SwitchBot Lock Ultra Vision Pro Combo im Test

4 days ago 12

SwitchBot Lock Ultra Vision Pro Combo im Test

Smarte Türschlösser sind keine neue Idee und bei vielen sicher der Start oder Ausbaustufe Zwei im Smart Home. Meistens bleibt aber ein kleiner Rest Reibung. Das Smartphone muss aus der Tasche, der Finger sauber auf den Sensor oder der Code eingetippt werden. Die SwitchBot Lock Ultra Vision Pro Combo will genau das weitgehend abschaffen. Ein Blick auf das Keypad soll reichen. Wenn die Gesichtserkennung nicht greift, stehen zusätzlich Handvenenerkennung, Fingerabdruck, PIN und NFC bereit. Getestet habe ich die Kombination aus Lock Ultra Max für die Innenseite, Keypad Vision Pro für außen und Matter-fähigem Hub Mini.

SwitchBot verlangt für das Set aktuell 339,99 Euro. Kein Schnäppchen. Ich habe mir vor allem angeschaut, wie zuverlässig die biometrischen Methoden im Alltag funktionieren und ob ich mich wirklich traue, den Schlüssel zu Hause zu lassen.

Lock, Keypad und Hub: Das steckt im Paket

Das Lock Ultra sitzt innen auf dem vorhandenen Schloss und betätigt je nach Tür den eingesteckten Schlüssel oder den Drehknauf. Der Zylinder bleibt erhalten. Soll der Schlüssel außen als Rückfallebene funktionieren, braucht ein Zylinder mit innen steckendem Schlüssel eine Not- und Gefahrenfunktion. Das sollte man vor dem Kauf prüfen, ist bei mir im Haushalt nämlich nicht überall der Fall. Die Nachrüstlösung ist für Mietwohnungen und alle interessant, die ihre Tür nicht dauerhaft umbauen möchten.

SwitchBot Lock Ultra Vision Pro Combo im Test

Mit 122 × 62,6 × 66,8 Millimetern und 367 Gramm ist das Lock nicht unsichtbar, wirkt aber deutlich weniger klobig als manche ältere Nachrüstlösung. Die Metalloberfläche, die sauber sitzende Abdeckung und der magnetische Verschluss machen einen ordentlichen Eindruck. Das Ganze fühlt sich nicht wie ein provisorischer Motor an, den man irgendwie an die Tür geklebt hat.

Außen sitzt das Keypad Vision Pro. Es misst 131 × 65 × 30 Millimeter, wiegt 205 Gramm und ist damit schon ein sichtbares Stück Technik am Türrahmen. Neben den Zahlentasten bringt es einen Fingerabdrucksensor, einen NFC-Leser, die 3D-Gesichtserkennung und als Besonderheit der Pro-Version einen Sensor für Handvenen mit. Der untere Taster kann außerdem als Klingel dienen. Wer möglichst wenig Technik neben der Haustür sehen möchte, wird mit dem recht großen Keypad nicht glücklich. Für die vielen Funktionen geht die Größe meiner Meinung nach aber in Ordnung.

SwitchBot Lock Ultra Vision Pro Combo im Test

Der Hub Mini verbindet das Bluetooth-Schloss mit dem Internet und reicht es per Matter unter anderem an Apple Home oder Home Assistant weiter. Für das lokale Öffnen per Gesicht, Hand, Finger, PIN oder NFC braucht ihr den Hub nicht. Für Fernzugriff, Benachrichtigungen von unterwegs und Matter dagegen schon.

Montage und Einrichtung

SwitchBot wirbt auf der aktuellen Produktseite mit 99 Prozent Kompatibilität. Unterstützt werden unter anderem gängige Europrofile, UK-Ovalzylinder, Schweizer Rundprofile und Night-Latch-Lösungen. Entscheidend bleibt trotzdem der Kompatibilitätscheck für die eigene Tür. Das sollte man vorher prüfen.

Die Montage ist als Nachrüstlösung ohne Bohren vorgesehen. Je nach Tür und Zylinder kommen unterschiedliche Halterungen oder Adapter zum Einsatz. Die App führt mit Bildern und Animationen durch die Schritte. Anschließend ermittelt die automatische Kalibrierung Drehrichtung und Endpunkte. Im Test funktionierte das zuverlässig, ohne dass ich die Endpunkte manuell setzen musste.

SwitchBot Lock Ultra Vision Pro Combo im Test

Zusätzlich kommt ein kleiner Magnet an den Rahmen. Darüber erkennt das System, ob die Tür offen oder geschlossen ist. Das ist wichtig für die automatische Verriegelung und verhindert, dass die Automatik bei offener Tür den Riegel ausfährt.

