
Machen wir uns nichts vor: Wer seit 2020 auf einen echten Nachfolger der AirPods Max gewartet hat, brauchte einen langen Atem. Das kleine „Update“ im Herbst 2024, bei dem Apple lediglich den Lightning-Port durch USB-C ersetzte und neue Farben anmischte, intern aber den H1-Chip beließ, stieß einigen vielleicht sauer auf. Etwas Abhilfe dürfte da aber auf jeden Fall das große 2025er-Update gebracht haben, welches viele gar nicht mehr auf dem Schirm haben, wenn sie über die AirPods Max mit USB-C sprechen. Ich hatte das damals zum Anlass genommen, die AirPods Max 2024 einem Hörtest zu unterziehen.
Doch nun sind sie da: die echten AirPods Max 2. Ich habe mir das neue Over-Ear-Flaggschiff geschnappt und in den letzten Tagen viele, viele Stunden Musik gehört – wobei das ja bei mir nichts Neues ist. Die Kurzfassung vorab: Unter der Haube tut sich mächtig was, aber äußerlich beweist Apple eine fast schon bewundernswerte Gelassenheit.
Die AirPods Max 2 sehen exakt so aus wie das 2024er USB-C-Modell. Wer auf ein faltbares Design für den Rucksack gehofft hat, schaut in die Röhre. Dennoch sind sie im Profil recht schmal und verschwinden bei mir immer hochkant an der Rückentasche des Rucksacks. Ist weniger dick als viele faltbare.

Das Kampfgewicht von stolzen 385 Gramm bleibt unverändert. Damit sind sie weiterhin wohl die schwersten Premium-Over-Ears auf dem Markt für Konsumenten. Wer das Vorgängermodell schon als zu drückend empfand, wird hier vermutlich nicht glücklicher, wobei ich der subjektiven Meinung bin, dass die neuen noch einen Ticken bequemer sitzen. Da hab ich Glück, mich hat das trotz Glatze und Brille nie gestört – und ich trage die Dinger stundenlang. Da klappt mir also nicht der Kopf nach hinten aufgrund des Mehrgewichts…
Das Kopfband (Canopy) ist zwar sehr bequem, neigt aber erfahrungsgemäß nach einiger Zeit zum Ausleiern (zumindest bei den AirPods Max der ersten Generation habe ich da einen Schutz nachgekauft, kostet nur wenige Euro). Vorsicht ist zudem bei schlechtem Wetter geboten: Offiziell wasser- oder schweißfest sind sie immer noch nicht – die Schutzmuscheln könnt ihr aber weiterhin leicht abnehmen und reinigen.

Und ja, auch beim Zubehör bleibt Apple sich treu. Das berühmt-berüchtigte „Smart Case“ ist weiterhin an Bord. Es schützt das Netzgewebe des Kopfbügels nicht und zwingt uns weiterhin dazu, die Kopfhörer dort hineinzustecken, um sie in den Deep-Sleep-Modus zu versetzen. Ein simpler Power-Button? Weiterhin Fehlanzeige. Vermutlich sind das aber keine Probleme für die, die sich in der Vergangenheit bewusst für die AirPods Max entschieden haben. Selbst ich kann gut damit leben, auch bei der ersten Generation, die ich seit 2020 zufrieden (!) im Einsatz habe.
Wenn man das alte Design akzeptiert hat, wird es im Inneren richtig spannend (denn hier spielt die Musik (Wortspiel beabsichtigt)). Apple hat den H2-Chip verbaut und bringt die Over-Ears damit softwareseitig auf das Level der AirPods Pro 2. Und das merkt man im Alltag massiv.
Das Highlight für Menschen, die die Hörer nicht abnehmen, ist die Konversationserkennung (Conversation Awareness). Wer irgendwo angesprochen wird, muss die Kopfhörer nicht mehr abnehmen oder Tasten drücken. Sobald man anfängt zu sprechen, wird die Musik automatisch leise, das ANC deaktiviert sich und die Stimmen der Umgebung werden durch die Mikrofone verstärkt. Hört man auf zu reden, regelt sich die Musik wieder hoch. Das hat in meinem Testlauf erstaunlich gut funktioniert, wobei ich das schon erwartbar fand – ich kenne es ja aus den AirPods Pro (ab v2).
Dazu gesellen sich die euch vielleicht bekannten smarten Kopf-Gesten: Wer in der Bahn nicht laut rufen will, um einen Anruf anzunehmen, nickt einfach mit dem Kopf. Kopfschütteln lehnt den Anruf ab. Für Gamer und Video-Cutter wichtig: Dank Bluetooth 5.3 ist die Latenz (insbesondere im Game Mode) laut Apple deutlich gesunken.
Klanglich gehörten die AirPods Max für mich schon immer zur Oberklasse, aber die zweite Generation legt noch eine kleine Schippe drauf. Wobei ich schon einmal schrieb: Wer da jetzt absolut riesige Sprünge, total Neues und derbe Verbesserungen beschreibt, der sagt da nicht ganz die Wahrheit.

