OpenAIs neues Flaggschiffmodell GPT-5.6 Sol soll in Coding- und Cybersecurity-Aufgaben deutlich vor Anthropics Claude Mythos liegen. Der Zugang bleibt vorerst auf wenige Partner beschränkt.
OpenAI hat mit GPT-5.6 Sol eine neue Modellgeneration vorgestellt, die mit Claudes Mythos-Klasse konkurrieren soll. Die limitierte Preview steht zunächst nur ausgewählten Partnern über die API und Codex zur Verfügung, auf explizites Bestreben der US-Regierung. Die nahm zuvor auch schon Anthropics Mythos-Klasse-Modell Fable 5 vom Markt.
In der Ankündigung von GPT-5.6 kritisiert OpenAI dieses Vorgehen mit überraschend deutlichen Worten: "Wir glauben nicht, dass eine solche Form des staatlichen Zugriffsverfahrens langfristig zum Standard werden sollte. Sie hält die besten Werkzeuge von Nutzern, Entwicklern, Unternehmen, Cyber-Verteidigern und globalen Partnern fern, die sie benötigen."
Neben dem Flaggschiff Sol umfasst die Serie zwei weitere Modelle: Terra konkurriert laut OpenAI mit GPT-5.5 und kostet dabei halb so viel. Luna ist die günstigste Variante.
Mit GPT-5.6 führt OpenAI auch ein neues, komplexes Namensschema ein, das an Claude erinnert. Die Nummer (x.6) bezeichnet die Generation, Sol, Terra und Luna stehen für dauerhafte Leistungsstufen, die sich laut OpenAI unabhängig voneinander weiterentwickeln können. Hinzu kommen ein neuer "max"-Modus für besonders tiefes Reasoning und ein "ultra"-Modus, der über Subagenten komplexe Aufgaben parallelisiert.
Sol übertrifft Claude Mythos beim agentischen Coding
Die von OpenAI veröffentlichten Benchmark-Ergebnisse positionieren Sol vor Anthropics Claude Mythos 5. Auf Terminal-Bench 2.1, einem Test für agentisches Coding, erreicht Sol 88,8 Prozent und Sol Ultra 91,9 Prozent. Claude Mythos 5 liegt bei 88 Prozent, Fable 5 bei 84,3.
GPT-5.6 Sol Ultra setzt sich im Coding-Benchmark Terminal-Bench 2.1 mit 91,9 Prozent an die Spitze. Claude Mythos 5 erreicht 88,0 Prozent, Googles Gemini 3.1 Pro Preview bildet mit 70,7 Prozent das Schlusslicht. | Bild: OpenAIAuch in der Biologie zeigt Sol laut OpenAI Fortschritte. Auf GeneBench v1, einem Benchmark für Genomik- und quantitative Biologie-Analysen, erzielt das Modell bessere Ergebnisse als GPT-5.5 (30 % vs. 22 % im Bestfall) bei gleichzeitig weniger verbrauchten Tokens.
Auf ExploitBench, der misst, wie gut KI-Agenten reale Sicherheitslücken in Googles JavaScript-Engine V8 bis hin zur vollständigen Codeausführung, erreicht Sol laut OpenAI eine mit Mythos Preview vergleichbare Leistung, benötigt dafür aber nur rund ein Drittel der Output-Tokens.
Auf dem Cybersecurity-Benchmark ExploitBench erreicht GPT-5.6 Sol bei rund 150.000 Output-Tokens eine ähnliche Leistung wie Anthropics Mythos Preview, das keine Token-Angaben liefert. Mythos 5 bleibt mit knapp 80 Prozent weiterhin vorn, allerdings ohne vergleichbare Effizienz-Daten. | Bild: OpenAIAuf ExploitGym, einem von Forschern der UC Berkeley in Zusammenarbeit mit OpenAI und anderen Laboren entwickelten Benchmark, zeigen alle drei GPT-5.6-Modelle Verbesserungen bei steigendem Reasoning-Aufwand; hier besteht also Skalierungspotenzial durch mehr Rechenleistung. Ein Vergleichswert der Claude-Modelle fehlt bei diesem Benchmark noch.
Insgesamt beschreibt OpenAI Sol als das bisher fähigste Modell im Bereich Cybersecurity, sieht es aber eher als Verteidiger denn als Angreifer. Das Modell könne Schwachstellen besser finden und beheben, als eigenständig End-to-End-Angriffe durchführen. In Tests mit Chromium und Firefox habe Sol Bugs und sogenannte Exploitation-Primitives identifiziert, jedoch keinen autonomen Full-Chain-Exploit produziert. Damit überschreite das Modell nicht den "Cyber Critical"-Schwellenwert des eigenen Preparedness Frameworks.
Preise, Verfügbarkeit und Cerebras-Launch im Juli
Die Preise pro eine Million Tokens betragen laut OpenAI für Sol 5 Dollar Input und 30 Dollar Output, für Terra 2,50 Dollar und 15 Dollar, für Luna 1 Dollar und 6 Dollar.
Neu ist ein überarbeitetes Prompt-Caching mit expliziten Cache-Breakpoints und einer garantierten Mindestlebensdauer von 30 Minuten. Cache-Writes kosten das 1,25-fache des regulären Input-Preises, Cache-Reads erhalten weiterhin 90 Prozent Rabatt. Im Juli soll Sol zudem auf Cerebras mit bis zu 750 Tokens pro Sekunde verfügbar werden.
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