SwitchBot Lock Ultra Vision Pro Combo im Test

Beim Keypad könnt ihr zwischen Klebestreifen und Schrauben wählen. Die Klebelösung ist schnell und hält auf einer sauberen, glatten Oberfläche zunächst gut. An einer dauerhaft ungeschützten Außenwand würde ich trotzdem eher schrauben. Regen, Hitze und ein rauer Untergrund sind keine idealen Partner für Klebepads. Außerdem sollte man vor dem Anbringen auf die Höhe und den Blickwinkel achten. Die Gesichtserkennung arbeitet laut SwitchBot am besten aus etwa 0,6 bis 0,9 Metern Entfernung. Sitzt das Keypad zu niedrig oder zu weit seitlich, muss man sich später jedes Mal passend davorstellen. Das nervt schneller, als man denkt.

Gesichter, Finger und Handvenen werden über die SwitchBot-App angelernt. Beim Gesicht dreht man den Kopf nach den Anweisungen langsam in verschiedene Richtungen. Für die Hand hält man die Innenfläche in etwa 8 bis 25 Zentimetern Abstand vor den Sensor. Das Anlernen folgt den Anweisungen in der App und ist in wenigen Schritten erledigt.

Gesicht, Handvene oder Finger: Was funktioniert am besten?

Welche Entsperrmethoden das Schloss unterstützt?

Die Gesichtserkennung war im Alltag die bequemste Methode. Man geht auf die Tür zu, schaut in Richtung Keypad und das Schloss öffnet. Gerade mit Einkaufstaschen in beiden Händen ist das der Komfortgewinn, den SwitchBot verspricht. Die 3D-Erkennung funktioniert auch im Dunkeln. SwitchBot wirbt damit, Fotos und Videos über die Tiefenerfassung auszusortieren. Einen systematischen Angriffstest habe ich nicht durchgeführt.

SwitchBot Lock Ultra Vision Pro Combo im Test

Ganz so unmittelbar wie Face ID am Smartphone fühlt sich der Ablauf dennoch nicht immer an. Das Keypad muss einen sehen, das Gesicht prüfen und anschließend den Motor im Schloss anstoßen. Bei ungünstigem Winkel musste ich mich gelegentlich neu positionieren. Wer die Gesichtserkennung zum Stromsparen nur nach Tastendruck aktiviert, wartet ebenfalls etwas länger. Mit der passenden Montagehöhe und dauerhaft aktiver Erkennung funktioniert das Ganze deutlich flüssiger, kostet aber mehr Akku. Hier müsst ihr euch zwischen maximalem Komfort und maximaler Laufzeit entscheiden.

Der Fingerabdrucksensor ist im direkten Vergleich meist am schnellsten. Finger auflegen, kurze Bestätigung, Schloss dreht. Bei trockenen und sauberen Fingern war das die zuverlässigste Methode. Nässe und Schmutz sind wie bei anderen Fingerabdrucksensoren weniger ideal.

SwitchBot Lock Ultra Vision Pro Combo im Test

Genau an diesem Punkt wird die Handvenenerkennung interessant. Sie liest nicht die Hautoberfläche, sondern das Venenmuster in der Hand per Infrarot. Dadurch funktionierte sie auch dann zuverlässig, wenn die Finger nass oder schmutzig waren. Die Hand muss dafür mit etwas Abstand und halbwegs ruhig vor den Sensor. Das ist nicht ganz so beiläufig wie ein Blick, erwies sich in meinem Test aber als sehr robuste Alternative.

Ob allein die Handvenenerkennung den Aufpreis zur normalen Vision-Variante rechtfertigt, hängt von eurem Alltag ab. Interessant ist sie vor allem dann, wenn nasse oder schmutzige Finger den Fingerabdrucksensor ausbremsen. Handschuhe müssen dafür allerdings ausgezogen werden, denn der Sensor braucht freie Sicht auf die Handfläche. Wer ohnehin fast immer Gesicht oder Finger nutzt, ist mit dem normalen Keypad Vision vermutlich ausreichend versorgt.

PIN und NFC bleiben als bodenständige Alternativen an Bord. In der App lassen sich dauerhafte, zeitlich begrenzte und einmalige Codes anlegen. Das ist praktisch für Familie, Reinigungskraft, Handwerker oder Feriengäste. Beim PIN-Code können zusätzliche Ziffern vor und nach dem eigentlichen Code eingegeben werden, damit Beobachter nicht so leicht erkennen, welche Kombination wirklich zählt. Außerdem gibt es App-Steuerung, Apple Watch, Sprachassistenten und natürlich den klassischen Schlüssel als letzte Rückfallebene. Wie viele Entsperrmethoden das am Ende genau sind, hängt davon ab, wie großzügig man Widgets, Fernbedienungen und unterschiedliche Codearten einzeln zählt. Es gibt jedenfalls mehr als genug davon. Apple Home Key hätte mich interessiert, aber das fehlt leider.

