Überholt Huawei bald Nvidia bei KI-Chips?

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Abstrakter digitaler Hintergrund mit KI-Buchstaben und Netzwerkverbindungen in blauer Farbe.

(Bild: Anggalih Prasetya / Shutterstock.com)

Trotz technologischer Hürden: Huawei setzt auf innovative Chip-Vernetzung, um Nvidia im KI-Wettlauf die Stirn zu bieten.

Der Wettlauf um die Vorherrschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) ist in vollem Gange, und die Halbleiterindustrie steht im Zentrum dieses technologischen Konkurrenzkampfes.

Huawei, Chinas Technologiegigant, bereitet sich darauf vor, die Produktion seiner fortschrittlichsten KI-Chips im nächsten Jahr stark zu steigern.

Das ehrgeizige Ziel ist es, so berichtet Bloomberg, auf dem weltweit größten Halbleitermarkt Boden gutzumachen, während der US-Konkurrent Nvidia mit geopolitischen Gegenwinden zu kämpfen hat.

Huaweis ehrgeizige KI-Chip-Strategie

Huawei plant demnach, im nächsten Jahr etwa 600.000 seiner Flaggschiff-Chips 910C Ascend zu produzieren, was in etwa einer Verdopplung des diesjährigen Niveaus entspricht. Insgesamt will das Unternehmen die Produktion seiner Ascend-Produktlinie im Jahr 2026 auf bis zu 1,6 Millionen Dies steigern.

Dies gilt als ein deutliches Zeichen dafür, dass Huawei und sein Hauptpartner Semiconductor Manufacturing International Corp. (SMIC) einen Weg gefunden haben, einige der Engpässe zu beseitigen, die das KI-Geschäft des Unternehmens bisher behindert haben.

In einem ungewöhnlichen Schritt gab der chinesische Technologieriese im September 2025 seine Vision bekannt, wie in den kommenden Jahren die Dominanz von Nvidia untergraben werden könnte.

Der Vorsitzende Eric Xu stellte kürzlich eine Reihe von Ascend-Chips vor – den 950, 960 und 970 –, deren Einführung bis 2028 in mehreren Phasen geplant ist. Diese Chips sind die natürliche Weiterentwicklung der seit Jahren bestehenden 910-Serie, die nach wie vor die Cashcow von Huawei ist.

Konkurrenzkampf mit Nvidia: Leistungsvergleich und geopolitische Spannungen

Huawei gibt offen zu, dass seine Siliziumchips in puncto Rechenleistung und Geschwindigkeit bisher nicht mit denen von Nvidia mithalten können. Analysten von Bernstein schätzen, dass ein einzelner Ascend 950 der nächsten Generation nur sechs Prozent der Leistung des kommenden VR200-Superchips von Nvidia bieten kann.

Dennoch ist Huawei entschlossen, den Abstand zu verringern und langfristig zu einem ernsthaften Konkurrenten für den US-Chipgiganten aufzusteigen.

Die Konkurrenz zwischen den beiden Unternehmen wird durch die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China verschärft. Washington versucht seit Jahren, Chinas Zugang zu modernster Chip-Technologie einzuschränken, aus Angst, diese könnte Pekings wirtschaftliche und militärische Ambitionen fördern.

Huawei wurde auf eine US-Entity-Liste gesetzt, was bedeutet, dass amerikanische Lieferanten von Chip-Technologie eine Genehmigung der Regierung einholen müssen, um an das Unternehmen zu verkaufen.

Auch Nvidia hatte Schwierigkeiten, mit den Handelsspannungen zurechtzukommen, und musste seine Chips mehrfach überarbeiten, um den US-Exportkontrollen zu entsprechen.

Technologische Hürden und innovative Lösungen

Eine der größten Herausforderungen für Huawei ist die Fertigungstechnologie. Während Nvidia Zugang zu den modernsten 4-nm-Knoten von TSMC hat, muss Huawei auf die veraltete 7-nm-Technologie von SMIC zurückgreifen.

Die Chips für die 910-Produktlinie werden mit einer verbesserten Version der 7-nm-Technik von SMIC hergestellt, die aber immer noch etwa zwei Generationen hinter der Technologie von TSMC zurückliegt. Experten bezweifeln, ob Huawei seine ehrgeizigen Pläne angesichts dieser technologischen Grenzen umsetzen kann.

Um diese Hürden zu überwinden, setzt Huawei auf innovative Lösungen wie die Vernetzung und Clusterung von Chips. Das Unternehmen stellte seine UnifiedBus-Technologie vor, die es ermöglicht, bis zu 15.488 Ascend-Chips miteinander zu verbinden.

Huawei behauptet, dass diese Technik eine bis zu 62-mal schnellere Datenübertragung zwischen den Chips ermöglicht als Nvidias kommende NVLink144-Technologie. Durch die Bündelung der Rechenleistung hofft Huawei, die Leistungslücke zu Nvidia zu schließen, auch wenn die einzelnen Chips weniger leistungsfähig sind.

Chinas Unterstützung für einheimische Chip-Unternehmen

Huaweis Ambitionen werden durch die politische und wirtschaftliche Unterstützung der chinesischen Regierung befeuert. Peking hat die Technologieunternehmen des Landes aufgefordert, in der Wertschöpfungskette aufzusteigen und eigene fortschrittliche Chips zu entwickeln, um die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern zu verringern.

Chinas Staatschef Xi Jinping traf sich Anfang des Jahres mit einer kleinen Gruppe von Unternehmern, darunter Huawei-Gründer Ren Zhengfei, um die Priorität strategischer Sektoren zu unterstreichen.

Die chinesische Regierung hat kürzlich auch eine Reihe von Maßnahmen gegen Nvidia ergriffen, darunter eine Anweisung an chinesische Unternehmen, bestimmte von Nvidia gelieferte Komponenten nicht zu kaufen.

Von der US-Dominanz im Bereich der Halbleiter wollen sich auch andere Länder lösen. Japan, Südkorea und die Europäische Union investieren Milliarden, um ihre eigenen Chip-Industrien zu stärken und die Abhängigkeit von wenigen Anlagen in Ostasien zu verringern.

Japan und Südkorea arbeiten an Plänen zur Förderung ihrer Halbleiterbranche, während die EU einen 46-Milliarden-Dollar-Plan zur Erweiterung der lokalen Produktionskapazitäten aufgestellt hat.

Risiken und Unsicherheiten für Huawei

Trotz der ehrgeizigen Pläne und innovativen Ansätze bleiben Zweifel an Huaweis Fähigkeit, Nvidia ernsthaft herauszufordern. Die technologischen Hürden sind hoch, und es ist unklar, ob die angekündigten Produktionssteigerungen nachhaltig sind.

Die tatsächliche Produktionsausbeute der Huawei-Chips und deren langfristige Skalierbarkeit sind noch ungewiss. Auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der geplanten Kapazitätserweiterungen wirft Fragen auf.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Akzeptanz der Ascend-Chips bei Großkunden wie Alibaba und Tencent im Vergleich zu Nvidias Angeboten. Bislang haben die wichtigsten Kunden von Huawei die besten Halbleiter des Unternehmens größtenteils nur für Inferenzzwecke oder zum Ausführen von KI-Modellen nach deren Training verwendet. Ob sie bereit sind, vollständig auf Huaweis Lösungen umzusteigen, bleibt abzuwarten.

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