Hallo aus Hannover,
humanoide Roboter finde ich absolut faszinierend, aber auch ein wenig beängstigend. Sie bewegen sich immer menschenähnlicher, sind kräftig, erstaunlich gelenkig und werden immer geschickter. Allerdings reagieren sie gerade bei spektakuläreren Bewegungsabläufen wie bei Tänzen oder Kunststücken nicht auf die Umgebung, sondern wiederholen nur zuvor Antrainiertes. Statt einstudierter Bewegungen müssen die Maschinen ihre Umgebung jedoch verstehen und lernen, mit ihr zu interagieren.
Davon hängt es auch ab, ob mein künftiger Hausgehilfe die Küche aufräumt, ohne Geschirr zu zerbrechen. Oder mir Essen bringen und meine Kleidung wäscht, wenn ich das nicht mehr selbst kann und menschliche Fachkräfte fehlen. Sofern ich mich dann noch äußern kann, könnte ich mit dem Robi klarkommen. Doch weil sich das Verständnis der menschlichen Maschinen auf mechanische Tätigkeiten bezieht, sie aber weder soziale Situationen deuten noch angemessen darauf reagieren können, fehlen ihnen grundlegende Fähigkeiten zum Umgang mit Menschen.
Im Labor der HS Mannheim soll der Unitree G1 lernen, mit Menschen zu interagieren, damit er sich später im Haushalt oder in der Pflege nützlich machen kann.
(Bild: Hochschule Mannheim)
Das ist genau der Teil, den ich beängstigend finde: Der Roboter spult sein Programm mangels Gespürs für soziale Situationen ab, ob das den anwesenden Menschen nun passt oder nicht.
Tanzende Roboter
Sie tanzen, springen, greifen – verstehen dabei aber kaum, was um sie herum vorgeht. Humanoide Roboter beeindrucken mit einstudierten Bewegungen, doch es fällt ihnen schwer, autonom zu handeln. So beeindruckt ein Unitree G1, der mit spektakulären Kampfsport-Moves durch eine Halle wirbelt, doch nützlich ist er deshalb nicht. Und wenn ein Figure 03 vom US-Unternehmen Figure AI einen Geschirrspüler einräumt, darf man zweifeln, ob er das auch wirklich bei jedem beliebigen Gerät so schön hinbekommt – oder vielleicht doch nur unter großem Aufwand auf genau diese eine Szene vorbereitet wurde.
„Diese Kung-Fu-Bewegungen sind alle vorgezeigt, und dann gelernt“, sagt Professor Markus Vincze. „Sie sind nicht als Reaktion auf eine Interaktion mit der Umwelt entstanden, außer dass der Roboter einen flachen Boden annimmt.“ Vincze leitet das Labor „Vision for Robotics“ an der TU Wien und entwickelt Software für Roboter, die sich in Haushaltsszenarien nützlich machen sollen.
Die Probleme, auf die Roboter in der realen Welt treffen, kennt er genau, und einstudierte Bewegungen helfen dort nur bedingt weiter. Vielmehr müssen die Maschinen ihre Umgebung verstehen und lernen, mit ihr zu interagieren. „Wenn ein Roboter in einem solchen Video einen Geschirrspüler einräumt, sind das vielleicht drei Teller mit großem Abstand dazwischen“, sagt der Forscher. „Geben Sie ihm aber etwas Kleines wie einen Radiergummi, funktioniert das meistens schon nicht mehr.“
Wenn der humanoide Roboter Figure 03 in einem Werbevideo einen Geschirrspüler einräumt, heißt das nicht, dass er das auch in jeder anderen Küche schafft.
(Bild: Figure Robotics)
Den Robotern mangelt es an leistungsfähiger Physical AI. Der Begriff bezeichnet KI-Systeme, die nicht nur Informationen verarbeiten, sondern in der realen Welt handeln. Sie verbinden Wahrnehmung, Verständnis, Planung und Bewegung, damit Roboter mit Menschen, Objekten und ihrer Umgebung interagieren können. Hier sollen Vision-Language-Modelle helfen: Die VLMs kombinieren Bildverarbeitung und Sprachverständnis und befähigen einen Roboter, seine Umgebung nicht nur zu sehen, sondern auch sprachlich zu interpretieren.
