USA und Iran eskalieren – Hormus blockiert

2 months ago 15

Die USA und der Iran haben sich in der zweiten Nacht in Folge heftig gegenseitig beschossen – womit sich der Konflikt trotz der seit zwei Monaten geltenden Waffenruhe gefährlich hochschaukelt. Irans Militär reagierte auf neue US-Angriffe nach eigenen Angaben mit der kompletten Sperrung der Straße von Hormus. Hinzu kamen Gegenattacken auf Ziele in den Golfstaaten Bahrain und Kuwait.

Jedes Schiff, das die für den Öl- und Gashandel wichtige Meerenge zu passieren versuche, werde angegriffen, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der iranischen Militärführung. Zwei Schiffe sollen laut Rundfunk beschossen worden sein.

Es folgten gegenseitige Dementis. Das US-Regionalkommando Centcom schrieb auf X: „Handelsschiffe fahren weiterhin heute Nacht in die Straße von Hormus hinein und heraus.“ Irans Staatsmedien nannten diese Behauptung falsch.

US-Präsident Donald Trump warf Teheran laut einem Medienbericht einen besonders schweren Bruch der geltenden Feuerpause vor. Sie sei „die am häufigsten gebrochene Waffenruhe in der Geschichte der Welt“, zitierte ein Reporter des US-Senders Fox News aus einem Gespräch mit dem Präsidenten. Auf welchen Vorfall sich Trump mit diesem Vorwurf konkret bezog, blieb unklar.

„Werden sie in Grund und Boden bomben“

Trump habe zwar ein Ende der Bombardierungen in Kürze in Aussicht gestellt, berichtete Fox-News-Reporter Trey Yingst auf der Plattform X. Sollte Teheran jedoch kein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnen, „werden wir sie in Grund und Boden bomben“, drohte Trump demnach.

Das US-Militär hatte zuvor nach eigenen Angaben auf Befehl des Präsidenten mit neuen Angriffen auf Ziele im Iran begonnen. Laut Trump seien unter anderem Dutzende Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert worden, schrieb der Fox-News-Reporter. Das nächstgelegene Ziel zur iranischen Hauptstadt Teheran habe wenige Dutzend Kilometer außerhalb der Stadt gelegen.

Iranische Staatsmedien meldeten Explosionen im Bereich mehrerer Hafenstädte entlang der Südküste. Demnach wurden zwei Menschen verletzt. Wie die iranische Nachrichtenagentur Irna und der Rundfunk berichteten, wurden Explosionen nahe den Städten Minab und Sirik beobachtet. Weitere Detonationen gab es Berichten zufolge auch auf der Insel Gheschm und in der Hafenstadt Bandar Abbas.

In der Nacht soll es außerdem nahe der iranischen Hauptstadt Teheran mehrere Angriffe gegeben haben. Der staatliche iranische Rundfunk meldete Explosionen in der Pendlermetropole Karadsch, die nur wenige Kilometer von der Millionenstadt Teheran entfernt liegt. Weiter westlich von Karadsch seien Kampfdrohnen gesichtet worden. Details dazu lagen zunächst nicht vor.

USS Michael Murphy (DDG 112) launches Tomahawk cruise missiles from an unknown location, as the United States launched new strikes against multiple targets overnight in Iran, the U.S. military said on Wednesday, in this still image obtained from a handout video released on June 10, 2026. U.S. Central Command/Handout via REUTERS    THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. MANDATORY CREDIT.

VERIFICATION:
Location and date not verified.
No older versions of the footage were found posted before June 10.     TPX IMAGES OF THE DAY

Dieses am 10. Juni vom US-Zentralkommando CENTCOM zur Verfügung gestellte Bild zeigt, wie auf der USS Michael Murphy ein Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert wird.

© REUTERS/U.S. Central Command

Erst in der Nacht zum Mittwoch hatte das US-Militär als Reaktion auf den Abschuss eines Kampfhubschraubers Flugabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen im Iran attackiert. Der Iran griff daraufhin US-Stützpunkte in der Golfregion an.

