
Seit Sommer 2024 schiebt sich mit Wero eine europäische Alternative zu PayPal, Apple Pay und Co. langsam in den Markt. Hinter dem Dienst steckt die European Payments Initiative, kurz EPI.Chris Scheuermann von der EPI Company gab in einem Interview einen (Aus)blick über den Status von Wero.
Wero ist in mehreren europäischen Ländern live, angefangen hat EPI ganz bewusst mit P2P-Zahlungen. Der Fokus lag auf der Funktion Geld senden, um den Namen Wero in die Köpfe zu bringen und überhaupt erst Nutzer an Bord zu holen.
In Frankreich, Belgien und Deutschland ist Wero mittlerweile bei über 25 Banken eingebunden. Laut Scheuermann kommt der Dienst insgesamt auf mehr als 50 Millionen Nutzer. In Deutschland sind es Stand März 2026 rund 7 Millionen, der Anteil ist also noch überschaubar, aber die Kurve zeigt nach oben. Die geopolitische Lage sorgt dafür, dass eine Lösung aus Europa gerade mehr Aufmerksamkeit bekommt.
EPI ist kein kleines Hobbyprojekt, sondern hängt an 14 Anteilseignern, darunter die Deutsche Bank. Diese Banken sollen nicht nur Geld geben, sondern die Vision von Wero aktiv vorantreiben. Dazu kommt eine wachsende Nachfrage von Händlern, die weg wollen von der starken Abhängigkeit von US-Dienstleistern wie PayPal. Die Basis aus Banken, Händlern und vielen bestehenden Nutzern sieht Scheuermann als Kern dafür, dass ein paneuropäisches Zahlungssystem überhaupt eine Chance hat.
Auf Händlerseite spielt vor allem das Preismodell von Wero eine Rolle. Die Gebühren sind so ausgelegt, dass sich Wero im Alltag rechnet und Händler gleichzeitig nicht komplett in der Hand eines einzelnen Systems hängen. Außerdem sollen Händler Einfluss auf die Weiterentwicklung haben, also Features mitgestalten können. Für Nutzer zählt dagegen eher der Komfort: Wero hängt direkt am Girokonto, läuft in der bekannten Banking-App, ohne extra Login, ohne aufgeladenes Guthaben. Die Zahlung geht direkt vom Konto weg.
Anfangs fuhr EPI bei der Händlerakzeptanz eher einen ruhigen Kurs. Erst mal klassische Einmalzahlungen, dazu sogenannte event-dependent Payments, bei denen das Geld erst fließt, wenn die Ware wirklich da ist, etwa bei Click & Collect. Für 2026 sind weitere Einsatzszenarien geplant. Wero soll dann bei Abo-Diensten wie Netflix hinterlegt werden können, also laufende Zahlungen abwickeln. Vor allem Händler aus dem Lebensmittelbereich klopfen wohl schon an, die Wero direkt in ihre eigenen Apps packen wollen. Das gilt intern als Schritt in Richtung stationärer Handel, also hin zum Point of Sale.
An jenem will EPI nach und nach die üblichen Bezahlvarianten abdecken, die heute von Karten oder Wallets gewohnt sind. Nächster Baustein sind QR-Codes: Im Restaurant oder Café wird dann ein Code gescannt, die Zahlung läuft über Wero in der Banking-App. Ab 2027 soll kontaktloses Bezahlen via NFC dazukommen. Ziel ist, dass Wero nicht nur bei P2P oder im Online-Shop auftaucht, sondern im Alltag an der Kasse genauso selbstverständlich wirkt wie Karte oder Smartphone-Wallet.
Im Hintergrund steht immer das Thema europäische Souveränität im Zahlungsverkehr. Durch die aktuelle politische Lage wächst angeblich der Druck, sich nicht komplett auf außereuropäische Bezahlsysteme zu verlassen. Banken, die anfangs noch abwarteten, werden laut Scheuermann aktiver und wollen dabei sein.
Nutzer sind erfahrungsgemäß etwas langsamer, lesen sich erst durch Bewertungen und Foren, bevor ein neues System ernsthaft genutzt wird. EPI will mit Wero dazu beitragen, dass Europa hier mehr eigene Infrastruktur auf die Beine stellt und diese auch über die bisherigen Märkte hinaus ausrollt. Die Internationalisierung steht daher weit oben auf der To-do-Liste, damit Wero nicht ein weiteres Insellösungchen bleibt, sondern im besten Fall zu einem breit nutzbaren europäischen Standard wird.
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3 weeks ago
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