
Es gibt eine neue Version von Zotero. Die Software wurde hier im Blog schon einmal vorgestellt, aber weniger oft als die üblichen Verdächtigen, sodass ich mir einen Reinholter erlaube.
Zotero ist eine freie und quelloffene Software zur Literaturverwaltung und Wissensorganisation. Es wurde von der Roy Rosenzweig Center for History and New Media an der George Mason University entwickelt. Die Open-Source-Software hilft Nutzern, Quellenangaben und Zitate zu sammeln, zu organisieren und zu teilen. Es unterstützt verschiedene Dateiformate und ermöglicht das einfache Einfügen von Zitaten in Textverarbeitungsprogramme wie Microsoft Word und LibreOffice.
Nun gibt es ab sofort die neue Version 8 von Zotero. Kein riesiger Umbruch, aber ein Update, das einiges verbessert. Im Fokus steht eine neue Vorlese-Funktion, dazu gibt es kleinere Verbesserungen im Reader, bei Gruppen und bei der Performance.

Neu dabei: Read Aloud. PDFs, EPUBs und gespeicherte Webseiten lassen sich direkt im Zotero-Reader vorlesen. Der Einstieg läuft über das Kopfhörer-Symbol in der Reader-Leiste. Während der Wiedergabe kann per Tastatur satz- oder abschnittsweise vor- und zurückgesprungen werden, ein Klick in den Rand startet die Wiedergabe ab einer bestimmten Stelle.

Mit einem Tastendruck landet die zuletzt gehörte Stelle direkt als Markierung oder Unterstreichung im Dokument, inklusive der üblichen Optionen zum Verschieben oder Löschen. Die aktuelle Leseposition wird synchronisiert, der Wechsel zwischen Geräten bleibt damit nachvollziehbar. Für die neuen, hochwertigeren Stimmen, Zotero Voices genannt, ist ein Konto und eine Online-Verbindung nötig. Es gibt Standard- und Premium-Stimmen, mit Minutenkontingenten je nach Speicher-Abo und Account-Typ. Wer offline bleibt, kann weiter auf die einfachen Systemstimmen zurückgreifen. Read Aloud startet zunächst in der Desktop-Version, mobile Apps sollen folgen.
Ebenfalls neu ist die Sammlung „Recently Read“ oben in der Bibliotheksübersicht. Dort landen die zuletzt geöffneten Dateien, sortiert nach dem letzten Lesezeitpunkt. Ein Seitenwechsel oder das erneute Öffnen reicht, um ein Element wieder nach oben zu schieben. Die Spalte „Last Read“ lässt sich auch in anderen Ansichten einblenden, der Zeitstempel ist zudem als Suchkriterium verfügbar und wird zwischen Geräten synchronisiert.
Die Word-Plugins bekommen einen Schalter, der vielen die Umwege spart: „Add Annotation“ fügt Anmerkungen direkt aus dem PDF-Reader in Word oder andere unterstützte Textprogramme ein. Die eingefügten Stellen hängen an aktiven Zotero-Zitierungen und landen automatisch im Literaturverzeichnis, Bild- und Stift-Annotationen werden als Grafiken eingefügt. Vorher lief das über den Umweg einer Zotero-Notiz, die dann in das Dokument geschoben wurde, das ist nun optional.
Für Gruppenbibliotheken gibt es zwei neue Spalten: „Added By“ und „Modified By“. Damit lässt sich auf einen Blick sehen, wer einen Eintrag angelegt oder zuletzt bearbeitet hat. Die Infos tauchen auch im Metadatenbereich auf. Zusätzlich können Administratoren jetzt pro Gruppe eigene Regeln zur Dateiumbenennung setzen, um unterschiedliche Namens-Chaos-Varianten etwas einzufangen.
Unter der Haube schrauben die Entwickler an der Performance. Der Start soll weniger Arbeitsspeicher fressen, Sync-Vorgänge gehen in manchen Szenarien mit deutlich weniger Plattenzugriffen und Netzwerkverkehr durch. Auf dem Mac nutzt Zotero die Möglichkeiten des Dateisystems besser aus, etwa bei internen Sicherungskopien der Datenbank, was je nach Umfang einige Hundert Megabyte bis Gigabyte an Speicher freihalten kann.
Beim Login setzt Zotero 9 auf den Browser. Das erleichtert die Nutzung von Passwortmanagern und ebnet den Weg für Zwei-Faktor-Authentifizierung, die aktuell noch als Beta läuft. Kontodaten werden nicht mehr direkt im Client eingetippt, sondern über die Weboberfläche durchgereicht. Das komplette Changelog gibt es hier.

1 week ago
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