11. Dezember 2025
Ein Server mit H200-Chips von Nvidia
(Bild: Andrew Sozinov/Shutterstock.com)
Peking plant Einschränkungen für Nvidias H200-Chips trotz US-Exportgenehmigung. China will den Zugang streng regulieren, um Eigenentwicklungen zu fördern.
Die chinesische Regierung plant, den Zugang zu Nvidias fortschrittlichen H200-Chips zu beschränken, obwohl US-Präsident Donald Trump den Export der Technologie nach China genehmigt hat. Dies berichtet die Financial Times unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Demnach diskutieren Regulierungsbehörden in Peking Wege, um nur einen begrenzten Zugang zu den H200-Chips zu ermöglichen, die als Nvidias zweitbeste Generation von Chips für künstliche Intelligenz gelten.
Käufer müssten voraussichtlich einen Genehmigungsprozess durchlaufen, bei dem sie Anträge zum Erwerb der Chips einreichen und begründen müssten, warum inländische Anbieter ihre Anforderungen nicht erfüllen können. Eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht getroffen worden, so die Personen.
Trumps Ankündigung und Pekings Reaktion
Trump hatte am Montag auf seiner Plattform Truth Social mitgeteilt, er habe dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping gesagt, dass die USA Nvidia erlauben würden, "seine H200-Produkte an genehmigte Kunden in China zu liefern [...] unter Bedingungen, die eine weiterhin starke nationale Sicherheit ermöglichen". Xi habe "positiv" reagiert, schrieb Trump.
Der US-Präsident fügte hinzu, dass "25 Prozent an die Vereinigten Staaten von Amerika gezahlt" würden. Wie ein solcher Mechanismus funktionieren würde, blieb unklar. Eine frühere Vereinbarung, die Nvidia erlauben sollte, seinen weniger fortschrittlichen H20-Chip zu verkaufen, wenn das Unternehmen 15 Prozent der Einnahmen an die Regierung abgeben würde, ist nicht zustande gekommen, weil das Unternehmen und die Trump-Regierung keinen rechtlich tragfähigen Zahlungsmechanismus entwickeln konnten.
Lieferungen von Nvidias H200 und anderen fortschrittlichen Chips, die für die Entwicklung von KI entscheidend sind, waren unter der Biden-Regierung nach China verboten worden. Die Begründung: Befürchtungen, sie könnten in militärischen Anwendungen eingesetzt werden.
Chinas Streben nach Eigenständigkeit
Die beiden für Pekings jahrelange Kampagne zur Halbleiter-Unabhängigkeit zuständigen Regulierungsbehörden – die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission sowie das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie – könnten weitere Maßnahmen ergreifen, um die Wettbewerbsfähigkeit inländischer Chips zu gewährleisten, sagten die Quellen gegenüber der Financial Times. Dazu gehöre ein mögliches Verbot für Chinas öffentlichen Sektor, den H200 zu kaufen.
China hat das Verbot genutzt, um inländische Chiphersteller zu motivieren, konkurrenzfähige Alternativen zu Nvidia-Chips zu entwickeln. Zu den Maßnahmen gehören verstärkte Zollkontrollen bei Chip-Importen und Energiesubventionen für Rechenzentren, die inländische Chips verwenden, wie die Financial Times berichtet.
Die Rückkehr von Nvidias fortschrittlichen Chips würde von Technologiegiganten wie Alibaba, ByteDance und Tencent begrüßt, berichtet die Zeitung. Diese Unternehmen hätten zwar begonnen, mehr chinesische Chips für grundlegende KI-Funktionen zu verwenden, bevorzugten aber weiterhin Nvidias Produkte wegen deren höherer Leistung und einfacherer Wartung. Viele von ihnen würden ihre KI-Modelle im Ausland trainieren, um Zugang zu den in China verbotenen Nvidia-Chips zu erhalten.
Moore Threads als chinesische Alternative
Unterdessen bereitet sich neben Platzhirsch Huawei auch der chinesische KI-Chip-Designer Moore Threads Technology darauf vor, seine neueste Grafikprozessor-Architektur vorzustellen. Der Gründer und Geschäftsführer Zhang Jianzhong werde während der ersten Musa Developer Conference am 19. und 20. Dezember in Peking die fünfte Generation der GPU-Architektur des in Peking ansässigen Unternehmens präsentieren.
Musa steht für Meta-computing Unified System Architecture – eine in China entwickelte Alternative zu Nvidias weit verbreitetem Cuda-System, das 2007 veröffentlicht wurde. Diese Plattformen bieten die Software-Ebene, die es Entwicklern ermöglicht, die Leistung von Grafikprozessoren für Anwendungen zu nutzen.
In seiner Grundsatzrede werde Zhang auch die Musa-Strategie von Moore Threads vorstellen, mit Schwerpunkt auf umfassenden Entwicklungsmöglichkeiten für Unternehmenskunden, so das Unternehmen. Die Veranstaltung unterstreiche die Bemühungen von Moore Threads, seine Hardware- und Software-Fähigkeiten auszubauen und seine Entwickler-Community zu vergrößern, inmitten verstärkten Wettbewerbs mit anderen chinesischen GPU-Designern und Nvidias erneutem Vorstoß auf den chinesischen Festlandmarkt.
Mit einer Einschränkung des Einsatzes von Nvidia-Chips verspricht sich Peking auf lange Sicht besser dazustehen, indem der Anreiz für Eigenentwicklungen hoch gehalten wird. Damit würde auch ein möglicher Kurswechsel Trumps als Druckmittel weniger stark ins Gewicht fallen. Nvidia-Chips sollen nur eine Zwischenlösung für die kommenden Jahre sein, bis die heimische Industrie nachgezogen hat.
Nvidia-CEO Jason Huang warnte bereits vor der wachsenden Konkurrenz aus der Volksrepublik. "Die chinesischen Konkurrenten haben sich weiterentwickelt", sagte Huang in einem Interview im Mai. Der Abstand zwischen chinesischen und US-Chips werde immer kleiner, so Huang.



