17. März 2026 Matthias Lindner
(Bild: Screenshot: Youtube-Video von Foundation Robotics.)
Das US-Start-up Foundation schickte zwei Phantom-MK-1-Roboter in die Ukraine. Der Einsatz wirft technische und ethische Fragen auf.
Roboter und Drohnen sind in der heutigen Militärtechnik und auf den Schlachtfeldern längst angekommen. Was bislang fehlte, waren humanoide Roboter, wie man sie etwa aus den Terminator-Filmen kennt, die Aufgaben im Krieg ausführen.
Aber auch das ändert sich gerade. So hat etwa das US-Robotikunternehmen Foundation im Februar zwei humanoide Roboter vom Typ Phantom-MK-1 in die Ukraine geschickt, um sie unter realen Bedingungen zu testen.
Laut Foundation-Mitgründer Mike LeBlanc kamen die Roboter bei Aufklärungsmissionen nahe der Front zum Einsatz.
Was der Phantom MK-1 können soll
Foundation stellte den Phantom MK-1 im Oktober 2025 als einen der ersten speziell für militärische Zwecke entwickelten humanoiden Roboter vor. Der rund 1,75 Meter große und etwa 80 Kilogramm schwere Roboter soll Aufklärung, logistische Versorgung und Bombenentschärfung übernehmen.
LeBlanc formuliert das Ziel klar: Der Roboter solle jede Waffe einsetzen können, "die ein Mensch einsetzen kann".
Technisch setzt der Phantom auf kamerabasierte Bildverarbeitung statt auf komplexe Sensorsysteme wie LiDAR.
Zentral ist das Prinzip "Human-in-the-Loop": Der Roboter steuert Bewegung und Navigation eigenständig, doch ein menschlicher Bediener behält die Entscheidungsgewalt über alle potenziell tödlichen Aktionen.
Ukraine als globales Testfeld für Militärrobotik
Die Ukraine entwickelt sich zunehmend zum weltweit wichtigsten Testgelände für neue Waffentechnologien. Allein im Januar kamen laut der staatlichen Nachrichtenagentur United24 Roboter tausendfach zum Einsatz – in erster Linie für Logistik, etwa für Nachschub, Verpflegung oder Munitionstransporte.
LeBlanc beschreibt laut Time seine Eindrücke aus der Ukraine als "wirklich schockierend": "Dies ist ein vollwertiger Roboterkrieg, in dem der Roboter der Hauptkämpfer ist und Menschen nur Unterstützung leisten".
Humanoide Roboter könnten laut Foundation dort einen Mehrwert bieten, wo Drohnen an ihre Grenzen stoßen – etwa in niedrigen Bunkern. Ihre menschenähnliche Wärmesignatur könnte zudem feindliche Überwachungssysteme täuschen.
Technische Schwächen und Sicherheitsrisiken
Trotz der ambitionierten Pläne zeigt die Realität deutliche Grenzen. Während eines Besuchs von Time-Journalisten stürzte einer der Phantom-Roboter mehrfach um. Die rund 20 Motoren, die einen Humanoiden antreiben, machen ihn anfällig für Störungen. Hinzu kommen Herausforderungen durch Schlamm, Staub und Regen im Feldeinsatz.
Experten warnen zudem vor Cyber-Risiken. Erbeutete Drohnen liefern bereits heute sensible Daten an den Feind. Ein gehackter humanoider Soldat könnte es einem Gegner ermöglichen, über Software-Hintertüren ganze Roboterflotten zu übernehmen.
Auch die Zuverlässigkeit der KI-Systeme steht in der Kritik: Sogenannte Halluzinationen, bei denen KI-Modelle falsche Informationen produzieren, stellen bei autonomen Waffensystemen ein gravierendes Problem dar.
Ethische Debatte und globaler Wettlauf
Die Automatisierung der Kriegsführung wirft zudem grundlegende Fragen auf. Kritiker fürchten, dass humanoide Soldaten die politischen Hemmschwellen für militärische Konflikte senken und die Verantwortung für Fehlentscheidungen verwischen.
"Es ist eine Frage der Menschenwürde", sagt etwa Peter Asaro vom Internationalen Komitee für Roboterwaffenkontrolle gegenüber Time. "Diese Maschinen sind keine moralischen oder rechtlichen Akteure, und sie werden niemals die ethischen Implikationen ihrer Handlungen verstehen."
Gleichzeitig treiben auch Russland und China die Entwicklung solcher Dual-Use-Technologien voran.
Foundation plant, bis Ende 2027 bis zu 50.000 Einheiten zu produzieren und diese für rund 100.000 US-Dollar pro Jahr zu vermieten. Der verbesserte Phantom MK-2 soll ab April mit wasserdichtem Gehäuse, größeren Akkus und einer Traglast von bis zu 80 Kilogramm verfügbar sein.