Apple verbaut laut eigenen Aussagen einen neuen High-Dynamic-Range-Verstärker. Das Ergebnis? Das Soundprofil wirkt gesamtbetrachtet aufgeräumter. Mitten und Höhen klingen weiterhin natürlich und der Bass ist druckvoll, ohne den Rest der Frequenzen zu vermatschen. Wer Apple Music nutzt, bekommt ein fantastisches Dolby-Atmos-Erlebnis geliefert. Und: Wenn man gerne laut hört, wird man einen Ticken weniger Verzerrungen wahrnehmen – höre ich ganz gut bei meinen Gabber- und Frenchcore-Sessions, oder wenn mal ordentlich Geschrammel anliegt. Aber wie gesagt: Da muss man schon genau hinhören, macht alles in allem aber sehr viel Spaß, wenn man was mit Musik anfangen kann.
Für Audiophile: Wer die Max 2 per USB-C-zu-USB-C-Kabel direkt an den Mac, das iPhone oder das iPad klemmt, bekommt nativ 24-bit/48kHz Lossless Audio. Der kabelgebundene Klang ist schlichtweg phänomenal und holt noch mal (kleine) Details aus den Tracks. Über Bluetooth gibt es aber weiterhin kein verlustfreies Audio.
Wichtig für Kabelnutzer: Wenn sie Lossless aktiviert haben und einen entsprechenden Titel abspielen, wird das angezeigt. Um zu sehen, ob eine kabelgebundene Verbindung für die Wiedergabe verwendet wird, tippt im Kontrollzentrum auf das Kopfhörer-Symbol, und es wird angezeigt, ob USB-C für Audio verwendet wird (was automatisch geschehen sollte, wenn Nutzer die AirPods Max 2 über ein USB-C-Kabel anschließen).
Das ANC (Active Noise Cancelling) hat laut Apple einen 1,5-fachen Boost bekommen. Im Realtest zeigt sich das vor allem bei tiefen und konstantem Störgedöns. Hier herrscht mit aufgesetzten Max 2 absolute Totenstille. Die machen selbst in normalen Wohnhäusern Spaß, denn da bekommste einfach mal nichts mit, eine nette Sache, wenn man das mag. Gepaart mit dem „Adaptiven Audio“ (einer Mischung aus ANC und Transparenzmodus je nach Umgebungslautstärke) kommt man entspannt durch den Alltag. Nutze ich aber nie.
Eine der unauffälligen Verbesserungen betrifft die Mikrofone. Obwohl diese an derselben physischen Stelle sitzen, holt der H2-Chip über die verbesserte Stimmenisolation gefühlt noch was raus. Die Sprachqualität bei Telefonaten oder Videocalls ist einfach besser.
Und lass uns kurz noch einmal auf das Live-Übersetzen eingehen. Das machen andere ja mittlerweile auch. Aber das ist herrlich. Wie geht das überhaupt? Wenn dein Gesprächspartner spricht: Taste für den Hörmodus antippen, das Mikrofon schnappt die Fremdsprache auf.

Deine AirPods regeln automatisch die Umgebungsgeräusche herunter, und du hörst die übersetzte Sprache fast in Echtzeit direkt in deinem Ohr, ohne dass dir eine App das erst mühsam vorlesen muss. Die Sprachen könnt ihr auswählen, das Ganze funktioniert lokal und ohne Internetanbindung. Logo, ihr habt da ein bisschen Versatz, je nachdem, wie schnell euer Gegenüber spricht. Das Ganze lässt sich auch in der Übersetzen-App nachlesen, da habt ihr ja den Punkt Live.
Bei der Akkulaufzeit bleibt alles beim Alten: bis zu 20 Stunden mit aktiviertem ANC. Das ist okay und bringt einen gut durch Reisen und lange Tage ohne Auflade-Chance, aber verglichen mit Konkurrenten ist das im Jahr 2026 nur noch Mittelmaß. Preislich liegen wir weiterhin bei einer saftigen UVP von rund 549 Euro.

Gefällt mir:
- Herausragender Klang (subjektiv, meine Ohren)
- Top ANC & Transparenzmodus: besser als bei den Vorgängern.
- Smarte Features (H2-Chip): Konversationserkennung, Adaptives Audio und Kopfgesten sind im Alltag ein Mehrwert (wenn man es denn braucht)
- Bessere Mikrofone: Sehr gute Sprachqualität bei Telefonaten.
- Lossless Audio via USB-C: Ein Traum für Hi-Res-Fans.
Ansichtssache:
- Das Smart Case.
- Komfort & Gewicht: Mit 385 Gramm schwer; das Netzgewebe am Bügel leiert vielleicht mit der Zeit aus.
- Kein Power-Button: Zwangs-Schlafengehen im Case.
- Kein faltbares Design: Nimmt euch vielleicht Platz weg.
- Akkulaufzeit: 20 Stunden sind heute der Konkurrenz unterlegen.
- Kein USB-C-Klinke dabei
Das Fazit fällt erstaunlich pragmatisch aus. Ich teile das mal in drei Lager:
- Ihr habt die AirPods Max der 1. Generation (Lightning, 2020)?
Das Upgrade könnte es wert sein. Ihr bekommt endlich USB-C, frische Akkus und all die tollen Software-Features (H2-Chip), die euch seit Jahren verwehrt blieben. Ihr hört nur Musik und seid zufrieden? Ja dann lohnt auch kein Upgrade direkt, wartet vielleicht auf Angebote. - Ihr habt die AirPods Max (USB-C Version von 2024)?
Schwierige Kiste. Wenn euch der reine Klang reicht, behaltet sie. Wenn ihr aber tagtäglich neidisch auf die Konversationserkennung eurer AirPods Pro schielt und das bessere ANC wollt, verkauft die alten und holt euch die Max 2. - Ihr wollt zum ersten Mal AirPods Max kaufen?
Wenn ihr tief im Apple-Ökosystem steckt, keine Probleme mit einem schweren Kopfhörer habt und das nötige Kleingeld locker sitzt, bekommt ihr hier die vermutlich am besten klingenden und smartesten Over-Ears für eure Apple-Geräte. Bei dem Preis ist halt die ganze „Verwobenheit“ mit dem Apple-Kosmos mit drin, die Features verzahnt im System bekommt ihr nur hier.
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2 weeks ago
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