Offene Systeme
Unternehmen benötigen möglichst viele echte Interaktionsdaten, um allgemein einsetzbare humanoide Roboter trainieren zu können. Das chinesische Unternehmen Unitree hat sich deshalb für ein offenes System entschieden und stellt seinen G1 der universitären Forschung zur Verfügung. „Strategisch ist es wahrscheinlich sehr klug, eine so gute Technologie auf diese Weise in die Forschungsgemeinschaft zu tragen“, sagt Professor Marcus Vetter, der an der Technischen Hochschule Mannheim das Institute for Applied Artificial Intelligence and Robotics leitet.
„Schon jetzt kann sich ein G1 anhand seiner Sensordaten in Gebäuden orientieren und sicher an Tischen und Stühlen vorbei navigieren“, sagt Vetter. Dem Roboter fehlt allerdings die Fähigkeit zum Umgang mit Menschen. So kann man ihm zwar befehlen, einem menschlichen Gegenüber die Hand zum Gruß hinzuhalten. Ob jemand diese Hand dann tatsächlich nehmen und schütteln will, kann er aber nicht einschätzen.
Offene, kollaborative Systeme wie das von Unitree sind allerdings eher die Ausnahme. Stattdessen arbeiten viele Akteure unabhängig voneinander hinter verschlossenen Türen. Dadurch schreitet die Entwicklung von Vision-Language-Action-Modellen insgesamt eher langsam voran. Offene Roboterplattformen, gemeinsam genutzte Infrastruktur und Open-Source-Software könnten ein entscheidendes Gegengewicht zu proprietären Systemen großer Unternehmen bilden.
Warum die Humanoiden noch ganz am Anfang stehen und wo ihre Grenzen liegen, wie Vision-Language-Action-Modelle ihr Welt-Verständnis verbessern könnten und welche Halbleiter-Chips für Roboter essenziell sind, erfahren Sie in unserem Schwerpunkt in der aktuellen Ausgabe der c’t.
- Physical AI: So lernen Roboter, die Welt zu verstehen
- Robotikforscher Burgard im Interview: Warum humanoide Roboter noch am Anfang stehen
- Der Traum vom Haushaltsroboter und welche Chips er braucht
(Bild: Ulrike Weiss / KI / heise medien)
Auch das noch!
Kompakte Lesegeräte mit E-Ink-Display gibt es schon lange, doch die E-Reader haben sich weiterentwickelt. So finden sich arbeitswillige Schreibkladden, E-Reader mit Extras oder vollwertige Android-Geräte darunter. Viele nutzen ein monochromes E-Paper-Display, einige bunte Tinten, wobei ich das Wörtchen „bunt“ bewusst gewählt habe. Es geht nicht um supersatte HDR-fähige Anzeige mit feiner 10-Bit-Auflösung und einer Milliarde Mischfarben, sondern um Displays mit bis zu 50.000 Farben. Dennoch bringt die farbige Anzeige Vorteile, etwas beim Anzeigen von Comics, beim Zeichnen oder wenn man seine Notizen farbig ausgestalten will.
Allerdings sind die bunten Panels teuer und sie benötigen mehr Zeit für den Seitenaufbau. Deshalb sollten sich Nutzer vorab Gedanken machen, welche Ausstattung sie wirklich benötigen. So ist Schrift am monochromen Display meist schärfer, einige Reader beherrschen die Schrifterkennung besser als andere, an anderen lässt sich super zeichnen und bei einigen gleicht das Schreibgefühl dem Schreiben mit normalen Stiften auf Papier. Eigentlich banal, aber ebenfalls wichtig: Die Größe des Geräts sollte zum geplanten Einsatzzweck passen.
