Waymo-Robotaxis: Stromausfall zeigt Grenzen autonomer Systeme

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27. Dezember 2025 Matthias Lindner

Ein Waymo-Fahrzeug in den Straßen von Los Angeles.

(Bild: Elliott Cowand Jr / Shutterstock.com)

Ein Stromausfall in San Francisco legte Waymo-Robotaxis lahm. Experten fordern strengere Regeln. Sind autonome Taxis für echte Krisen gerüstet?

Als am 20. Dezember ein Brand in einem Umspannwerk rund ein Drittel von San Francisco vom Stromnetz trennte, wurde aus einem technischen Defekt ein Stresstest für autonome Fahrzeuge.

Die Robotaxis von Waymo, einer Tochter des Tech-Giganten Alphabet, blieben an Kreuzungen stehen und blockierten mit eingeschalteten Warnblinkern den Verkehr. Das Unternehmen stoppte daraufhin den Betrieb und nahm ihn erst einen Tag später wieder auf.

Wenn dunkle Ampeln zum Problem werden

Das Waymo-System behandelt ausgefallene Ampeln eigentlich wie Kreuzungen mit Stoppschildern. Doch in Ausnahmefällen, so heißt es bei Reuters, fordern die Fahrzeuge Bestätigungen an. Damit soll gewährleistet werden, dass es sich um die sicherste Wahl des Systems handelt.

Der großflächige Ausfall führte zu einem konzentrierten Anstieg solcher Anfragen. Die Folge: Reaktionen verzögerten sich, wodurch die ohnehin verstopften Straßen zusätzlich blockiert wurden.

Waymo betont laut Reuters, dass seine Flotte über 7.000 ausgefallene Ampeln erfolgreich passiert habe. Dennoch räumt das Unternehmen ein, dass der Umfang des Ausfalls und die schiere Anzahl dunkler Ampeln die Hauptursachen für den stadtweiten Verkehrsstillstand waren.

Fernsteuerung stößt an Kapazitätsgrenzen

Robotaxi-Betreiber setzen in unterschiedlichem Maß auf menschliche Fernunterstützung. Bei Waymo überwachen sogenannte Flottenreaktionsagenten die Fahrzeuge und reagieren auf Anfragen des Systems. Doch diese Teleoperation hat ihre Grenzen, wie der Vorfall zeigt.

Missy Cummings, Direktorin des Autonomy and Robotics Center der George Mason University, fordert deshalb eine Regulierung dieser Technologie.

Die Bundesregierung müsse "sicherstellen, dass es eine Backup-Fernsteuerung gibt, wenn es zu einer katastrophalen Störung kommt", sagte sie laut Bericht. Der Sinn von Fernsteuerung bestehe darin, dass Menschen zur Stelle sind, wenn das System nicht wie vorgesehen reagiert.

Waymo kündigt Software-Updates an

Als Reaktion plant Waymo flottenweite Software-Updates, berichtet das Wall Street Journal (WSJ). Die Fahrzeuge sollen künftig spezifische Informationen zu Stromausfällen erhalten, damit sie entschlossener navigieren können. Die Bestätigungsprotokolle stammen aus der frühen Einsatzphase und werden nun an die aktuelle Größe der Flotte angepasst.

Zudem will das Unternehmen sein Notfallprotokoll aktualisieren und die Zusammenarbeit mit Ersthelfern ausweiten. "Sicherheit ist für alles, was wir tun, von grundlegender Bedeutung", erklärte Waymo-Sprecher Ethan Teicher gegenüber Bloomberg.

Expansion trotz Rückschlägen

Der Vorfall ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem der Robotaxi-Markt wächst. Waymo betreibt den Berichten zufolge mehr als 2.500 Fahrzeuge in der San Francisco Bay Area, Los Angeles, Metro Phoenix, Austin und Atlanta. Das Unternehmen strebt bis Ende nächsten Jahres mehr als eine Million Fahrten pro Woche an.

Auch Konkurrenten wie Tesla und Amazons Zoox drängen auf Expansion. Zugleich zeigen sich im Betrieb immer wieder ungewöhnliche Situationen: Probleme mit angehaltenen Schulbussen, das Einfahren in Polizeisperren oder illegale Wendemanöver erfordern laufende Softwareanpassungen.

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