
Ihr kennt das vielleicht: Man fängt klein an, freut sich über die ersten selbst erzeugten Wattstunden vom Balkon, aber irgendwann will man mehr. Mehr Leistung, mehr Kapazität, mehr Intelligenz im System. So ging es mir zumindest. Lange Zeit hat mir mein Setup von EcoFlow treue Dienste geleistet, keine Frage. Aber die Technik bleibt nicht stehen, und die Anforderungen wachsen. Gerade bei schwankendem Wetter oder wenn man anfängt, über dynamische Stromtarife nachzudenken, stößt man schnell an Grenzen. Ich wollte mehr PV-Leistung anschließen können, den Akku flexibler nutzen und das Ganze smarter steuern.
Dann kam die Ankündigung der Anker SOLIX Solarbank 3 Pro E2700. Die Versprechungen klangen fast zu gut, um wahr zu sein: massiver PV-Input, vier MPPTs, riesige Erweiterbarkeit, bidirektionales Laden und eine KI-Steuerung, die das Optimum aus Sonne und Netz holen soll. Nach wochenlangem Testen unter realen Bedingungen – mit Sonne, Wolken, Regen und allem, was der norddeutsche Himmel so hergibt – ist es Zeit für ein Fazit. Was kann das Ding wirklich? Und vor allem: Für wen lohnt sich der Umstieg oder der Einstieg mit diesem Kraftpaket?
Technische Daten im Überblick
| Akku | Akkutyp | LiFePO4 (Lithium-Eisenphosphat) |
| Nennenergie | 2688 Wh | |
| Nennkapazität | 105 Ah | |
| Nominale Akkuspannung | 25,6 V DC | |
| Nennleistung (Entladung, Einzelgerät) | 1800 W | |
| Max. Ladestrom | 70 A DC | |
| Max. Entladestrom | 75 A DC | |
| Erwartete Lebensdauer / Zyklen | 15 Jahre / 6000 Zyklen | |
| PV-Anschluss | Anzahl MPPT / Eingänge | 4 / 4 |
| Max. PV-Eingangsleistung (gesamt) | 3600 W | |
| Max. PV-Eingangsspannung | 60 V DC | |
| Betriebs-Spannungsbereich (MPPT) | 16-60 V DC | |
| Max. PV-Eingangsstrom pro MPPT | 32 A DC | |
| Max. Kurzschlussstrom (Isc PV) pro MPPT | 40 A DC | |
| AC-Eingang (Netzanschluss) | Nominale AC-Eingangsspannung | 220 V / 230 V AC, 50Hz (L+N+PE) |
| Max. AC-Eingangsleistung (Durchleitung/Bypass) | 2000 W | |
| Max. AC-Ladeleistung (aus Netz) | 1200 W | |
| Max. AC-Ladestrom (aus Netz) | 5,3 A AC | |
| AC-Ausgang (Netzanschluss) | Nominale AC-Ausgangsspannung | 220 V / 230 V AC, 50Hz (L+N+PE) |
| Max. AC-Ausgangsleistung (Einspeisung) | 1200 W (einstellbar, Standard 800W) | |
| Max. AC-Ausgangsstrom (Einspeisung) | 3,5 A AC (bei 1200W unsicher, evtl. höher) | |
| Leistungsfaktorbereich | 0,8 induktiv bis 0,8 kapazitiv | |
| AC-Ausgang (Inselanschluss/Notstrom) | Nominale AC-Ausgangsspannung | 220 V / 230 V AC, 50Hz (L+N+PE) |
| Max. AC-Ausgangsleistung | 1200 W | |
| Max. AC-Ausgangsstrom | 5,3 A AC | |
| Allgemeine Parameter | Schutzart | IP65 |
| Betriebstemperaturbereich | -20 °C bis 55 °C (mit Heizfunktion) | |
| Wechselrichter-Topologie | Isoliert | |
| Kommunikation | Bluetooth, Wi-Fi (2.4GHz) | |
| Garantie | 10 Jahre | |
| Sicherheitsfeatures | Umfassende Schutzmechanismen (Über-/Unterspannung, Überstrom, Kurzschluss, Überhitzung etc.) | |
| Maße & Gewicht | Abmessungen (B x T x H) | 460 x 254 x 279 mm |
| Netto-Gewicht | 29,2 kg |
Schon auf dem Papier fallen ein paar Dinge auf: Die 3600 Watt maximaler PV-Input sind eine echte Ansage für ein Gerät dieser Klasse, ebenso die vier unabhängigen MPPT-Tracker. Die Verwendung von LiFePO4-Zellen ist mittlerweile Standard in diesem Bereich und verspricht Langlebigkeit und Sicherheit. Die IP65-Zertifizierung und der weite Temperaturbereich sind ebenfalls erwähnenswert.
