Nach zwölf Jahren bei Meta kündigt Yann LeCun seinen Abschied an. Der Turing-Preisträger will mit einem neuen Start-up die Grenzen der heutigen KI-Modelle überwinden – und Meta bleibt als Partner beteiligt.
Yann LeCun, Chief AI Scientist von Meta Platforms, hat seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt. Gerüchte gab es bereits vor zwei Wochen, jetzt hat er in einem eigenen LinkedIn-Beitrag erklärt, er plane die Gründung eines neuen Start-ups, das seine bisherige Forschungsagenda zur "Advanced Machine Intelligence" (AMI) fortführt.
LeCun schreibt, die Initiative solle "die nächste große Revolution in der KI" einleiten – durch Systeme, die die physische Welt verstehen, ein dauerhaftes Gedächtnis besitzen, planen und Schlussfolgerungen ziehen können. Es gehe darum, den Weg über das rein sprachbasierte Lernen hinauszugehen und eine Form von KI zu schaffen, die auf visuellen und sensorischen Erfahrungen basiert.
Der Informatiker betont zugleich, dass Meta als Partner an dem neuen Unternehmen beteiligt sein werde. Damit bleibe die Forschung teilweise im Meta-Ökosystem verankert.
Abschied nach zwölf Jahren und wachsender Distanz zu Metas Strategie
LeCun blickt auf zwölf Jahre bei Meta zurück – zunächst als Gründungsdirektor von FAIR (Fundamental AI Research), später als Chief AI Scientist. FAIR habe einen "spektakulären Einfluss" auf das Unternehmen und die weltweite KI-Community gehabt, so LeCun. Seine Zeit bei Meta bezeichnet er als prägend, seinen Stolz auf die Schaffung des Forschungsinstituts als "größte nicht-technische Errungenschaft" seiner Karriere.
LeCuns Grundlagenforschung und seine Unterstützung für offene Forschung und Open Source standen zuletzt jedoch zunehmend im Spannungsverhältnis zu Metas KI-Ambitionen. Während LeCun auf langfristige Konzepte wie Weltmodelle und seine eigene "Joint Embedding Predictive Architecture" (JEPA) setzte, verschob das Unternehmen seine Ressourcen in den Konkurrenzkampf mit OpenAI, Google, Anthropic oder xAI und in eine geschlossene AGI-Forschung mit Sprachmodell-Fokus – einen Weg, den LeCun für eine Sackgasse hält.
Laut Bloomberg berichten mehrere Quellen zudem, dass LeCun Schwierigkeiten hatte, ausreichend Mittel für seine Forschung zu sichern, da Meta Milliarden in seine neuen KI-Projekte und Abwerbungen investierte. Nach der Gründung des "Superintelligence Labs” wurde er mit der Einstellung eines "Chief AI Scientists” zudem faktisch aus der strategischen Führungsriege gedrängt.
Die gleichzeitig zunehmende Kontrolle wissenschaftlicher Veröffentlichungen bei Meta empfanden viele FAIR-Forschende als Einschränkung der akademischen Freiheit. LeCun soll bereits im Spätsommer 2025 über einen Rücktritt nachgedacht haben, nachdem neue Hierarchien eingeführt wurden und sein Team an Einfluss verlor. Auch politische Spannungen hatten zuletzt zugenommen. Während LeCun die Trump-Regierung kritisierte, unterstützte Meta-CEO Mark Zuckerberg deren wirtschaftspolitischen Kurs.
Meta bleibt Partner – aber ohne inhaltliche Kontrolle
Trotz dieser Spannungen sieht LeCun sein neues Vorhaben nicht im Widerspruch zu Meta. In seinem LinkedIn-Post dankte er Mark Zuckerberg, Andrew Bosworth, Chris Cox und Mike Schroepfer ausdrücklich für die Unterstützung von FAIR und der AMI-Forschung in den letzten Jahren. Durch die geplante Partnerschaft mit Meta solle die Reichweite der neuen Technologie maximiert werden, auch über das Kerngeschäft des Konzerns hinaus.
Der genaue Zeitpunkt der Start-up-Gründung und weitere Details zur Struktur sollen laut LeCun "zu gegebener Zeit" folgen. Er bleibe bis Ende des Jahres bei Meta.
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