niemand akzeptieren. Denn wenn man einen solchen Präzedenzfall zulässt, hat das Auswirkungen auf andere Meerengen und internationale Wasserwege. Wenn Iran damit durchkommt, werden andere Staaten daraus ihre Schlüsse ziehen.
Wie wird dieser Krieg Ihrer Einschätzung nach enden?
Das kann niemand vorhersagen, weil Trump selbst nicht weiß, wohin er will. Sein unmittelbares Ziel scheint zu sein, die Ölpreise deutlich unter das derzeitige Niveau zu bringen. Danach, so scheint es, will er weitersehen. Aber solange er nicht weiß, was sein eigentliches strategisches Ziel ist, kann man auch nicht seriös vorhersagen, wie dieser Krieg endet.
„Wenn sich herausstellt, dass es eine russische Drohne war, muss Deutschland das klar benennen. Man darf einen solchen Vorgang nicht einfach als Unfall abtun“
Kommen wir zur Ukraine. In Leipzig hat es einen Drohnenangriff gegeben. Halten Sie Russland für den Urheber?
Ich weiß nur, was ich aus den Medien kenne. Natürlich liegt der Verdacht nahe. Wir sehen seit Langem, dass Russland in unterschiedlichen Bereichen testet, wie weit es gehen kann. Es gab Vorfälle mit Drohnen in Polen, im Baltikum, in Rumänien und Moldau. Hinzu kommen mögliche Eingriffe in Infrastruktur und Informationstechnologie. Ich glaube, das gehört zu dem russischen Versuch herauszufinden, was der Westen toleriert und wie er reagiert. Schon im Kalten Krieg gehörte es zu den russischen Zielen, die westlichen Staaten auseinanderzudividieren. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass dieses Ziel heute verschwunden ist.
Könnte Russland tatsächlich bewusst einen Angriff auf ein Ziel in Leipzig riskieren, bei dem ein Flugzeug explodiert?
Es wäre ein riskantes Spiel. Aber die Russen beobachten selbstverständlich auch die politische Lage innerhalb Deutschlands. Sie verfolgen, wie stabil die Unterstützung für die Ukraine ist und wo sie möglicherweise gesellschaftliche Konflikte ausnutzen können. Nur weil wir eine bestimmte russische Kalkulation für unvernünftig halten, bedeutet das nicht, dass niemand in Moskau so denkt. Wie finden Sie heraus, ob ein Elektrozaun funktioniert? Sie berühren ihn und sehen, was geschieht. Genau so testen Staaten Grenzen.
Wie müsste Deutschland auf einen solchen Angriff reagieren?
Wenn sich herausstellt, dass es eine russische Drohne war, muss Deutschland das klar benennen. Man darf einen solchen Vorgang nicht einfach als Unfall abtun. Natürlich braucht man Belege. Aber Russland nutzt gerade diese Unsicherheit. Wenn niemand genau weiß, was passiert ist und wer verantwortlich ist, erschwert das eine entschlossene westliche Reaktion.
Braucht Deutschland angesichts der veränderten Weltlage einen Nationalen Sicherheitsberater nach amerikanischem Vorbild?
Ich denke, das wäre sinnvoll. Deutschland verfügt inzwischen über Strukturen, die in diese Richtung gehen, aber die Position ist weiterhin weniger stark institutionalisiert als etwa in den Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Frankreich. Der amerikanische Nationale Sicherheitsrat entstand nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Erkenntnis, dass die Welt sehr viel komplexer geworden war. Die Vereinigten Staaten konnten sich daraus nicht mehr zurückziehen. Also brauchten sie einen Mechanismus, der dem Präsidenten bei Entscheidungen hilft und mächtige Behörden wie das Verteidigungs- und das Außenministerium an einen Tisch zwingt. Diese Ministerien hatten zuvor häufig weitgehend unabhängig voneinander gehandelt. Ein Nationaler Sicherheitsberater soll sicherstellen, dass alle Teile der Regierung dieselbe Strategie verfolgen. Unter Trump funktioniert dieses System natürlich nicht besonders gut, weil er selbst ausgesprochen erratisch entscheidet. Grundsätzlich aber halte ich eine solche Institution auch in einem parlamentarischen Regierungssystem für sehr hilfreich.
Wie wird sich der Krieg in der Ukraine Ihrer Meinung nach weiterentwickeln?
An der Front erwarte ich kurzfristig keine dramatischen Veränderungen. Russland kann möglicherweise kleinere Geländegewinne erzielen, aber nichts wirklich Entscheidendes. Putin hat lange darauf gehofft, dass die russischen Streitkräfte irgendwo einen großen Durchbruch erzielen und die ukrainische Verteidigung zusammenbricht. Dazu ist es bisher nicht gekommen, und ich sehe momentan auch keine Anzeichen dafür. Der wichtigere Wandel liegt aus meiner Sicht an anderer Stelle. Russland hat die Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine nochmals verstärkt. Gleichzeitig besitzt die Ukraine inzwischen die Fähigkeit, deutlich tiefer in russisches Territorium hineinzuschlagen.
Was verändert das?
Das ändert selbstverständlich nichts daran, dass es sich um einen russischen Angriffskrieg handelt. Aber psychologisch ist es wichtig, dass nun auch die russische Bevölkerung stärker mit den Folgen dieses Krieges konfrontiert wird. Die Ukraine greift Infrastruktur und Ölraffinerien an. Dadurch steigen die Kosten des Krieges für Russland. Für Putin wird es schwieriger zu behaupten, dieser Krieg könne geführt werden, ohne dass die russische Gesellschaft davon wesentlich betroffen wird. Ich weiß nicht, wie stark das Putin unmittelbar beeinflusst. Aber die ukrainischen Erfolge innerhalb Russlands können mit der Zeit einen größeren Druck erzeugen, als die Ukraine bisher ausüben konnte.
Hat auch der Druck der Vereinigten Staaten dazu beigetragen, dass Deutschland die Ukraine inzwischen stärker unterstützt?
Ich denke schon. Allerdings war die deutsche Unterstützung zu Beginn des Krieges ziemlich zurückhaltend. Ich erinnere nur an die Debatte um die Lieferung von Helmen. Das war damals nicht gerade ein starkes Signal. Später kam mit der „Zeitenwende“ ein erheblicher Wandel, und der Umfang der Unterstützung nahm deutlich zu. Das ist wichtig. Wie sich die deutsche Politik künftig entwickelt, wird auch davon abhängen, wie stabil die politischen Mehrheiten bleiben. Denn natürlich beobachtet Russland sehr genau, ob die Unterstützung für die Ukraine in Deutschland auf Dauer trägt.