Ausgepackt & Aufgebaut
Der erste Eindruck zählt, auch bei Technik. Die Solarbank 3 Pro kommt gut verpackt an, und schon beim Auspacken merkt man: Das ist kein Leichtgewicht. Mit knapp 30 Kilo will der Brocken erstmal an seinen Platz gewuchtet werden. Im Vergleich zu meinem alten EcoFlow-Gerät ist sie trotz der höheren Kapazität nicht dramatisch größer, Anker scheint hier also gute Arbeit bei der Kompaktheit geleistet zu haben. Das Gehäuse macht einen sehr wertigen Eindruck, viel Aluminium, saubere Verarbeitung – das fühlt sich robust an.

Im Karton findet sich neben der Solarbank selbst auch das Nötigste für die Inbetriebnahme: Ein AC-Kabel für den Netzanschluss, ein paar MC4-Verlängerungskabel für die Solarmodule und eine Wandhalterung samt Montagematerial. Hier gleich der erste kleine Kritikpunkt: Die mitgelieferten MC4-Kabel sind wirklich sehr kurz. Je nachdem, wo eure Panels und die Solarbank stehen, werdet ihr hier wahrscheinlich nachkaufen müssen. Angesichts des Preises hätte Anker da ruhig etwas großzügiger sein können.
Die Installation ist dann aber sehr einfach: Solarmodule über die MC4-Stecker an die vier Eingänge der Solarbank anschließen (dank der vier MPPTs kann man hier flexibel agieren), Solarbank per AC-Kabel mit einer Steckdose verbinden – fertig. Wer will, kann das Gerät mit der mitgelieferten Halterung auch an einer stabilen Wand montieren. Das ist besonders sinnvoll, wenn der Bodenbereich vielleicht mal feucht wird oder man einfach Platz sparen will. Außerdem weist Anker darauf hin, dass man vor allem bei der Verwendung mehrerer Akkus allein aus Sicherheitsgründen lieber die Wandmontage nutzen sollte.
Die Solarbank muss ins heimische WLAN eingebunden werden, was über die Anker-App geschieht. App herunterladen, Account erstellen (falls noch nicht vorhanden), Gerät hinzufügen und den Anweisungen auf dem Bildschirm folgen. Das funktionierte bei mir reibungslos und war in wenigen Minuten erledigt. Die Verbindung erfolgt über 2,4GHz WLAN. Bluetooth ist ebenfalls an Bord, primär wohl für die Ersteinrichtung und als Fallback.

Was die Solarbank 3 Pro wirklich leistet
Mit bis zu 3600 Watt maximaler Eingangsleistung spielt die Solarbank 3 Pro in einer anderen Liga als viele Konkurrenten und auch als ihr Vorgänger, die Solarbank 2 Pro (max. 2400W). Das eigentlich Besondere sind aber die vier unabhängigen MPPTs (Maximum Power Point Tracker). Jeder der vier Solareingänge kann bis zu 900 Watt verarbeiten und wird individuell optimiert. Ihr könnt also bis zu vier separate Solarpanel-Verbindungen anklemmen. Jeder dieser sogenannten Strings wird laut Anker dann für sich optimal ausgereizt, was den Gesamtertrag maximieren soll. Mit Y-Adaptern lassen sich sogar bis zu acht Module anschließen, solange die Spannungsgrenze pro Eingang nicht überschritten wird.
Die gesammelte Sonnenenergie muss dann entweder direkt verbraucht, ins Netz eingespeist oder gespeichert werden. Hier kommt der integrierte bidirektionale Wechselrichter ins Spiel. Er kann zum einen den Solarstrom (oder Strom aus dem Akku) ins Hausnetz einspeisen. Die maximale Einspeiseleistung ist standardmäßig auf die in Deutschland erlaubten 800 Watt begrenzt. Zum anderen – und das ist das „bidirektionale“ – kann der Wechselrichter den Akku auch mit bis zu 1200 Watt aus dem Stromnetz laden. Diese Funktion ist wichtig für die Nutzung dynamischer Stromtarife, dazu später mehr.

