Amazon steckt bis zu 25 Milliarden Dollar zusätzlich in Anthropic

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Amazon baut seine Beteiligung an Anthropic massiv aus. Im Gegenzug verpflichtet sich das KI-Unternehmen, über die nächsten zehn Jahre mehr als 100 Milliarden Dollar für AWS-Technologien auszugeben.

Amazon investiert bis zu 25 Milliarden Dollar in Anthropic. Damit steigt das Gesamtinvestment des Konzerns in das KI-Unternehmen auf bis zu 33 Milliarden Dollar. Die Vereinbarung ist Teil eines umfassenden Infrastruktur-Deals, der beide Unternehmen über Jahre aneinander binden soll.

Laut CNBC fließen zunächst 5 Milliarden Dollar sofort, die restlichen bis zu 20 Milliarden sind an "bestimmte kommerzielle Meilensteine" geknüpft. Die initiale Tranche erfolgt auf Basis von Anthropics jüngster Bewertung von 380 Milliarden Dollar.

Im Gegenzug hat sich Anthropic verpflichtet, über die nächsten zehn Jahre mehr als 100 Milliarden Dollar für AWS-Technologien auszugeben. Das umfasst laut Anthropic Graviton-Prozessoren sowie Trainium2 bis Trainium4, mit der Option auf künftige Generationen von Amazons hauseigenem KI-Silizium. Anthropic sichert sich damit bis zu 5 Gigawatt an Kapazität für Training und Betrieb seiner Claude-Modelle.

Für Amazon geht es auch darum, die eigenen KI-Chips zu fördern, die noch hinter Googles TPUs und Nvidias GPUs zurückstehen. Bei einem KI-Durchbruch sind eigene Chips ein wichtiges strategisches Mittel, um Marktanteile und Marge im Cloud-Geschäft gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. "Anthropics Verpflichtung, seine großen Sprachmodelle auf AWS Trainium für das nächste Jahrzehnt zu betreiben, spiegelt die Fortschritte wider, die wir gemeinsam bei kundenspezifischem Silizium gemacht haben", sagte Amazon-CEO Andy Jassy laut der Mitteilung.

Kritiker des Deals dürften anmerken, dass er die für KI-Investitionen mittlerweile typische Zirkularität aufweist: Infrastrukturanbieter geben KI-Unternehmen Geld, das diese dann beim selben Anbieter für Infrastruktur ausgeben. Auf Dauer kann diese Rechnung jedoch nur aufgehen, wenn die Umsätze der KI-Unternehmen entsprechend wachsen, also die Nachfrage stimmt.

Explosives Wachstum überfordert Anthropics Infrastruktur

Anthropic begründet den Deal mit einer Nachfrage, die das Unternehmen kaum noch bedienen kann. Die Enterprise- und Entwicklernachfrage nach Claude habe sich 2026 beschleunigt, gleichzeitig sei die Nutzung durch Verbraucher über die kostenlosen, Pro- und Max-Tarife sprunghaft gestiegen.

Anthropics annualisierter Umsatz liegt laut eigenen Angaben mittlerweile bei mehr als 30 Milliarden Dollar, Ende 2025 waren es noch rund 9 Milliarden. Mehr als 100.000 Kunden nutzen Claude über Amazon Bedrock.

Laut Anthropic hat besonders das "beispiellose Konsumenten-Wachstum" die Zuverlässigkeit und Leistung beeinträchtigt, vor allem zu Spitzenzeiten. Zuletzt kritisierten speziell Entwickler, dass Anthropic die Leistung seines KI-Modells Opus 4.6 zurückgefahren habe, ohne dies transparent zu kommunizieren.

Der neue Deal soll schnell Abhilfe schaffen: Bedeutende Rechenkapazität soll innerhalb der nächsten drei Monate verfügbar sein, signifikante Trainium2-Kapazität bereits im zweiten Quartal online gehen. Skalierte Trainium3-Kapazität wird für später im Jahr erwartet. Insgesamt sollen bis Ende 2026 fast 1 Gigawatt an Trainium2- und Trainium3-Kapazität in Betrieb sein.

Zweikampf mit OpenAI spitzt sich vor möglichem Börsengang zu

Anthropic-CEO Dario Amodei sagte kürzlich in einem Interview, er sehe kein Ende der KI-Skalierung über mehr Rechenleistung. "Wir sehen nichts, was sich verlangsamt." Zuvor beschrieb er allerdings, dass das blinde Kaufen von immer mehr Rechenleistung massive Risiken birgt: Wenn er bei seinen Schätzungen zwischen Compute-Kauf und Umsatzwachstum nur minimal danebenliege, könne Anthropic pleitegehen. Er schätze daher konservativ.

Diese Aussage stammt allerdings aus dem Dezember, bevor Anthropic seit Januar ein explosives Wachstum erfuhr und nun wahrscheinlich nachbessern muss. OpenAI-Führungskräfte hatten zuletzt die eigene höhere verfügbare Rechenleistung als Argument genutzt, um Investoren für sich zu gewinnen, und machten öffentlich Anspielungen, Anthropic habe einen strategischen Fehler begangen, zu wenig Compute zu kaufen.

Erst zwei Monate zuvor hatte Amazon zugestimmt, bis zu 50 Milliarden Dollar in OpenAI zu investieren, Anthropics größten Konkurrenten. Beide KI-Unternehmen wetteifern darum, Investoren von ihrer Marktposition zu überzeugen, bevor mögliche Börsengänge noch in diesem Jahr stattfinden könnten.

Anthropic setzt dabei auf eine Multi-Cloud-Strategie: Claude ist nach eigenen Angaben das einzige Frontier-KI-Modell, das auf allen drei großen Cloud-Plattformen verfügbar ist. Neben AWS arbeitet Anthropic auch mit Microsoft sowie Google und Broadcom zusammen.

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