Anthropic-API-Nutzer können Wasserzeichen bei älteren Claude-Modellen leicht umgehen

23 hours ago 6

Update vom 4. November 2026:

Anthropic hat seine API-Kunden in einer weiteren E-Mail über eine zweite Nachrüstungswelle informiert. Ab dem 16. November 2026 sollen Claude Opus 4.6, Claude Opus 4.5, Claude Sonnet 4.5 und Claude Haiku 4.5 das Text-Wasserzeichen erhalten. Auf Amazon Bedrock könne der Rollout einige Tage länger dauern.

Claude Opus 4.6 war ursprünglich Teil der ersten Welle und sollte das Wasserzeichen bereits am 3. November erhalten. Anthropic bestätigt die Verschiebung auf den 16. November ausdrücklich, nennt aber keine Gründe. Die drei übrigen Modelle der ersten Welle, Claude Mythos 5, Claude Opus 4.7 und Claude Sonnet 4.6, tauchen in der neuen E-Mail nicht mehr auf, ihr Rollout dürfte wie geplant am 3. November erfolgt sein.

Mit Claude Opus 4.5, Claude Sonnet 4.5 und Claude Haiku 4.5 kommen drei Modelle hinzu, die in der vorherigen Ankündigung noch nicht genannt wurden. Die Sampling-Einschränkung gilt für alle vier Modelle dieser Welle: Das Wasserzeichen wird nur angewendet, wenn temperature, top_p und top_k auf ihren Standardwerten stehen. In der ersten Welle betraf diese Einschränkung nur zwei von vier Modellen (Opus 4.6 und Sonnet 4.6). Nun wächst die Zahl der Modelle, bei denen API-Nutzer das Wasserzeichen durch eine simple Änderung der Sampling-Parameter aushebeln können, weiter an.

Ursprünglicher Artikel vom 31. Oktober 2026:

Anthropic weitet sein Text-Wasserzeichen auf vier weitere Claude-Modelle aus. Bei zwei davon greift die Markierung allerdings nur unter bestimmten Bedingungen, was API-Nutzern ein Schlupfloch lässt.

Anthropic hat seine API-Kunden per E-Mail darüber informiert, dass ab dem 3. November 2026 vier weitere Claude-Modelle das Text-Wasserzeichen des Unternehmens erhalten: Claude Mythos 5, Claude Opus 4.7, Claude Opus 4.6 und Claude Sonnet 4.6. Es handelt sich um dasselbe Wasserzeichen, das neuere Modelle wie Claude Opus 5.5 bereits tragen. Auf Amazon Bedrock könne der Rollout einige Tage länger dauern.

Das Wasserzeichen sei ein "unmerkliches Muster in der Wortwahl", das weder Bedeutung, Qualität noch Lesbarkeit der Antworten verändere. Es füge keine zusätzlichen Zeichen oder Token hinzu, habe keinen Einfluss auf Preise oder Anfrage-/Antwortformate und wirke sich nur vernachlässigbar auf die Ausgabegeschwindigkeit aus. Laut Anthropic enthält das Wasserzeichen "keine Informationen über den Nutzer, seine Organisation oder seine Gespräche mit Claude".

Sampling-Einstellungen als Schlupfloch bei älteren Modellen

Der interessanteste Aspekt der Ankündigung betrifft die beiden älteren Modelle Claude Opus 4.6 und Claude Sonnet 4.6: Bei ihnen wird das Wasserzeichen laut Anthropic nur dann angewendet, wenn die Parameter temperature, top_p und top_k auf ihren Standardwerten belassen werden. Wer einen dieser Werte ändert, erhält Ausgaben, die das Wasserzeichen möglicherweise nicht tragen.

Für API-Nutzer, die das Wasserzeichen umgehen wollen, ergibt sich damit ein Schlupfloch: Eine geringfügige Anpassung der Sampling-Parameter genügt. Anthropic weist lediglich darauf hin, dass Kunden, die sich "für ihre eigene Compliance auf das Wasserzeichen verlassen", die Standardeinstellungen beibehalten sollten.

Für die beiden neueren Modelle Claude Mythos 5 und Claude Opus 4.7 erwähnt die E-Mail diese Einschränkung nicht, was darauf hindeutet, dass das Wasserzeichen dort unabhängig von den Sampling-Einstellungen greift. Interessant ist es dennoch, denn Opus 4.6 ist noch vor Opus 5.5 wie gehabt das beste Schreibmodell von Anthropic.

Anthropic verweist auf eine Detection API in privater Vorschau, über die sich das Wasserzeichen nachweisen lässt. Weitere Details stellt das Unternehmen auf seiner Informationsseite zur Inhaltskennzeichnung bereit.

EU-AI-Act-Deadline treibt Nachrüstung voran

Als Grund für das Watermarking nennt Anthropic die Dezember-Deadline des EU‑AI-Acts. Alle Modelle, die nach dem 2. August 2026 erschienen sind, tragen das Wasserzeichen bereits ab dem ersten Tag. Ältere Modelle werden nun schrittweise nachgerüstet. Da die Markierung auf Modellebene eingebettet wird, gilt sie laut Anthropic auf allen Plattformen, auf denen die Modelle angeboten werden, darunter Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Foundry.

Technisch setzt das Unternehmen auf eine Variante der SynthID-Text-Methode von Google DeepMind, bei der die Zufallsquelle bei der Wortwahl verändert wird, sodass ein statistisch nachweisbares Muster entsteht. Kunden können die Markierung nicht abschalten, da sie auf Modellebene eingebettet ist.

Andere Anbieter verfolgen weniger restriktive Ansätze. OpenAI hat im Oktober 2026 das Wasserzeichen textGrain vorgestellt, das nur in der EU für ChatGPT- und Codex-Nutzer aktiviert werden soll. API-Kunden können es weltweit selbst ein- oder ausschalten, standardmäßig ist es deaktiviert. Google Deepmind hat SynthID für Text als Open Source veröffentlicht und in die Gemini-Modelle integriert.

Ob die Textqualität von Watermarking tatsächlich unbeeinflusst bleibt, ist allerdings umstritten. Blogger John Gruber argumentiert, dass keine zwei Synonyme exakt dieselbe Bedeutung tragen und die Wortwahl nach einem Wasserzeichen-Schlüssel statt nach semantischer Präzision zwangsläufig die Qualität beeinträchtige. Das Fachmedium Artificial Lawyer sieht zudem Risiken für Kanzleien, etwa wenn Mandanten KI-Nutzung untersagt haben oder sich verschiedene Wasserzeichen in einem Dokument überlagern.

KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert

Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.

Jetzt abonnieren

Read Entire Article