
NAS-Systeme gibt es mittlerweile ja wie Sand am Meer. Auch Beelink ist mittlerweile in das Geschäft eingestiegen, nachdem man sich im Mini-PC-Markt ausgetobt hat. Nach dem Überraschungserfolg des ME Mini NAS war ich neugierig, wie hoch Beelink die Messlatte diesmal mit dem ME Pro legt. Herausgekommen ist ein ultrakompaktes 2-Bay-NAS mit einigen Innovationen, aber auch ein paar Eigenheiten, die man kennen sollte.

Erster Eindruck & Verpackung
Das Beelink ME Pro NAS ist alles andere als Standard. Das Gehäuse ist mit 166 x 121 x 112 mm wirklich winzig und damit kleiner als viele Mini-PCs. Die Verarbeitung wirkt hochwertig und das Metallgehäuse fühlt sich stabil an. Im Karton findet man außerdem alles, was man braucht: Netzteil, Schrauben und ein kleiner Schraubendreher. Das Zubehör ist platzsparend im Festplattenrahmen verstaut. Kein loses Herumfliegen, kein unnötiger Verpackungsmüll. Man denkt erst, es fehlt was, da man nur das Gehäuse auspackt. Das Ganze ist durchdacht und hebt sich von vielen Mitbewerbern ab.

Hier mal die wichtigsten Specs im Überblick:
- Intel N95 (4 Kerne, 4 Threads, 6 MB Cache)
- 12 GB LPDDR5 RAM (fest verlötet, kein Upgrade möglich)
- 2x SATA 3,5″/2,5″ HDD/SSD-Bays
- 3x M.2 NVMe (1x PCIe 3.0 x2, 2x PCIe 3.0 x1)
- 1x 5GbE, 1x 2,5GbE
- WiFi 6 und Bluetooth 5.4 integriert
- Modularer Mainboard-Schlitten für spätere Upgrades
Die Kombination aus 5GbE, WiFi 6 und drei NVMe-Slots ist in dieser Preisklasse und Größe relativ selten. Gerade für ambitionierte Nutzer, die mehr als nur einfache Dateifreigaben wollen, ist das ein echtes Plus. Die meisten Konkurrenten bieten hier maximal 2,5GbE. Dazu gibt es WiFi 6 und Bluetooth 5.4 – praktisch für die Erstinstallation oder wenn das NAS mal temporär ohne Kabel ins Netz soll. Die Antenne ist ins Frontpanel integriert, es gibt also keine abstehenden Teile. WiFi ist bei einem NAS immer nur eine Notlösung, für Dauerbetrieb sollte man auf Kabel setzen.

Das ME Pro ist ein Windows-Rechner. Man kann das zwar als NAS betreiben, würde ich aber nicht empfehlen. Am besten man schmeißt da TrueNAS oder ein anderes NAS-System drauf.
Installation & Praxiserfahrung
Die erste Einrichtung ist schnell erledigt, aber man merkt dem Gerät die Kompaktheit an. Die Festplatten werden klassisch verschraubt, kein Tool-less-System wie bei manchen großen NAS. Der Schraubendreher ist zwar dabei, aber sehr klein und damit für große Hände etwas fummelig. Die NVMe-Slots sind über eine Bodenklappe erreichbar, auch hier braucht es Fingerspitzengefühl, weil alles sehr eng sitzt.

Das Netzteil ist extern, was die Wärmeentwicklung im Gehäuse reduziert. Die Lüftersteuerung arbeitet angenehm leise. Damit bleibt das NAS auch unter Last akustisch unauffällig. Im Alltag auf dem Schreibtisch oder im Wohnzimmerregal fällt das Gerät somit kaum auf.
Ein echtes Highlight ist das modulare Mainboard-Konzept. Das Board sitzt auf einem Schlitten und lässt sich mit wenigen Handgriffen aus dem Gehäuse ziehen. Beelink verspricht, dass es künftig alternative Boards mit AMD- oder ARM-CPUs geben soll. Das Gehäuse und die Laufwerksaufnahmen bleiben dann erhalten. Das ist ein spannender Ansatz, der das NAS zukunftssicher machen könnte – vorausgesetzt, Beelink liefert die versprochenen Upgrades auch wirklich. Das sollte man beim Kauf bedenken.

Im Alltag merkt man aber auch, dass das Gehäuse extrem eng gebaut ist. Wer oft Laufwerke tauscht oder viel bastelt, wird mit klassischen, größeren NAS-Systemen glücklicher. Die Montage ist präzise, aber nicht werkzeuglos. Für den normalen Nutzer, der einmal einrichtet und dann Ruhe haben will, ist das aber kein Problem.
Im Test lief das Beelink ME Pro NAS mit dem N95 und 12 GB RAM. Die Performance ist für typische NAS-Aufgaben mehr als ausreichend: Dateifreigaben, Medienstreaming, Docker-Container und sogar leichte Virtualisierung laufen problemlos. RAM könnte immer mehr sein, aber mit 12 GB kann man schon was anstellen. Erweiterbarkeit hätte ich hier aber gern gesehen, gerade in Zeiten von LLMs.

Hier nochmal für euch ein paar Ergebnisse von den üblichen Benchmarks. Erwartet kein Performancewunder. Anspruchsvolles kann man damit nicht machen. Hier könnten dann eher die ARM- oder Ryzen-Chips greifen.





Die drei M.2-Slots sind praktisch, aber nicht alle gleich schnell: Slot 1 bietet PCIe 3.0 x2, die anderen beiden nur x1. Für das Systemlaufwerk sollte man also unbedingt Slot 1 nutzen. Für Cache oder weniger anspruchsvolle Aufgaben reichen die langsameren Slots aber aus.
Im Vergleich zu klassischen NAS-Systemen wie Synology, QNAP oder UGREEN punktet das Beelink ME Pro vor allem bei Kompaktheit und Netzwerk (je nach Modell natürlich). Die großen Marken bieten dafür meist mehr Software-Komfort, einfachere Erweiterbarkeit und ein größeres Ökosystem. Wer aber Wert auf Hardware-Power und Flexibilität legt, bekommt mit dem Beelink ein spannendes Paket.
Das Fazit
Das Beelink ME Pro NAS ist ein mutiger Gegenentwurf zu klassischen NAS-Systemen. Kompakt und mit ein paar cleveren Ideen – vor allem das modulare Mainboard und die starke Netzwerkausstattung stechen heraus. Die Kompaktheit bringt aber auch Einschränkungen: wenig Platz im Inneren, keine RAM-Upgrades, und die Montage ist nichts für Grobmotoriker.
Wer ein NAS sucht, das wenig Platz braucht, schon etwas mehr RAM bietet und mit schnellen Netzwerkanschlüssen punktet, sollte das Beelink ME Pro auf dem Zettel haben. Wer maximale Aufrüstbarkeit oder ein großes Software-Ökosystem will, bleibt besser bei den etablierten Marken.
Das Beelink ME Pro NAS gibt es aktuell in mehreren Ausführungen ab 369 US-Dollar. Für die gebotene Hardware ist das fair bepreist.
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5 days ago
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