The Blood of Dawnwalker: Vampirabenteuer im Test

1 month ago 22

 Vampirabenteuer im Test
The Blood of Dawnwalker hat vor kurzem einen ziemlich erfolgreichen Start hingelegt. Das Spiel stammt von Rebel Wolves, einem Studio, zu dem ehemalige CD-Projekt-Red-Entwickler gehören. Dass dort Leute mit Erfahrung aus The Witcher 3 sitzen, merkt man quasi direkt, nachdem man das Rollenspiel gestartet hat. Düstere Dörfer, schwierige Entscheidungen und Menschen, die oft mindestens genauso unangenehm sind wie die eigentlichen Monster. Ich habe mir das Ganze nun eine Weile auf der PlayStation 5 Pro angeschaut und mir einen Eindruck verschafft. Die Verwandtschaft zu Geralt ist offensichtlich (bspw. Musik/Gesänge beim Questabschluss), doch gerade beim Umgang mit Zeit und den Vampirfähigkeiten bringt das Spiel eigene Ideen mit.

Doch worum geht es denn überhaupt? Ihr übernehmt Coen, der im Tal Vale Sangora unter die Räder einer neuen Herrschaft gerät. Vampire haben dort das Kommando übernommen. Die alten Machthaber waren allerdings auch keine Wohltäter, was die Angelegenheit etwas komplizierter macht. Brencis und sein Gefolge versprechen eine andere Ordnung, verlangen dafür aber Blut. Coens Familie gerät in Gefahr und er selbst wird zum Dawnwalker. Zu was? Tagsüber Mensch, nachts Vampir. Nach dem Prolog, der euch in die Geschichte einweiht, bleiben euch 30 Tage, um eure Familie zu retten.

 Vampirabenteuer im Test

Was zunächst nach der üblichen Rettungsaktion klingt, lebt vor allem von den Figuren. Die haben eigene Interessen und sind nicht einfach nur Auftraggeber mit einem Ausrufezeichen über dem Kopf. Auch auf der vermeintlich richtigen Seite findet ihr genügend Leute, deren Methoden man nicht unbedingt unterstützen möchte. Das gefällt mir. Dawnwalker macht es einem selten so einfach, eine Entscheidung als eindeutig gut abzuhaken. Gelegentlich trägt das Spiel bei seinem Elend allerdings auch etwas dick auf. Eine besonders fröhliche Reise sollte hier niemand erwarten.

Nicht jede Aufgabe muss erledigt werden

Die 30 Tage sind der interessanteste Teil des Spiels. Keine Sorge, da läuft nicht permanent eine Uhr herunter, während ihr euch in Ruhe umschaut. Zeit wird bei bestimmten Aktionen verbraucht, etwa beim Erledigen von Aufgaben oder beim Lernen neuer Fähigkeiten. Frei durch die Gegend laufen und erkunden könnt ihr dagegen ohne diesen Druck.

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Das klingt nach einem kleinen Unterschied, verändert aber den Umgang mit der offenen Welt. Normalerweise sammelt man in solchen Spielen erst einmal sämtliche Nebenquests ein und arbeitet sie irgendwann ab. Hier überlegt ihr, ob eine Aufgabe den Aufwand wert ist. Helfe ich jemandem, verbessere ich meine Fähigkeiten oder kümmere ich mich um Unterstützung für den Kampf gegen Brencis? Alles hat seinen Nutzen, aber eben auch einen Zeitaufwand.

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Mir gefällt dieser Ansatz, weil Nebenaufgaben dadurch mehr Gewicht bekommen. Man entscheidet nicht nur, wie man etwas erledigt, sondern auch, was liegen bleibt. Wer grundsätzlich jede Karte komplett leerräumen möchte, muss sich darauf einlassen. Ganz gleichmäßig funktioniert der Druck allerdings nicht. Sobald sich brauchbare Wege zum Finale öffnen, verliert die Frist etwas von ihrem Schrecken. Die Idee ist stärker als ihre Balance, macht das Abenteuer aber trotzdem persönlicher als die nächste endlose Aufgabenliste. Wer sich von der Zeit zu sehr unter Druck gesetzt fühlt und sich nur auf die Hauptquest konzentriert, wird jedoch merken, dass diese zum Teil bockschwer sein kann, wenn man das erforderliche Level noch nicht hat. Ein bisschen Grind muss also sein.

Zwei Seiten von Coen

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Der Wechsel zwischen Tag und Nacht ist ebenfalls mehr als eine andere Beleuchtung. Tagsüber nutzt Coen Waffen und Magie. Nachts kommen Klauen und Vampirfähigkeiten zum Einsatz. Dann könnt ihr beispielsweise Wände hinauflaufen oder schnell als Schatten von Dach zu Dach springen. Das verändert nicht nur Kämpfe, sondern auch die Wege durch die Spielwelt. Stellen, die tagsüber unerreichbar wirken, werden nachts plötzlich interessant.

