16. Februar 2026 Thomas Pany
(Bild: Grafik: shutterstock.com)
Beschäftigte gelten als zu teuer. Warum ausgerechnet Maschmeyers Einwurf den Zustand der Debatte offenlegt. Kommentar.
Rüstungsunternehmen erleben gute Zeiten. Schlechte Zeiten dagegen herrschen fast überall sonst in der Wirtschaft.
Und so wird täglich dringlicher darüber gesprochen, wie viel Beschäftigte kosten, was sie falsch machen und was sie besser machen müssten, wenn sie nicht eingespart werden wollen. Mit diesem "sie" sind abhängig Beschäftigte gemeint – und die selbstständigen Alleinkämpfer. Beide gelten als variable Größe.
Die Selbstständigen stehen dabei oft nicht außerhalb, sondern am Tropf von Auftraggebern: ausgelagert, outgesourct, als Subunternehmer eingebunden, ohne Kündigungsschutz, aber mit Kostendruck. Sie tragen unternehmerisches Risiko, ohne unternehmerische Macht. Auch sie lassen sich kürzen.
Die großen Richtlinien der Zeit haben als Antrieb allesamt Optimierung vom Schlaf über die Arbeit bis zur Freizeit und Ernährung. Die herrschenden Denkmodi sind strategisch. Leben sollen permanent angepasst werden, um für neue Anforderungen gut aufgestellt zu sein.
Wer das nicht schafft, fällt dem Rotstift zum Opfer. Personalkosten gelten, neben Sozialabgaben, als das große Übel, das Wachstum hemmt.
Wie selbstverständlich dieser Konsens geworden ist, merkt man erst, wenn diese Narrative, die schon beinahe als naturwüchsig empfunden werden, von unerwarteter Seite irritiert werden. Zum Beispiel von Carsten Maschmeyer.
Maschmeyer, bekannt geworden mit dem Aufbau des Finanzdienstleisters AWD und heute Investor sowie Juror in der Fernsehsendung Die Höhle der Löwen, kritisiert öffentlich das dauernde Reden über angeblich zu hohe Personalkosten.
"Das Gerede über Kosten wird selbst zum Produktivitätsproblem."
Wer Mitarbeiter nur als Belastung begreife, dürfe sich über sinkende Motivation nicht wundern. Sein Satz:
"Wenn die Mitarbeiter euch nur stören, dann probiert’s doch mal ohne. "
Maschmeyer fordert, nicht von "Personalkosten", sondern von "Personalnutzen" zu sprechen. Unternehmen verdienten ihr Geld nicht trotz, sondern wegen ihrer Mitarbeiter. "Excel-Tabellen allein entwickeln nichts."
Bemerkenswert ist weniger der Inhalt als der Absender. Denn der Kostendruck auf Arbeit folgt seit Jahren einem Beratungsdenken, das Effizienz primär über Reduktion organisiert. Der von Unternehmensberatern wie McKinsey & Company geprägte Fokus auf schlanke Strukturen, Kennzahlen und Skalierbarkeit hat das Verhältnis zur Arbeit verändert: Menschen erscheinen als zu teure Variable, nicht als produktive Grundlage.
Parallel dazu läuft eine Debatte über Krankenstände. Politiker wie Friedrich Merz sprechen über Anreize, Fehlzeiten und Pflichten. Über Ursachen wird seltener gesprochen.
Dass ausgerechnet ein Finanzunternehmer dieses Denken kritisiert, sagt viel über den Zustand der Debatte. Während Politik und Management weiter rechnen, scheint selbst dort, wo in Excel-Tabellen gedacht wird, angekommen zu sein:
Nicht einmal theoretisch rechnet sich eine Wirtschaft ohne Menschen.



