
Das Phänomen ist definitiv kein unbekanntes mehr: Unzählige Produkte aus Fernost, oft für wenige Euro, landen versandkostenfrei im heimischen Briefkasten. Möglich macht dies ein Geschäftsmodell, das auf einer alten Zollregel basiert und von Plattformen wie Temu und Shein perfektioniert wurde. Die EU hat nun eine grundlegende Reform ihrer Zollunion beschlossen, die direkt an der Wurzel dieses Systems ansetzen will.
Bislang galt: Waren mit einem Wert von unter 150 Euro konnten zollfrei in die EU eingeführt werden. Diese Regelung wurde zum Problem des europäischen Marktes. Sie ermöglichte es großen Online-Plattformen, uns mit einer gar endlosen Menge an Kleinstsendungen zu überschwemmen – oft unter Umgehung von Zöllen, Einfuhrumsatzsteuer und hiesigen Produktstandards.
Man habe sich innerhalb der EU-Staaten jetzt darauf verständigt, diese Freigrenze ersatzlos zu streichen. Künftig wird dann für jede importierte Ware eine Abgabe fällig, egal ob sie nun 1 Euro oder 100 Euro kostet. Wie soll das aber bei Millionen von Paketen pro Tag umgesetzt werden, ohne die Zollämter lahmzulegen? Die EU plant, die Online-Marktplätze selbst in die Pflicht zu nehmen, ihnen die Verantwortung aufzuerlegen.
Demnach gelten die Plattformen zukünftig als offizielle Importeure der Waren, die sie verkaufen. Das bedeutet konkret:
- Direkte Abführung: Shein, Temu und andere Marktplätze müssen die anfallenden Einfuhrabgaben direkt beim Verkauf berechnen, vom Kunden kassieren und an die jeweiligen EU-Staaten abführen.
- Mehr Transparenz: Für Käufer gibt es keine bösen Überraschungen mehr durch nachträgliche Zollforderungen – ein Thema, das höllisch Nerven kosten kann. Der angezeigte Preis im Warenkorb wird stattdessen zukünftig der Endpreis sein.
- Zentrale Daten: Es wird ein neuer „EU Customs Data Hub“ geschaffen. Diese zentrale Datenplattform soll Behörden einen besseren Überblick über die Warenströme ermöglichen und die Analyse von Risiken, etwa bei gefährlichen oder gefälschten Produkten, deutlich vereinfachen.
Die Ziele der Reform sind klar definiert. Zum einen soll ein fairer Wettbewerb hergestellt werden. Europäische Unternehmen, die sich an alle Steuer- und Sicherheitsauflagen halten, sollen nicht länger gegenüber Anbietern aus Drittstaaten benachteiligt sein. Zum anderen stehe auch der Verbraucherschutz im Fokus. Durch die strengeren Kontrollen und die direkte Verantwortung der Plattformen soll es für unsichere oder nicht konforme Produkte deutlich schwerer werden, auf den europäischen Markt zu gelangen.
Die endgültige Ausgestaltung der Reform muss noch mit dem EU-Parlament verhandelt werden. Mit einer Einführung der neuen Regeln wird ab 2028 gerechnet. Damit steht dem weltweiten Online-Handel eine der größten Änderungen der letzten Jahre bevor – mit direkten Auswirkungen auf die Preisgestaltung und das Geschäftsmodell des Ultra-Billig-Shoppings.
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6 months ago
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