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Praktisch ist, dass ihr Ausrüstung für beide Formen getrennt zusammenstellen könnt und das Spiel beim Wechsel automatisch umschaltet. Man muss also nicht ständig im Inventar herumräumen. Auch bei Gesprächen und Aufgaben macht die Tageszeit einen Unterschied. Nicht jeder reagiert auf einen Vampir besonders entspannt. Verständlich irgendwie.

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Hinzu kommt der Blutdurst. Wer den vernachlässigt, riskiert, in einem Gespräch die Kontrolle zu verlieren und sein Gegenüber anzugreifen. Eine interessante Konsequenz, gerade wenn wichtige Figuren betroffen sein können. Allerdings stehen genügend Möglichkeiten zur Blutversorgung bereit. Da kann man seine Zähne auch schon mal in eine Ratte oder ein Reh schlagen. Das System klingt deshalb bedrohlicher, als es über längere Strecken tatsächlich ist. Die beiden Formen sorgen meiner Meinung nach dennoch für ordentlich Abwechslung.

Die Kämpfe brauchen Geduld

Beim Kampfsystem bin ich etwas zwiegespalten. Angriffe lassen sich gezielt aus der passenden Richtung parieren, was anfangs Eingewöhnung verlangt. Einfach draufhauen und gelegentlich die Blocktaste drücken reicht nicht immer. Ihr müsst Bewegungen lesen, eure Ausdauer beachten und passende Gelegenheiten zum Kontern nutzen. Sitzt das Timing, fühlen sich die Duelle durchaus gut an.
Leider hält das nicht jeder Kampf durch. Manche Gegner wiederholen ihre Angriffsmuster recht fleißig und die Begegnungen mit gewöhnlichem Getier werden irgendwann etwas viel. Der nächste Wolf oder Keiler macht das Abenteuer dann auch nicht spannender. Dazu kommen eine gelegentlich ungünstige Kamera und eine Zielerfassung, die nicht immer den Gegner auswählt, den man gerade haben möchte. Das nervt vor allem dann, wenn mehrere Feinde mitmischen. Da hat man auch mal plötzlich den entferntesten Gegner im Target und schlägt volle Kanne neben den eigentlichen Feind.

 Vampirabenteuer im Test

Die Vampirfähigkeiten lockern das Ganze auf und machen die Auseinandersetzungen beweglicher. Für mich sind die Kämpfe trotzdem nicht der Hauptgrund, dranzubleiben. Das übernehmen die Geschichte, die Figuren und die Frage, welche Folgen die eigenen Entscheidungen noch haben werden.

 Vampirabenteuer im Test

Kommen wir zur Präsentation auf der PS5. Vale Sangora überzeugt vor allem durch seine Atmosphäre. Wälder, Dörfer und Ruinen passen gut zu dieser unangenehmen Welt. Technisch ist das Paket allerdings nicht durchgehend sauber. Gelegentliche Bildratenschwankungen, unscharfe Texturen und kleinere Darstellungsfehler fallen auf. Gerade in Gesprächen stören verwaschene Details an Kleidung oder Gesichtern. Die Gestaltung macht viel davon wett, ganz übersehen kann man die Macken aber nicht. Erwähnt sei noch, dass ihr in drei unterschiedlichen Modi auf der PS5 spielen könnt: Leistung, Ausbalanciert oder Qualität. Ich bin auf der PS5 Pro bei der Qualitätsstufe geblieben.

The Blood of Dawnwalker – Mein Fazit

The Blood of Dawnwalker hat mir insgesamt gut gefallen. Nicht, weil hier jedes System perfekt ineinandergreift, sondern weil die Geschichte und die Entscheidungen genug Gewicht haben, um mich trotz der Schwächen mitzunehmen. Besonders die begrenzte Zeit tut dem Spiel gut. Man kann eben nicht überall helfen und gleichzeitig jede Fähigkeit mitnehmen. Das ist ungewohnt, aber auch eine willkommene Abwechslung. Es hilft dem Spieler auch. Ich wollte bei Witcher bspw. die Karte vollständig sauber machen. Dem beugt man hier vor und erhält somit die Motivation auf die Verfolgung der Story.

Wer düstere Rollenspiele mit starken Figuren mag und sich bei den Kämpfen etwas Eingewöhnung zugesteht, bekommt hier ein interessantes Abenteuer. Erwartet nur weder ein völlig neues The Witcher noch ein technisch makelloses Actionspiel. Wer vor allem wegen schneller, abwechslungsreicher Kämpfe spielt, dürfte weniger Freude daran haben. Für mich überwiegen die Stärken, auch wenn Rebel Wolves bei Kamera, Gegnerwiederholungen und technischer Sauberkeit noch nachlegen darf. Blood of the Dawnwalker hat mich außerdem mal wieder dran erinnert, dass ich Spiele wie "Vampire: The Masquerade - Redemption" sehr vermisse. Aber etwas von dem Flair findet man hier wieder.

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