Das Entwicklerstudio Game Freak ist eigentlich primär für seine Spiele zur Marke „Pokémon“ bekannt. Mit „Beast of Reincarnation“ hat man sich unter dem Dach des Publishers Fictions nun an einem erwachseneren Action-RPG versucht. Der Titel ist seit dieser Woche für PC und Konsolen erhältlich. Ich habe einmal einen Ausflug in dessen dystopische Mischung aus Science-Fiction und Fantasy gewagt.
Die Story dreht sich um die Protagonistin Emma und ihren Wolfshund Kuu. Beide kämpfen in einer postapokalyptischen Welt um das Überleben, in welcher eine Seuche die Menschheit beinahe ausgerottet hat. Viele Überlebende sind kaum als solche zu bezeichnen, denn ihre Seelen existieren nur noch in Roboterkörpern weiter. Die Tiere der Welt hat es kaum besser getroffen, denn sie sind teils mutiert bzw. von Pflanzen vereinnahmt worden und attackieren jetzt alles, was ihnen in die Quere kommt.
Emma und Kuu sind immun gegen die mysteriöse Seuche, aber weder gegen die Angriffe von Flora und Fauna noch gegen andere Hindernisse und Feinde, die sich ihnen entgegenstellen. Aber sie haben auch Unterstützung, zum Beispiel durch die Waise Kagura. Gemeinsam reist die Truppe durch verschiedene Gebiete und ist einer Lösung auf der Spur, die Erde wieder in gesunde Bahnen zu lenken.
Mein Test-System:
CPU: AMD Ryzen 7 9800X3D
CPU-Kühler: Noctua NH-D15 G2
Motherboard: MSI Tomahawk Wi-Fi AMD X670E
RAM: 64 GByte G.Skill Trident Z5 Neo RGB DDR5-6000 CL30
Grafikkarte: Nvidia GeForce RTX 5080
SSD: Kingston Fury Renegade 2 TByte + WD_Black SN850 1 TByte
Externer Zusatzspeicher: SanDisk Extreme Portable SSD mit 8 TByte
Netzteil: be quiet! Power Zone 2 (1.000 Watt)
Tower: be quiet! Dark Base Pro 901 (White)
„Beast of Reincarnation“: Game Freak zeigt, was ohne Nintendo geht
Game Freak sorgte durch seine Technik in seinen Pokémon-Spielen immer wieder für Kontroversen. Denn seien wir ehrlich: Zeitgemäß sehen die Games der Reihe mitnichten aus. Das ist bei „Beast of Reincarnation“ anders. Das Spiel nutzt die Unreal Engine 5, was zu zweierlei Effekten führt. Einerseits sehen z. B. die Beleuchtung und die Reflexionen extrem ansehnlich aus. Andererseits unterstreicht die Engine wieder ihren Leistungshunger, sodass selbst ich mit meinem High-End-System ein wenig mit den DLSS-Settings spielen musste.
Ich bin dabei ein Fan von spannenden Geschichten und „Beast of Reincarnation“ fängt erst einmal sehr cool an. In gewisser Weise mischt man postapokalyptische Elemente aus „Horizon Forbidden West“ mit dem asiatischen Flair von Titeln wie „Sekiro: Shadows Die Twice“. Ab und an wirft man sogar philosophische Fragen auf, etwa was einen Menschen ausmacht – so wie man es von anderen Science-Fiction-Titeln wie „Blade Runner“, „Terminator 2“ und mehr kennt. Deren Tiefe erreicht „Beast of Reincarnation“ jedoch nicht im Ansatz.
Die Hauptfigur Emma kann man dabei gespalten einordnen. Sie hat keine Gefühle mehr, was in der Handlung ein interessanter Punkt ist und sie mit den Robotern mit menschlichen Seelen kontrastiert. Deswegen fällt es zwar manchmal schwer, mit ihr mitzufühlen, doch andererseits kommen Emotionen etwa durch Kagura ins Spiel, denn diese sieht die kühle Emma als eine Art Mutterersatz an. Generell sind die Charakterdynamiken aber etwas wechselhaft und entwickeln sich ab und zu sehr sprunghaft, was ich aber nicht im Detail spoilern möchte.
Wie ist die Action?
