19. März 2026 Marcus Schwarzbach
KI wird zur Karrierebedingung – ein Konzern überwacht bereits Login-Daten, um Beschäftigte zu identifizieren, die KI nicht nutzen.
Künstliche Intelligenz (KI) ist heute fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Und Unternehmen wollen die Nutzung der neuen Technik ausweiten. Amazon will in diesem Jahr 200 Milliarden Dollar investieren, Googles Mutterfirma Alphabet 185 Milliarden und Microsoft 130 Milliarden Dollar dafür ausgeben.
KI verändert "Prozesse, Entscheidungswege und Rollenprofile in nahezu allen Unternehmensbereichen. Damit wächst der Druck auf Fach- und Führungskräfte, KI nicht nur einzusetzen, sondern kompetent, verantwortungsvoll und strategisch zu nutzen", berichtet der Seminaranbieter Managementcircle über seine aktuelle Studie "KI-Kompetenz-Report 2026".
Die hohen Ausgaben sorgen für kritische Stimmen:
"KI-Investitionen sind eine Zukunftswette, wie sie selten vorkommt. Denn es ist unklar, was diese Technik künftig leisten können wird. Das war bei früheren Crashs anders. Ob Eisenbahnen oder Immobilien: Den Investoren war klar, wie eine Lok funktioniert oder wie man Häuser errichtet. Sie bauten nur zu viele Strecken oder Gebäude."
Ulrike Herrmann, taz
Bei KI sei "gänzlich unbekannt, wohin sie sich entwickelt".
Vielmehr werde KI in den Unternehmen regelmäßig eingesetzt, sei "aber selten strategisch verankert", bemängelt auch Managementcircle. Denn KI-Kompetenz entstehe nicht automatisch durch Nutzung, sondern erfordere gezieltes Vorgehen.
Für Vorgesetzte wird der Technik-Einsatz zunehmend zur größten Herausforderung. "KI-Kompetenz ist die neue Karrierewährung. Wer sie hat, steigt auf", warnt KI-Berater Sven Dörrenbächer in einem Beitrag für Focus.
Laut Boston Consulting Group ist die Führungskultur entscheidend. KI-Erfolg sei nur zu zehn Prozent Technik, zu 20 Prozent Daten, jedoch zu 70 Prozent neue Arbeitsweisen und Führung. Dörrenbächer fordert Führungskräfte zum Handeln auf:
"Dranbleiben. KI lernen ist wie eine neue Sprache lernen – ein einmaliger Crashkurs reicht nicht. Was du heute über KI weißt, ist morgen veraltet. Gewöhn dich dran."
Firma bestraft Beschäftigte, die KI nicht nutzen
Sehen Beschäftigte die Entwicklung offen zu kritisch, werden sie unter Druck gesetzt – die Beratungsfirma Accenture will gezielt gegen Consultants vorgehen, die KI nicht wie erwartet einsetzen.
"In einer internen E-Mail an Führungskräfte habe Accenture angekündigt, dass eine Beförderung auf eine Führungsposition nur möglich sei, wenn der Kandidat die regelmäßige Nutzung von KI-Tools nachweisen kann", meldet das manager magazin. Dazu werte die Firma Log-in-Daten aus, um den Einsatz der vorgegebenen Tools besser überwachen zu können.
Nach Angaben des Unternehmens wurden mehr als 550.000 Arbeitende im Umgang mit generativer KI geschult. Der Consulting-Riese beschäftigt weltweit rund 780.000 Menschen.
"Die größten Verweigerer sind oft die Erfahrensten. Senior Manager, die jahrzehntelang erfolgreich waren, sehen in KI keine Erleichterung, sondern eine Bedrohung."
Sven Dörrenbächer
Bundesfrauenministerin Karin Prien warnt vor dem unkritischen Einsatz neuer Technik, Diskriminierung von Frauen müsse verhindert werden. KI werde mit Internetdaten trainiert und übernehme darin enthaltene Vorurteile. Gravierende Folgen kann die automatisierte Vorauswahl von Bewerbungen haben.
"Werden solche Systeme mit historischen Unternehmensdaten trainiert, kann es zu Benachteiligungen von Frauen kommen. Wenn in der Vergangenheit überwiegend Männer in bestimmten Positionen eingestellt oder befördert wurden, lernt die KI solche Muster."
Karin Prien, Die Zeit
Stereotypen sind in IT-Unternehmen weit verbreitet. Noch immer hält fast jedes zweite Männer für besser geeignet– das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung des Verbandes Bitkom unter 603 Unternehmen: In keiner einzigen deutschen IT-Abteilung arbeiten derzeit mehr Frauen als Männer, meldet die taz. 43 Prozent der Unternehmen geben an, Männer seien für IT-Jobs besser geeignet.
"Stereotype Rollenbilder sind noch in zu vielen Unternehmen verankert", kritisierte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.