Mein Kollege Robin Brand hat sich 14 E-Reader genauer angeschaut. Sein Fazit: Einigermaßen ordentliche Handschriften wandeln fast alle Geräte treffsicher in Text um. Unterschiede gibt es bei den unterstützten Formaten und den angebundenen Cloud-Diensten. Wer den Einsatzzweck vorher absteckt, kann einen Fehlkauf vermeiden.
(Bild: Andreas Wodrich / heise medien)
Meine persönlichen Highlights
Der Verbindungsstandard Matter rauft die Smart-Home-Welt halbwegs zusammen. Diverse Marken, Geräte und Funktechniken unter einer Bedienoberfläche zu bändigen, ist damit einfacher als früher. Aber ohne die richtige Infrastruktur läuft nichts.
Die europäische Bezahlart Wero kommt langsam in den Onlinehandel. Kritiker bemängeln, dass es die Amazon-Cloud AWS nutzt. Wir ordnen den Stand der Dinge ein.
Verschlüsselung schützt persönliche und geschäftliche Daten beim Verlust von Datenträgern. Die USB-SSDs von Adata und Lexar lassen sich per Handy entsperren.
Generative KI funktioniert, aber nur unter immensem Einsatz von Ressourcen. Schuld daran ist der unnötig rechenintensive Attention-Mechanismus der Transformer-Modelle. Er wird zunehmend zum Flaschenhals und genügsame Alternativen wie xLSTM oder Kimi Linear bekommen Aufwind – vor allem in Industrieanwendungen.
Batteriespeicher ist so günstig wie nie zuvor. Hatte man den Speicher aus Kostengründen zu niedrig dimensioniert oder will ihn ersetzen oder ergänzen, verspricht Anker Solix mit der Solarbank Max AC ein Plug-and-Play-System zum bequemen Nachrüsten.
Wir haben heise-Leser gefragt, wie sie Videokonferenzsoftware nutzen. Viele schätzen Privatsphäre und EU-Hosting, doch nur ein Viertel der Befragten entkommt Microsoft Teams. Einige Gründe dafür zeigt unsere Umfrage.
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Auf Chromebooks läuft nicht nur ChromeOS. Mit ein paar Handgriffen lassen sich die schlanken und günstigen Geräte in vollwertige Notebooks verwandeln, auf denen Linux oder Windows läuft. Wir zeigen, wie das geht.
Ohne Raumfahrt gäbe es keinen Wetterbericht, keine Navigation, keinen globalen Zahlungsverkehr und schlechteres Internet. Gerade in solch kritischen Bereichen ist Europa stark von internationalen Partnern abhängig – insbesondere den USA.
Die Ariane 6 startete erstmals 2024 vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana. Seit Februar 2026 startet die europäische Schwerlastrakete bei Bedarf auch mit vier Booster-Triebwerken.
(Bild: ESA / L. Bourgeon)
Aus der Redaktion
Wenn ich durch die Redaktionsräume gehe, sehe ich in vielen Zimmern Ventilatoren stehen. Klar, die Hitze war zwischenzeitlich kaum auszuhalten und unsere Büroräume sind leider nicht klimatisiert. Also behelfen wir uns mit kleinen Tisch- und großen Standventilatoren.
Besonders überrascht war ich allerdings kürzlich beim Besuch eines Biergartens: An etlichen Tischen saßen Menschen mit kleinen Geräten in der Hand, um sich Frischluft ins Gesicht pusten zu lassen. Dieser Trend ist offenbar an mir vorbeigegangen – aber das lässt sich ändern.
Also schaue ich mir gerade akkubetriebene Ventilatoren an: Wie benehmen die sich am USB-Anschluss, wie lange halten sie durch und wie viel Luft wälzen sie tatsächlich um. Ich bin schon gespannt, welche Varianten am meisten bringen und wo der Trend nur ein modischer ist.
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(uk)



