Trotz Waffenruhe: Gewalt und Elend in Gaza

2 months ago 11
Eine Kind in Gaza in einem Auto

Stand: 20.06.2026 • 02:46 Uhr

Während die Welt auf das Abkommen zwischen Iran und den USA schaut, schafft Israel in Gaza Fakten. Die Bewegungsfreiheit der Menschen wird weiter eingeschränkt, fast täglich gibt es Angriffe. Viele Gazaner fühlen sich vergessen.

Ein verbranntes Auto, das Dach fehlt, Rauch steigt auf. In Gaza-Stadt auf einer Straße umgeben von Trümmern hat eine israelische Drohne das Auto getroffen. Rettungskräfte bergen Verletzte und drei Tote. Es habe sich um einen gezielten Angriff auf Terroristen gehandelt, so das israelische Militär.

Alltag in Gaza, trotz Waffenruhe. Seit etwa acht Monaten ist sie in Kraft, doch ruhig ist es nicht. Amer Al-Farra hat während der Waffenruhe einen Verwandten bei einem israelischem Luftangriff verloren: "Wir haben rund um die Uhr Angst. Diese Waffenruhe ist eine Lüge, die sie den Bewohnern des Gazastreifens erzählt haben." Seit Beginn seien sind mehr als 1.000 Menschen gestorben. "Warum?“, fragt er.

Friedensverhandlungen kommen nicht voran

Diese Zahl nennt das von der Hamas geführte Gesundheitsministerium. Noch immer hat die Terrororganisation ihre Waffen nicht abgegeben, die Forderung bei den laufenden Gesprächen über Mediatoren in Ägypten abgelehnt.

Die Friedensverhandlungen kommen nicht voran, auch wenn Treffen angekündigt werden. Die humanitäre Lage in Gaza ist nach wie vor katastrophal sagt Shai Gruenberg von der Menschenrechtsorganisation Gisha in Tel Aviv. Die Waffenruhe existiere nur auf dem Papier.

"Es sterben weiter Menschen, Familien leben als Flüchtlinge in Zelten und Ruinen. Hilfslieferungen sind eingeschränkt, der Wiederaufbau ist blockiert. Die Bewegungsfreiheit der Menschen in Gaza ist durch die sogenannte Gelbe Linie, deren Verlauf unklar ist, stark eingeschränkt. Sie ist extrem gefährlich und wird weiter verschoben, wodurch die Bevölkerung in ein Gebiet gedrängt wird, das weiter schrumpft", beklagt Gruenberg.

Israel kontrolliert mehr als die Hälfte des Gazastreifens

Die Mehrheit der Bevölkerung in Gaza sei auf weniger als die Hälfte des verbleibenden Gebietes konzentriert. Israel kontrolliere 64 Prozent des Küstenstreifens, fügt Gruenberg hinzu. Immer wieder wachen Menschen in Zelten auf und stellen fest, dass sie auf der anderen Seite der Gelben Linie sind, erzählt Gruenberg.

Diese Erfahrung machte auch Mahmoud Shabat in Gaza-Stadt. Der 42-Jährige lädt einige Habseligkeiten wie Matratzen auf einen Karren. Sie seien nachts umzingelt worden. Die Israelis hätten sie belagert, sagt Shabat. "Hätten wir eine Unterkunft, würden wir weggehen. Sie haben sogar über unsere Köpfe geschossen. Wir saßen nur da und beteten. Gott rette uns. Wir waren nur 50 Meter von den Panzern entfernt."

Menschen leiden unter der Hitze

Immer wieder sterben Menschen in der Nähe der gelben Betonklötze, die als Markierungen für die Linie dienen, hinter der die israelische Armee seit Beginn der Waffenruhe die Stellung hält. Nachts sei es stockdunkel, man könne keinen Meter weit sehen, sagt Jehan Salim.

Von Jordanien aus organisiert die Helferin im Auftrag des Norwegischen Flüchtlingsrates Zelte für die Menschen in Gaza. Aktuell mache den Geflüchteten in ihren Zelten eine Hitzewelle zu schaffen.

"In den Zelten staut sich die Hitze. Das Polyester-Material ist nur für Notunterkünfte gedacht. Die Haltbarkeit beträgt maximal sechs Monate. Es sind jetzt schon drei Jahre. Wir schätzen, dass etwa eine Millionen Menschen in Gaza eine Unterkunft braucht. Zelte sind keine Lösung. Hitze und Überflutungen zerstören die Zelte und sie müssen ersetzt werden", so Salim.

Immer mehr Menschen auf engem Raum

Immer wieder würden auch Menschen unter beschädigten Gebäuden begraben, in denen sie Zuflucht suchen, weil sie keine Unterkunft haben, warnt die Helferin. Selbst wenn Familien ein Zelt haben, mangele es oft an einem Platz, es aufzustellen.

Salim bestätigt, dass sich durch die Gelbe Linie immer mehr Menschen auf engem Raum drängen. Der Flüchtling Mourad Abu Zommar, der aus Rafah stammt, erzählt, dass Menschen von Ratten angefressen werden. Gerade habe er vom Rahmenabkommen der USA mit dem Iran gehört, sagt er. Doch "wo kommen wir in diesem Deal vor?"

Die Kinder lebten in Zelten, würden von Fliegen und Ratten zerfressen. "Warum kommen andere arabische Länder wie Iran vor, der uns das alles eingebrockt hat. Die Hisbollah, die mitschuldig ist am Krieg. Wir hören, es soll Ruhe an allen Fronten sein. Was ist mit uns? Wir sind am längsten im Krieg. Warum kommen wir im Deal nicht vor?"

Auch Israels Premier Benjamin Netanjahu erklärte kürzlich, Israel kontrolliere mehr als 60 Prozent des Küstenstreifens. Er habe die Armee angewiesen, das besetzte Gebiet auf 70 Prozent auszuweiten.

Read Entire Article