Der Akku selbst hat eine Nennkapazität von 2688 Wh. Die tatsächlich nutzbare Kapazität bei einer Entladegrenze von 5 % liegt aber nur bei etwa 2,39 kWh. Das ist ein Unterschied von rund 11 % zur Angabe auf dem Datenblatt. Woran liegt das? Möglicherweise setzt Anker hier bewusst höhere Grenzen für die minimale und maximale Ladung, um die Langlebigkeit der LiFePO4-Zellen zu maximieren. Das Unternehmen verspricht 6.000 Zyklen oder 15 Jahre Lebensdauer.
Die Solarbank 3 Pro lässt sich mit bis zu fünf zusätzlichen Akkumodulen (Modell BP2700, je 2,688 kWh) auf stattliche 16,12 kWh Gesamtkapazität erweitern. Das ist dann schon im Bereich kleinerer Heimspeicher. Sehr erfreulich: Auch die älteren Erweiterungsakkus der Solarbank 2 Serie sind kompatibel , was Besitzern des Vorgängermodells den Umstieg erleichtert. Anker hat sogar angekündigt, dass zukünftig bis zu vier komplette Solarbank-3-Pro-Systeme parallel geschaltet werden können, was dann 64,5 kWh Kapazität und 4,8 kW Einspeiseleistung ermöglichen würde. Der Normalverdiener hat aber hier sicherlich schon keine Lust mehr, mitzurechnen.
Ein weiteres praktisches Feature ist die integrierte Notstromsteckdose. Fällt der Strom aus, kann man hier Geräte mit bis zu 1200 Watt Leistung anschließen und direkt aus dem Akku versorgen. Das reicht locker für Licht, Kühlschrank, Router oder das Laden von Laptops und Handys.

App, KI und smarte Steuerung
Anker will auch bei der Software mit der Solarbank 3 Pro punkten, vor allem durch die „Anker Intelligence“. Dreh- und Angelpunkt ist die Anker-App, die Caschy zuletzt unter anderem in seinem Testbericht zur Anker SOLIX Solarbank 2 Pro vorgestellt hat. Die Oberfläche wirkt aufgeräumt und liefert die wichtigsten Daten zu Energiefluss, Ladezustand und Ersparnis auf einen Blick.
Herzstück ist aber der neue KI-Modus. Dieser soll, basierend auf Wettervorhersagen, dem individuellen Stromverbrauchsprofil des Haushalts und den Preisen eines dynamischen Stromtarifs (Tibber und Co.), die Lade- und Entladevorgänge der Solarbank vollautomatisch optimieren. Das Ziel des Ganzen: Maximale Eigennutzung des Solarstroms und maximales Ausnutzen von Preisschwankungen am Strommarkt. Konnte ich aber aufgrund eines fehlenden Smart Meters und einem passenden Tarif bislang aber nicht testen. Zudem muss man der KI dann auch schon reichlich Vertrrauen schenken können.
Mit einem kompatiblen Smart Meter kann die Solarbank in Echtzeit sehen, wie viel Strom gerade im Haus verbraucht wird und die Einspeisung aus dem Akku dynamisch anpassen, um möglichst wenig Strom aus dem Netz zu ziehen oder den Eigenverbrauch zu maximieren. Die Reaktionszeit soll dabei bei maximal vier Sekunden liegen, was für die meisten Anwendungen schnell genug sein dürfte.
Wer der KI nicht traut oder spezielle Anforderungen hat, kann auf den benutzerdefinierten Modus oder den Zeitplan-Modus zurückgreifen. Hier lassen sich feste Zeiten definieren, zu denen der Akku geladen oder entladen werden soll, und auch die Leistung kann vorgegeben werden. Bei uns lädt beispielsweise tagsüber bei bestem Wetter die Sonne den Speicher auf, dessen Energie wir dann abends ab 19 Uhr anzapfen, um unseren Verbrauch damit auszugleichen. Das passt aber eben nun zu unserem privaten Szenario und mag für jeden von euch anders aussehen.

Zusätzlich gibt es einen Modus zur Steuerung von Ankers smarten Steckdosen (Smart Plugs – hab ich aber aktuell auch keine parat). Erkennt die Solarbank einen PV-Überschuss, kann sie automatisch einen oder mehrere Smart Plugs einschalten, um beispielsweise eine Pumpe oder andere Verbraucher zu aktivieren und den überschüssigen Strom sinnvoll zu nutzen.