Motor, Automatik und Alltag

Der Motor des Lock Ultra arbeitet schnell und vergleichsweise leise. Unhörbar ist er nicht, aber das Geräusch blieb bei mir unauffällig. Für die Nacht gibt es einen langsameren Leisemodus; SwitchBot nennt als niedrigsten Wert rund 20 dB. Das ist ein sinnvoller Tausch, wenn nachts niemand vom Türmotor geweckt werden soll. Normalerweise würde ich die Lautstärke auf einer Ebene mit dem Nuki Ultra sehen.

SwitchBot Lock Ultra Vision Pro Combo im Test

Gut gefallen hat mir die automatische Verriegelung. Sobald der Magnet erkennt, dass die Tür geschlossen ist, kann das Lock nach einer festgelegten Zeit abschließen. Alternativ lässt sich über Geofencing ein automatisches Öffnen beim Heimkommen einrichten. Solche Funktionen würde ich anfangs trotzdem beobachten, statt mich am ersten Tag blind darauf zu verlassen. Bei mir lief die Automatik stabil, aber Standortfreigaben und Energiesparregeln des Smartphones spielen dabei ebenfalls mit. Im Alltag nutze ich diese Automatiken nicht, da bin ich einfach zu paranoid für 😀

Die App zeigt den Zustand der Tür, den Akkustand und ein Ereignisprotokoll. Man sieht also, wann ver- oder entriegelt wurde und welche Methode beziehungsweise welcher Nutzer zum Einsatz kam. Dazu kommen Warnungen bei zu lange offener Tür, Manipulationsversuchen und mehreren falschen Eingaben. Die Möglichkeiten sind umfangreich, ohne dass man für die tägliche Nutzung ständig in der App herumtippen muss. Genau so sollte es sein.

Einen SwitchBot-Account braucht ihr für die Einrichtung trotzdem. Wer ein vollständig lokales Smart Home ohne Herstellerkonto möchte, wird sich daran stören. Nach Herstellerangaben bleiben die biometrischen Vorlagen lokal auf dem Keypad und die Kommunikation ist mit AES-128 verschlüsselt. Für die Gesichtserkennung nennt SwitchBot eine Falscherkennungsrate von unter 0,0001 Prozent. Das ist eine Herstellerangabe, die ich im Alltag natürlich nicht belastbar gegenprüfen konnte.

Akku und Notfallversorgung

Beim Lock Ultra Max setzt SwitchBot auf ein dreistufiges Stromsystem. Der wiederaufladbare Hauptakku besitzt 4.200 mAh und soll bei zehn Ver- und Entriegelungen pro Tag bis zu neun Monate durchhalten. Das ist ein Herstellerwert. Für eine vollständige Überprüfung müsste man den Test entsprechend lange laufen lassen. So weit bin ich aber noch nicht.

Ist der Hauptakku leer oder zum Laden herausgenommen, übernimmt eine CR123A-Backup-Batterie. Sie soll laut Hersteller noch bis zu 500 Entriegelungen ermöglichen. Danach hält das Schloss über ein zusätzliches Notfallsystem noch einige letzte Öffnungen bereit. Dazu kommen frühzeitige Warnungen in der App und am Schloss. Komplett sorgenfrei sollte man Akkumeldungen trotzdem nicht monatelang wegwischen, aber das Stromkonzept ist durchdachter als bei einfachen Lösungen mit nur einer Energiequelle.

Der Hauptakku wird per USB-C geladen, muss dafür aber aus dem Lock genommen werden. Dank der Backup-Batterie bleibt die Tür in dieser Zeit bedienbar. Bequemer wäre Laden direkt am montierten Schloss. Im Keypad Vision Pro steckt ein nicht wechselbarer 5.000-mAh-Akku. SwitchBot nennt bei ungefähr zehn Öffnungen pro Tag rund ein Jahr Laufzeit. Wie nah man daran kommt, hängt stark davon ab, wie häufig die Gesichtserkennung automatisch aufwacht. Häufiges automatisches Aufwecken verkürzt die Laufzeit.

Mein Fazit

Die Lock Ultra Max Vision Pro Combo nimmt dem Aufschließen im Alltag viel Reibung. Gesicht und Fingerabdruck decken die meisten Situationen ab, die Handvenenerkennung ist vor allem bei nassen oder schmutzigen Fingern eine gute Reserve. Dazu kommen eine unkomplizierte Nachrüstmontage und ein durchdachtes Stromkonzept. Der Preis ist jedoch hoch, und ohne SwitchBot-Konto geht es nicht. Matter bildet nur die Grundfunktionen ab, Apple Home Key fehlt. Wer hauptsächlich PIN oder Fingerabdruck nutzt, bekommt günstigere Lösungen und ohne Bedarf an Handvenenerkennung reicht auch das normale Keypad Vision.

Wer dagegen ein Nachrüstschloss mit möglichst vielen lokalen Entsperrmethoden sucht und weder Zylinder noch Tür austauschen möchte, bekommt ein stark ausgestattetes Paket. Den Schlüssel würde ich damit trotzdem nicht aus der Tasche verbannen.

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