Yakuza Kiwami 3 im Test: Aus Alt mach Neu

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Sega und das verantwortliche Entwicklerstudio Ryu Ga Gotoku Studio (RGG) haben dem Spiel „Yakuza 3“ eine Überarbeitung verpasst. Ursprünglich erschien dieses Spiel 2009 für die PlayStation 3. Es folgte 2018 ein Remaster. Inzwischen liegt in Form von „Yakuza Kiwami 3“ eine abermalige Neuauflage vor. Diese geht deutlich weiter, denn es handelt sich um ein Remake, welches das Original sogar teilweise neu interpretiert. Ich habe mir das Game als Fan der Reihe für euch im Test angesehen.

Dabei ist „Yakuza 3“ anno dazumal für mich sogar der Einstieg in das Franchise gewesen. Im Westen waren die Spiele damals noch eine echte Nische, mich lockte aber die beworbene Mischung aus „Grand Theft Auto“ und „Final Fantasy“ rasch an. Dabei stellte ich beim Zocken fest, dass diese Games jedoch mit ihrer Mischung aus Brawling, dramatischer Hauptgeschichte und absurden Nebenaufgaben ihren ganz eigenen Weg gehen. Klar, dass ich (fast) alle Nachfolger ebenfalls bis zum Umfallen gespielt habe.

Fast 17 Jahre ist es aber nun her, dass ich „Yakuza 3“ genossen habe, und viele Erinnerungen sind ein wenig verblasst. Insofern kommt mir „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ gerade recht. Allerdings frischt das Spiel teilweise weniger alte Erinnerungen auf, als dass es völlig neue Momente aufbaut. Denn man könnte diese Umsetzung durchaus eher als Neuinterpretation verstehen. Manchmal ist das sehr willkommen, etwa bei den neuen Nebenaktivitäten wie dem Aufpeppeln einer weiblichen Motorradgang, andere Male eher enttäuschend – wie beim versimpelten Kampfsystem.

Mein Test-System:

  • CPU: AMD Ryzen 7 9800X3D
  • CPU-Kühler: Noctua NH-D15 G2
  • Motherboard: MSI Tomahawk Wi-Fi AMD X670E
  • RAM: 64 GByte G.Skill Trident Z5 Neo RGB DDR5-6000 CL30
  • Grafikkarte: Nvidia GeForce RTX 5080
  • SSD: Kingston Fury Renegade 2 TByte + WD_Black SN850 1 TByte
  • Externer Zusatzspeicher: SanDisk Extreme Portable SSD mit 8 TByte
  • Netzteil: be quiet! Power Zone 2 (1.000 Watt)
  • Tower: be quiet! Dark Base Pro 901 (White)

„Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“: Saubere PC-Umsetzung

Getestet habe ich „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ an meinem Gaming-PC. Dabei liegt eine wirklich gute, wenn auch nicht großartige PC-Portierung vor. So könnt ihr beispielsweise anliegende Bildwiederholrate und Framerate-Cap separat regeln und auch moderne Upscaling-Techniken wie DLSS aktivieren – auch auf Wunsch mit Frame-Generation! Multi-Frame-Generation ist aber nicht direkt über das Spiel möglich. Ray-Tracing bleibt außen vor, es gibt aber ausreichend Qualitätsoptionen, um die Grafik mit höchsten Einstellungen und nativer 4K-Auflösung bei 60 oder gar 120 fps weit über das Niveau der aktuellen Konsolen zu hieven.

Performance-Einbrüche musste ich dabei zu keiner Zeit feststellen. Meine Preview-Version krankte lediglich 1-2 Mal unter kleineren Bugs in den Texten. Etwa wurde einmal statt einer Dialogzeile ein ominöser Fehlercode im Textfenster eingeblendet. Das ließ sich aber wie eine normale Zeile weiterklicken.

Besonders stark ist die HDR-Umsetzung, womit ich nun ausgerechnet bei „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ nicht unbedingt gerechnet hätte. So blitzen die Partikeleffekte in den Kämpfen beeindruckend auf und die Kontraste und Farben in Okinawa und Kamurocho springen einen geradezu an. Was wiederum den Ton betrifft, so gibt es wahlweise englische und japanische Sprachausgabe. Deutsch steht nur in Form von Untertiteln zur Verfügung. Ich selbst habe klar die japanische Sprachausgabe vorgezogen, denn an den Originalsprecher des Protagonisten Kazuma Kiryu, Takaya Kuroda, reicht einfach niemand heran.

Für Kontroversen hat gesorgt, dass Sega einige Charaktere mit neuen Schauspielern / Stimmen besetzt hat, was auch zu Anpassungen der Charaktermodelle geführt hat. Für mich ist das grundsätzlich in Ordnung, da ich „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ als eine Art neue Interpretation ansehe. Das Problem ist eher, dass der Publisher inzwischen das Remaster aus vielen Stores entfernt hat, sodass Fans nicht mehr die Wahl haben. Da hätte man sich lieber nicht von George Lucas inspirieren lassen, denn das ist ärgerlich.

