16 Nobelpreisträger warnen: KI-Umbruch könnte größer als Industrielle Revolution werden

1 month ago 12

Mehr als  200 führende Ökonomen und KI-Forscher fordern in einem gemeinsamen Statement sofortiges Handeln. Die wirtschaftliche Transformation durch KI könnte beispiellos sein, aber die Zeit zur Vorbereitung sei knapp.

Das Papier trägt den Titel "We Must Act Now" und wurde vom Stanford Digital Economy Lab koordiniert. Die Kernthese des Statements ist in drei Sätze verdichtet: KI könnte in den nächsten zehn Jahren radikal leistungsfähiger werden. Das könne wiederum eine Transformation auslösen, die größer als die Industrielle Revolution sei, sich aber in einem "deutlich kürzeren Zeitrahmen" entfalte. Und: Ökonomen, Politikentscheider und Technologieführer müssten jetzt handeln, um Anreize, Leitplanken und Institutionen zu schaffen.

Neben Wirtschaftsnobelpreisträgern wie Daron Acemoglu, Joseph Stiglitz, Paul Krugman und Ben Bernanke finden sich Vertreter großer KI-Unternehmen auf der Liste der Unterzeichner: Jeff Dean von Google, Mitgründer Jack Clark von Anthropic, Noam Brown und Sarah Friar von OpenAI sowie Wojciech Zaremba von der OpenAI Foundation.

Revolution im Konjunktiv

"KI-Fähigkeiten schreiten weit schneller voran als unser Verständnis der ökonomischen Implikationen. In dieser Lücke liegen die größten Chancen unserer Ära", schreibt Brynjolfsson laut der Pressemitteilung des Stanford Digital Economy Lab. Man müsse jetzt handeln, damit KI "Wohlstand für die Vielen schafft, nicht nur für die Wenigen".

Die Erklärung warnt explizit vor "großflächigem Arbeitsplatzverlust" als einem der Risiken, sieht aber auch "bedeutende Gewinne beim Lebensstandard" als mögliche Chance. Dabei bleibt es stets im Konjunktiv: KI "könnte" radikal leistungsfähiger werden, "könnte" eine beispiellose Transformation auslösen. Konkrete politische Maßnahmen oder Zeitpläne nennt das Papier nicht.

Nobelpreisträger Michael Spence von der New York University spricht von einem nötigen "All-Hands-on-Deck"-Ansatz angesichts der hohen Unsicherheit über Ausmaß und Zeitpunkt der Auswirkungen. Tom Cunningham von der Forschungsorganisation METR formuliert es nüchterner: "Wir fahren im Nebel, und es ist außerordentlich schwierig vorherzusehen, was als Nächstes passiert."

KI-Chefs relativieren ihre eigenen Warnungen

Einen besseren Zeitpunkt für die Veröffentlichung des Papiers hätten die Autorinnen und Autoren kaum wählen können. Erst am Wochenende hatte OpenAI-Chef Sam Altman erklärt, er sei "ziemlich sicher", dass KI bisher netto arbeitsplatzschaffend gewirkt habe. Auch Anthropic-CEO Dario Amodei beschrieb Automatisierung zuletzt eher als Produktivitätsmultiplikator denn als Jobkiller. Ein grundlegendes Problem ist, dass es bisher keine etablierten Messmethoden gibt, um einen möglichen Produktivitätszuwachs durch KI zu erfassen.

Anders ist es bei Deepmind-Chef Demis Hassabis: Er äußerte sich zwar nicht explizit zu Arbeitsplatzverlusten, sagte aber, die Ankunft einer generellen KI entspräche "zehnmal der industriellen Revolution bei zehnfacher Geschwindigkeit." Der Konjunktiv gilt auch bei ihm: Ein solches System könne in den nächsten fünf Jahren entstehen. Den Brief hat Hassabis, ebenfalls Nobelpreisträger, nicht unterzeichnet.

Studien, die eine signifikante Wirkung von KI auf den Arbeitsmarkt insgesamt belegen, gibt es bislang nicht. Eine aktuelle Untersuchung mehrerer US-Universitäten zeigte, dass die Jobkrise bei Programmierern und Textern bereits Anfang 2022 begann, also Monate vor dem ChatGPT-Start. Auch das Yale Budget Lab fand bislang keine KI-bedingten Veränderungen am Arbeitsmarkt.

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