Gegenangriffe auf Golfstaaten

Die iranische Armee meldete derweil, sie habe erneut das regionale Hauptquartier der US-Marine in Bahrain mit Kamikazedrohnen attackiert. Der Angriff habe auf Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot gezielt, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der Armee. Irans mächtige Revolutionsgarden – die Elitestreitmacht des Landes – attackierten nach eigenen Angaben unter anderem zwei US-Luftwaffenstützpunkte in Kuwait und einen in Bahrain. Insgesamt seien 18 Ziele angegriffen worden.

In Bahrain wurde Alarm ausgelöst, wie das Innenministerium des Golfstaats auf X mitteilte. Bewohner wurden dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren und den nächsten sicheren Ort aufzusuchen. Aus Kuwait oder vom US-Militär gab es zunächst keine Bestätigung.

Iranian missiles are launched, as Iran's Revolutionary Guards said they had carried out attacks against a U.S. base in Jordan and 21 other targets in the Gulf on Wednesday in retaliation for American strikes around the Strait of Hormuz, from a location given as Tehran, Iran, released June 10, 2026, in this still image taken from a video.  WANA via Pool/via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. ISRAEL OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN ISRAEL. NO ACCESS FOR ISRAELI MEDIA. NO USE BBC PERSIAN. NO USE VOA PERSIAN. NO USE MANOTO. NO USE IRAN INTERNATIONAL. NO USE RADIO FARDA. DIGITAL: NO USE BBC PERSIAN. NO USE VOA PERSIAN. NO USE MANOTO. NO USE IRAN INTERNATIONAL. NO USE RADIO FARDA.

Verification Lines:

Reuters was not able to independently verify the location and date of the footage. However, Iran's Revolutionary Guards on Wednesday (June 10) said they targeted US bases in Jordan, Bahrain and Kuwait. No older version of the footage was found posted online before Wednesday.

Die iranische Armee hat eigenen Angaben zufolge unter anderem das regionale Hauptquartier der US-Marine in Bahrain attackiert.

© REUTERS/WANA VIA POOL

Die Golfstaaten beherbergen wichtige US-Stützpunkte, die sich nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt befinden. Sie waren jüngst mehrfach zum Ziel iranischen Beschusses mit Raketen und Drohnen geworden.

Iran meldet Beschuss von Schiffen

Offiziell begründete das iranische Militärhauptquartier die angebliche Vollsperrung der Straße von Hormus mit einer „veränderten Sicherheitslage“ nach den erneuten US-Angriffen. Sämtlichen Schiffen sei die Passage durch die Meerenge untersagt. Das gelte auch für Öltanker und Frachter.

Die Islamische Republik hatte kurz nach Kriegsbeginn Ende Februar durch Drohungen und Angriffe auf Schiffe den Verkehr in der Meerenge weitgehend zum Erliegen gebracht. Teheran betonte zuletzt, die Meerenge sei nicht blockiert. Faktisch mussten sich Reedereien jedoch mit iranischen Kontaktstellen koordinieren und durften anschließend nur einen Korridor nahe der iranischen Küste passieren. Dafür verlangt der Iran hohe Gebühren. In letzter Zeit hatten nach Angaben Teherans mehrere Schiffe die Straße passiert.

Die USA verhängten Mitte April ihrerseits eine Seeblockade gegen den Iran, um das Land unter anderem von seinen Öleinnahmen abzuschneiden. Für den Iran ist der Ölexport das wichtigste wirtschaftliche Standbein. Die Straße von Hormus ist als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung.

Hegseth: Wollen Krieg nicht wieder anfangen

Das Regionalkommando des US-Militärs begründete die erneuten nächtlichen Bombardierungen im Iran mit dem Verhalten Teherans. „Die Angriffe sind eine Reaktion auf die ungerechtfertigte und anhaltende Aggression des Irans“, schrieb Centcom auf X. Dabei sprach das US-Militär wie bereits in der vorherigen Nacht von „Selbstverteidigungsschlägen“. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte, es gehe nicht darum, wieder mit dem Krieg anzufangen. Vielmehr wolle man dadurch die Bedingungen für eine Vereinbarung mit dem Iran schaffen. (dpa)

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