Banken, KI und die Cloud: „Regulierung könnte auch ein Vorteil sein“

3 weeks ago 16

Apps, Neobanken und KI: Das Finanzgeschäft ist in Bewegung gekommen. Christoph Rabenseifner ist als Chief Strategy Officer bei der Deutschen Bank in Frankfurt für den Bereich Technologie, Daten und Innovation (TDI) zuständig. Außerdem leitet er das Corporate-VC-Geschäft bei der Großbank, sucht also auch nach Tech-Investitionen, die zu dem Geldhaus passen. Im Interview mit heise online spricht Rabenseifner über die Situation der Branche, den KI-Einsatz und die Frage nach der Cloud-Souveränität.

heise online: Herr Rabenseifner, waren Sie eigentlich schon immer im Bankbereich?

Christoph Rabenseifner: Nein. Während des Studiums habe ich ein Unternehmen gegründet, das ich später verkauft habe, weil ich eine Karriere im Investmentbanking verfolgen wollte. 2007 habe ich dann bei der Deutschen Bank in London angefangen, mit Fokus auf Banken und Versicherungen.

Deutsche-Bank-Stratege Christoph Rabenseifner.

(Bild: Deutsche Bank)

Ein bemerkenswerter Zeitpunkt, mitten in der Finanzkrise.

Das kann man so sagen. Ich habe ausgerechnet an einem Freitag, dem 13., angefangen. Aber 2007 und die Folgejahre waren für den Banken- und Versicherungsbereich natürlich außergewöhnlich intensiv. Es gab Kapitalerhöhungen, forcierte Verkäufe, viele EU-Themen – da war sehr viel Bewegung. Ich habe das siebeneinhalb Jahre gemacht und war danach in verschiedenen Funktionen in der Bank tätig, unter anderem als Chief of Staff für unseren Aufsichtsratsvorsitzenden und später im Strategiebereich.

Wie innovativ ist die deutsche Bankenbranche aus Ihrer Sicht heute? Von außen wirkt das oft wie ein Auf und Ab: hier traditionelle Institute mit gewachsenen Strukturen, dort Neobanken wie N26 oder Revolut, die den Markt über die Kundenschnittstelle aufrollen.

Die Finanzbranche hat nicht unbedingt den Ruf, besonders innovativ zu sein. Da gibt es nach wie vor einiges aufzuholen. Gleichzeitig ist in den vergangenen zehn Jahren auch viel passiert. Mit den Neobanken kam zunächst viel Innovation an der Kundenschnittstelle: bessere Apps, modernere Oberflächen, ein einfacherer Zugang.

Das Banking selbst war dabei oft gar nicht so grundlegend anders. Klassische Banken – egal ob Sparkassen, Privatbanken oder Direktbanken – haben damals ein Stück weit den Zug verpasst, ihre Kundenschnittstellen rechtzeitig zu modernisieren. Online-Banking gab es zwar überall, aber oft in einer Form, die sich über Jahre kaum verändert hat.

Das hat sich inzwischen verbessert?

Ja, vor allem seit der Corona-Krise. Alle relevanten Banken in Deutschland haben ihre Mobile-Apps und ihr Online-Banking sinnvoll modernisiert. Ob einem die eine oder andere Lösung besser gefällt, kann man diskutieren. Aber viele Angebote sind heute durchaus auf einem Niveau, das mit Neobanken mithalten kann. Bei Preis und Geschwindigkeit ist das aber noch nicht immer der Fall.

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