Neuer Spaß, neues Füllmaterial

Grundsätzlich bleibt „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ eine Art Action-RPG mit semi-offener Spielwelt. So bewegt ihr euch in den beiden größeren Hubs Okinawa und Kamurocho. Es gibt aber neue, durchaus umfangreiche Nebenaktivitäten wie das Managen einer Motorradgang und den Aufbau von digitalen Freundschaften über das eigene Mobiltelefon – ähnlich wie bei den Aloha-Links in „Like a Dragon: Infinite Wealth“. Dafür sind aber andere Quests weggefallen, etwa die amüsanten „Offenbarungen“, die Kiryu beim Beobachten mancher Stadtbewohner hatte. Durch sie konnte er neue Martial-Arts-Techniken erlernen.

Das führt direkt zu den Kämpfen, die komplett überarbeitet worden sind. Kiryu kann zwischen zwei Kampfstilen wechseln. Der klassische Brawler-Stil lässt den ehemaligen Yakuza mit seinen Fäusten reinhämmern, während der neue Ryukyu-Stil euch automatisch verschiedene Waffen an die Hand gibt. Dabei ist das Originalspiel dafür berüchtigt gewesen, dass die Gegner teilweise endlos geblockt haben, wodurch sich viele Kämpfe arg hinziehen konnten. Das hat man korrigiert, doch dafür boxt ihr euch durch die Scharmützel jetzt in den beiden leichteren Schwierigkeitsgraden viel zu einfach. Wer also eine Herausforderung sucht, muss schon „Hard“ wählen. Auch ist der Ryukyu-Stil sehr mächtig, da er Gegner lähmen oder zum Bluten bringen kann, wodurch sie regelmäßig von selbst Schaden nehmen.

Weggefallen ist dafür Kiryus Ausrüstungs-Bereich. Ihr könnt also weder neue Waffen einsammeln noch Rüstungen nutzen. Ein kleiner Ersatz ist das nun aufwertbare Mobiltelefon. Ihr könnt da verschiedene Anhänger und Bildschirmhintergründe draufpappen, die ebenfalls kleine Boni gewähren. Komplett generalüberholt hat man auch die Aktivitäten im Waisenhaus Morning Glory, das ein zentraler Teil der Story von „Yakuza Kiwami 3“ ist. So gibt es hier eine Art Spiel im Spiel, bei dem ihr den dort untergebrachten Kindern bei diversen Aktivitäten helft und so auch ihre eigenen, kleinen Handlungsbögen miterlebt. Dazu könnt ihr wie in einer Cozy-Sim z. B. Gemüse anbauen und verkaufen, um den Laden am Laufen zu halten. Das ist alles nicht komplex oder gar überfordernd, aber eine ziemlich positive Überraschung und lockert das Game gelungen auf.

Allerdings merkt man dem Ganzen manchmal auch diesen modernen Hang zum Overkill an, denn das Verwalten des Waisenhauses, der Aufbau der Motorradgang und das „Anpiepen“ von neuen Handy-Kontakten sind nach einer Weile manchmal etwas monoton. Zumal im Gegensatz einige der Original-Sidequests gestrichen worden sind. Vergnügen könnt ihr euch im Übrigen auch mit zahlreichen Game-Gear-Klassikern, die komplett per Emulation spielbar sind.

Dark Ties: Ein netter Bonus

Sega bewirbt „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ als zwei Spiele in einem. Das ist etwas übertrieben, denn je nach Elan für die Nebenaufgaben seid ihr mit der frischen Ergänzung „Dark Ties“ in weniger als vier Stunden auch schon wieder durch. Hier verkörpert ihr den Schurken Yoshitaka Mine, welcher einen neuen Anstrich als Antiheld verpasst bekommt. Dabei wechselt ihr über das Hauptmenü zwischen den beiden komplett voneinander abgekoppelten Kampagnen. Auch hier kämpft ihr euch durch aufdringliche Gegner und powert euch zu einem melodramatischen Story-Finale durch.

Die Nebenaufgaben sind dabei durchaus mit der Hauptgeschichte über Kanda Damage Control verwoben. Das ist ein System, bei dem ihr für die Bewohner von Kamurocho kleinere Aufgaben erledigt und so euren Ruf verbessert. Dazu kann Mine auch an Arena-Kämpfen teilnehmen, sodass es durchaus nicht an Beschäftigungsmöglichkeiten mangelt.

Mein Fazit

Meiner Meinung nach sollte man „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ eher als eine Alternative zum Original betrachten, das eigene Stärken und Schwächen mit sich bringt. Für mich ist es weiterhin ein guter Eintrag in das wachsende Franchise, den ich auch empfehlen kann. Es wundert mich aber nicht, dass es da sehr unterschiedliche Bewertungen von Kollegen gibt. Am Ende kann man sagen, dass das Game für jede sinnvolle Ergänzung auch ein liebenswertes Element gestrichen hat.

Neueinsteigern würde ich im Übrigen weiterhin als Erstes „Yakuza 0“ ans Herz legen, auch wenn jener Titel technisch nicht mehr allzu ansehnlich ist. „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ macht meiner Meinung nach wirklich viel Laune und überbrückt gut die Zeit, bis zu einem komplett neuen Game. Wer aber sehr auf das Original eingeschossen ist, wird einige der Anpassungen sicherlich skeptisch sehen. Veteranen sollten also offen an diese Neuinterpretation herangehen.

Hinweis: „Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties“ habe ich zwar für den PC getestet, das Spiel ist aber natürlich auch für die PlayStation 5, Xbox Series X|S und die Nintendo Switch 2 erhältlich.

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