„Iran will verhandeln.“ Das hat der amerikanische Präsident Donald Trump zu Wochenbeginn behauptet. Aber weder sagte Trump, worüber das Regime in Teheran Gespräche führen wolle, noch, ob er darauf einzugehen bereit wäre. Ein naheliegendes Thema wäre das iranische Atomprogramm, oder was davon nach den Militärschlägen Israels und der Vereinigten Staaten vom vergangenen Juni noch übrig ist.
Hätte Iran in Sachen Atom überhaupt noch Verhandlungsmasse? Die israelische Luftwaffe hat zwischen dem 13. und 24. Juni 2025 weite Teile des iranischen Nuklearprogramms zerstört und die USA haben mit Luftschlägen am Ende des Zwölf-Tage-Kriegs ein übriges getan, um insbesondere die tief in einem Bergbunker vergrabene Anreicherungsanlage Fordow mindestens schwer zu beschädigen. Gleichwohl gibt es weiterhin wichtige Fragen, die offen sind und an deren Beantwortung nicht nur die Vereinigten Staaten großes Interesse haben müssen.
Da ist an erster Stelle der Verbleib des teils hoch angereicherten Urans, das Iran bis Juni vergangenen Jahres produziert hatte. Nach den Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) beliefen sich die gesamten Bestände an angereichertem Uran in Form von Uran in verschiedenen chemischen Formen zum 13. Juni 2025 auf 9874,9 Kilogramm. Besondere Aufmerksamkeit gilt 184,1 Kilogramm auf 20 Prozent und 440,9 Kilogramm auf bis zu 60 Prozent angereichertem Uran.
An zwei Anlagen wurde offenbar auch nach Juni weitergebaut
Vor dem Krieg lagerte dieses Material an den Standorten in Fordow, Natans und Isfahan, die sämtlich angegriffen wurden. Dass die Eingänge und teilweise die Lüftungs- und Kühlungsanlagen sichtbar verwüstet wurden, heißt nicht, dass die Lager im Inneren ebenfalls vollkommen zerstört sind. Es könnte Material an andere Standorte gebracht worden sein. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi teilte im Oktober mit, dass Inspekteure Bewegungen in der Umgebung von Nuklearstandorten beobachtet hätten, an denen Vorräte an angereichertem Uran gelagert werden.
Die in Wien ansässige UN-nahe Agentur kann dafür auf Bilder kommerzieller Satelliten zurückgreifen. Zutritt zu den zerstörten Stätten hat Teheran den Inspekteuren nicht gestattet. Im Novemberbericht geht die IAEA davon aus, dass die Vorräte an angereichertem Uran nicht aus ihren Standorten, also Isfahan, Fordow und Natans, entfernt wurden.
Nicht erkennbar angegriffen worden ist eine unfertige zweiteilige Tunnelanlage im Gebirge südlich der Anreicherungsanlage Natans, Kolang Gaz-La oder „Pickaxe Mountain“ genannt. Sie war – wie Iran 2020 bekanntgegeben hatte – für eine Anlage zur Montage von Uranzentrifugen gedacht, könnte aber wohl auch als Anreicherungsanlage dienen. Es gibt Spekulationen, dass Teile des angereicherten Materials dorthin geschafft worden sind. Das von einem früheren IAEA-Inspekteur geleitete Institut ISIS in Washington hat auf Satellitenbildern vom Ort bauliche Veränderungen festgestellt, unter anderem eine fertiggestellte Mauer um den weitläufigen Komplex. Auch an Tunneln bei Isfahan wurde nach Juni 2025 gebaut.
Außerdem hat Iran weiterhin ein ziviles Nuklearprogramm, mit dem Atommeiler Buschher an erster Stelle. Der Gouverneursrat der IAEA hatte im November nachdrücklich eine bessere Kooperation Teherans gefordert, einschließlich der Umsetzung des Zusatzprotokolls, das intensive Kontrollen ermöglicht. Iran drohte daraufhin mit einem gänzlichen Ausstieg aus dem Nichtverbreitungsvertrag. Das Regime in Teheran hat bisher mit einem Wechsel von angedeuteten Zugeständnissen und Rückschlägen seit Jahren auf Zeit gespielt. Im Moment scheint die Zeit aber nicht mehr auf seiner Seite zu sein.