Die Verbindung über WLAN und Bluetooth funktioniert bislang stabil. Ein Wermutstropfen für Smart-Home-Bastler: Eine offizielle API oder eine Integration in Systeme wie Home Assistant gibt es bislang nicht.
Alltagserfahrungen
Unter Last, also wenn der Akku kräftig geladen oder entladen wird, ist die Solarbank 3 Pro deutlich hörbar. Die Lüfter springen an und machen sich bemerkbar. Man sollte sich also durchaus überlegen, ob man das Geraffel nun unbedingt in direkter Umgebung zu seinem täglichen Umfeld platziert oder doch lieber draußen an oder in der Werkstatt, etc. Mein bisheriges EcoFlow-System ist aber ähnlich gut zu hören.
Positiv hervorzuheben ist das Temperaturmanagement. Dank der IP65-Klassifizierung ist das Gerät gut gegen Staub und Wasser geschützt. Der weite Betriebstemperaturbereich von -20°C bis +55°C und die integrierte Heizfunktion sorgen dafür, dass die Solarbank auch im Winter bei Frost noch geladen werden kann. Über den Testzeitraum lief das System bei mir sehr stabil. Es gab keine Abstürze, Verbindungsabbrüche oder unerklärliches Verhalten.
Kosten, Nutzen und Einsparpotenzial

Lohnt sich die Investition? Die Anker SOLIX Solarbank 3 Pro ist kein Schnäppchen. Das Basisgerät schlägt mit rund 1.500 Euro zu Buche (Vorbestellpreis), jeder Erweiterungsakku mit weiteren knapp 900 Euro. Dazu kommen eventuell noch Kosten für Solarmodule, längere Kabel oder einen Smart Meter. Anker lockt zwar oft mit Early-Bird-Angeboten oder Bundles, trotzdem ist das eine ordentliche Summe, gerade im Vergleich zu einfacheren Balkonkraftwerk-Speichern oder dem Vorgängermodell Solarbank 2 Pro, das man eventuell günstiger bekommen kann, wenn man nicht alle Features der 3 Pro braucht.
Dem gegenüber steht das Einsparpotenzial. Anker selbst wirbt mit möglichen jährlichen Ersparnissen von bis zu 1.500 Euro oder zeigt Beispielrechnungen mit über 800 Euro. Solche Zahlen sind aber immer mit Vorsicht zu genießen, die tatsächliche Ersparnis hängt von extrem vielen individuellen Faktoren ab:
- Standort & Ausrichtung: Wie viel Sonne bekommt eure Anlage ab?
- Anlagengröße: Wie viel maximale Watt erreicht ihr auf dem Dach oder Balkon? Wie groß ist der Speicher?
- Stromverbrauch: Wie hoch ist euer Jahresverbrauch und wann verbraucht ihr den Strom (tagsüber vs. nachts)?
- Strompreis: Habt ihr einen festen Tarif oder einen dynamischen? Wie hoch ist der Preis pro kWh?
- Nutzungsverhalten: Nutzt ihr die smarten Funktionen (KI, Smart Meter)? Wie gut ist das System konfiguriert?
Fazit
Ist die Anker SOLIX Solarbank 3 Pro nun der erhoffte Überflieger? Nach meinen Tests lautet die Antwort: Jein, aber mit starker Tendenz zum Ja – für die richtige Zielgruppe. Die Solarbank 3 Pro ist ein ordentliches – wenn auch teures – Kraftpaket. Der PV-Eingang von maximal 3600 Watt und die vier unabhängigen MPPTs sind erlauben flexible, leistungsstarke Solar-Konfigurationen. Die Erweiterbarkeit auf über 16 kWh und die Kompatibilität mit älteren Akkus bieten Flexibilität und Zukunftssicherheit. Insbesondere der KI-Modus in Verbindung mit dynamischen Stromtarifen und die bidirektionale Ladefähigkeit heben das Gerät von einfacheren Speichern ab und ermöglichen eine tiefgreifende Optimierung des Energieverbrauchs. Die Betriebslautstärke unter Last kann je nach Aufstellort stören. Der Unterschied zwischen Nennkapazität und tatsächlich nutzbarer Kapazität ist ärgerlich und mindert das Preis-Leistungs-Verhältnis pro kWh leicht. Die fehlende offene Schnittstelle schränkt die Integration in bestehende Smart-Home-Systeme ein.
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8 months ago
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