Das Gameplay bei „Beast of Reincarnation“ wechselt zwischen eher offenen Arealen und ziemlich linearen Story-Levels. Dabei übermannen letztere im weiteren Spielverlauf immer mehr den Rest, so als wäre Game Freak die Zeit ausgegangen, für mehr Auflockerung zu sorgen. Dabei nutzt Game Freak im Übrigen die Haare der Protagonistin als Waffe und Mobilitätshilfe. Zudem erhält sie im Spielverlauf immer neue Fähigkeiten, um die Haarpracht einzusetzen. Hat man sich eingegroovt, erkundet man daher die Umgebungen im Nu.
Zumal sich die Erkundung in den Arealen lohnen kann, weil man z. B. spezielle Gegner oder Belohnungen findet, die einen weiterbringen. Game Freak nutzt die Agilität von Emma allerdings zwiespältig. Denn ab und an kann die Welt nicht mit ihrer Akrobatik mithalten, weil künstliche Levelgrenzen einem vor Augen führen, dass die Kreativität des Spielers in einigen Fällen größer war als die Gestaltungsfreude der Entwickler. Manchmal ergeben sich so auch mehr oder minder amüsante Bugs, weil man im Zuge einer Hangelpartie zitternd irgendwo hängen bleibt, wo die Entwickler das nicht so vorgesehen hatten.
„Beast of Reincarnation“ kann zum Glück in den Kämpfen mit mehr Präzision punkten, in denen man verschiedene Angriffskombinationen nutzt, geschickt blockt und auch seine Spezialfähigkeiten gezielt nutzen muss. Dabei erinnert das Gameplay in diesem Punkt eher an Soulslike-Titel, denn gezieltes Timing und Gegenangriffe sind essenziell – Ausweichen hingegen ist eher ein letzter Schritt mit hohem Risiko. Zumal man zwar die meisten Gegner mit wenigen Hieben niederstreckt, aber auch selbst nach ein paar Treffern am Boden liegt. Es gibt also wenig Raum für Fehler.
Der Wolfshund Kuu ist dabei ein Begleiter, der einerseits selbst angreift, aber andererseits auch befehligt werden will, damit er seine Spezialattacken zündet. Diese kann er nicht unendlich raushauen, sondern ist von euren Blütenpunkten abhängig, die ihr durch Parieren sammelt. Das unterstreicht, dass es eher um das Wechselspiel aus Angriffen und Paraden geht als um das Ausweichen. Das Kampfsystem ist dabei herausfordernd, aber nicht so knallhart wie in den Titeln von FromSoftware. Zumal es faire Speicherpunkte gibt, sodass ihr nie zu viel Fortschritt einbüßt.
Hin und wieder gibt es Zwischengegner und Bossgegner, die noch mehr aufdrehen. Dabei gilt es die Angriffsmuster der Feinde zu erlernen, um gezielt anzugreifen, zu parieren oder auszuweichen. Kennt ihr das Muster, sind die Brocken kein Problem mehr. Wem es dennoch zu schwer wird, der wechselt zwischen den drei Schwierigkeitsgraden. Zudem kommt es oft auf die korrekte Auswahl an Fähigkeiten und Ausrüstung an, ob ein Kampf zum Kinderspiel oder zur Sisyphusaufgabe wird. Dabei wird alles von einem orchestralen Soundtrack untermalt, der auch bei einem Kinofilm positiv aufgefallen wäre.
Mein Fazit
Vielleicht lest ihr es heraus: Ich sitze bei „Beast of Reincarnation“ ein wenig zwischen den Stühlen. Der neue Titel von Game Freak ist beileibe nicht schlecht, aber auch kein neues Franchise, das man als Befreiungsschlag sehen könnte. Einerseits macht z. B. die ungewöhnliche Fortbewegung über die Haare der Protagonistin Laune und ihre Agilität lädt zum Experimentieren und Erkunden ein, andererseits setzt dem die Spielwelt manchmal harte Grenzen, die auch zu Bugs führen können.
Zudem gibt es manch bombastische Bosskämpfe, garniert mit orchestraler Musik, die wirklich filmreich wirken. Doch als Kontrast wiederholen sich manche Gegner viel zu oft und hat man einmal deren Muster erlernt, fühlten sich einige Gefechte wie stures Abarbeiten an. Und auch die Story fängt zwar sehr fesselnd an, ihr geht aber ab der Spielmitte immer stärker die Puste aus.
Da ich das asiatische Flair schätze, hat mir „Beast of Reincarnation“ am Ende im Gesamtbild dennoch gut gefallen. Bedenkt man aber die Flut hochkarätiger Titel, die unmittelbar vor uns liegt, etwa mit „Blood of Dawnwalker“ und mehr, könnte es Game Freaks Wagnis am Markt etwas schwer haben.
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1 week ago
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