Berlin beendet Notfall nach Cyberangriff

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Nach dem massiven Hackerangriff auf zwei Senatsverwaltungen im August hat der Berliner Senat jetzt das Ende der Notfalllage ausgerufen. Es lägen nun die Voraussetzungen dafür vor, „die Bearbeitung der Phase der akuten Gefahrenabwehr des IKT-Notfalls für beendet zu erklären“, teilte Digitalisierungs-Staatssekretär Florian Hauer (CDU) am Donnerstag den Senatsverwaltungen und Bezirksbürgermeistern mit.

Es könne „davon ausgegangen werden, dass die akute Gefahr infolge des Cyberangriffes bewältigt ist“, schreibt Hauer. Das sei aber keine Entwarnung. Die Bedrohungslage sei weiter angespannt, weitere Cyberangriffe könnten jederzeit erfolgen. Auf Nachfrage sagte Hauer dem Tagesspiegel, es gebe auch systematische Defizite bei der Sicherheit der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT).

Nötig seien jetzt – auch für den neuen Senat, die neue Regierungskoalition – weitere Schritte hin zu einer gesamtstädtisch koordinierten Cybersicherheitsarchitektur. Hauer sprach von Härtungsmaßnahmen. „Mittelfristig geht es um die Erhöhung des Einbruchsschutzes“, sagte Hauer. „Wenn dieser noch unzureichend ist, braucht man eine gute Alarmanlage. Die ist jetzt mittels eines Managed Detection und Response-Services installiert.“

Hacker wollten Landesnetz noch weiter infiltrieren

Für eine Übergangslösung sind nach Tagesspiegel-Informationen die Telekom und als deren Auftragnehmer das US-Unternehmen Crowdstrike beauftragt worden. Crowdstrike hat bereits seit Bekanntwerden des Hackerangriffs das IT-System des Landes mit seiner Software „Falcon Agent“ forensisch untersucht.

Dabei wurde entdeckt, dass die Hacker den Angriff über die beiden angegriffenen Senatsverwaltungen weiter ausbreiten wollten. Es sei ihnen jedoch nicht gelungen, das Landesnetz derart zu infiltrieren, dass weitere Daten abfließen.

Nun soll das System sogenannte Anomalien und Indikatoren für Angriffe schnell erkennen, um diese frühzeitig abzuwehren und infizierte Teile zu isolieren. Das schaffe einheitliche Sicherheitsstandards und stärke die Widerstandsfähigkeit der gesamten Berliner Verwaltung, hieß es.

Das Alarmsystem klingelt nicht nur, auch der Wachdienst wird sofort informiert.

Florian Hauer (CDU), Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung

„Das Alarmsystem löst nicht nur einen Alarm aus, auch ein Wachdienst wird sofort informiert und steht notfalls rund um die Uhr bereit, einzugreifen“, sagte Hauer. Das neue System stelle die kontinuierliche Überwachung und Bewertung sicherheitsrelevanter Ereignisse sicher und stärke die Reaktionsfähigkeit aller Behörden.

 Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Florian Hauer, Chief Digital Officer (CDO) und Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung.

© dpa/Bernd von Jutrczenka

Mit dem Abfluss von 1,4 Millionen Dateien in einem Umfang von vier Terabyte sei ein erheblicher Schaden entstanden. Cyberkriminelle der in Russland verorteten Hackergruppe „Rhysida“ waren bis Mitte August in die IT-Netze der Senatsverwaltungen für Verkehr und Bauen eingedrungen und konnten zunächst unerkannt teils hochsensible Daten herunterladen. Damit wollten sie den Senat auch erpressen, doch der verweigerte das geforderte Lösegeld von 30 Bitcoins (etwa zwei Millionen Euro).

Anfang September veröffentlichten die Erpresser den Datensatz im Darknet. Darunter sind Informationen, die eine massive Angriffsfläche für die organisierte Kriminalität sowie ausländische Geheimdienste bieten – für Identitätsklau und Erpressung von Privatpersonen bis hin zu Attacken auf die kritische Infrastruktur oder Bundesbehörden. Neben dem Landeskriminalamt sind auch Bundesbehörden mit dem Fall befasst, darunter das Bundeskriminalamt und das Bundesamt für Verfassungsschutz.

Kosten für das Land Berlin noch nicht absehbar

Welche Kosten der Cyberangriff und der Datenleak im Darknet für Berlin haben werden, ist bisher nicht absehbar. Für den ersten Auftrag an Crowdstrike fällt nach Tagesspiegel-Information bereits eine sechsstellige Summe im oberen Bereich an.

In derselben Höhe dürfte auch der Folgeauftrag an die Telekom liegen. Hinzu kommen mögliche Schadenersatzforderungen von Betroffenen, deren persönliche Daten nun im Darknet abrufbar sind. Die erste Analyse der Daten durch das Tagesspiegel Innovation Lab führt zum Ergebnis, dass Daten von 10.000 Personen enthalten sind – höchstwahrscheinlich deutlich mehr. Nach vorläufig konservativer Rechnung kämen Kosten in Höhe von vier Millionen Euro auf Berlin zu – mindestens.

Dabei sind die Behörden gerade erst am Anfang, die Betroffenen zu informieren. Das sei ein mühsamer Prozess, hieß es. Den gesamten Datensatz haben die Berliner Behörden selbst noch immer nicht komplett herunterladen können.

Teils wird noch anhand der Protokolldateien geprüft, welche Dateien von den Hackern heruntergeladen wurden und wer betroffen ist. Allerdings sollen die Hacker in den sogenannten Logfiles selbst Spuren verwischt haben. Auch Künstliche Intelligenz wird nun eingesetzt, um die Daten auf Betroffene zu prüfen.

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