Strengere Altersvorgaben für Social Media: Kinderschutzbund übt Kritik

4 months ago 6

Der Sucht- und Drogenbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Hendrik Streeck von der CDU, ist als Mediziner sicherlich nicht gerade ein Experte für Medienpädagogik. In der Corona-Pandemie fiel er zudem stark durch Irrtümer und Widersprüche auf, sodass ich selbst auch im Bereich Medizin erst einmal keine hohe Meinung von ihm habe. Dennoch hat er sich kürzlich öffentlich für strengere Altersbeschränkungen rund um Social Media ausgesprochen. Da gibt es nun Gegenwind – spannenderweise unter anderem vom Kinderschutzbund.

Beispielsweise spricht sich der Vorstand des Vereins Aktiv gegen Mediensucht, Niels Pruin, zwar grundsätzlich für abgestufte Altersfreigaben in sozialen Netzwerken aus, das allein bringe aber nicht viel. Entscheidend sei es, zusätzlich die schulische Medienbildung stark zu verbessern und zu erweitern. So spricht er sich für ein eigenes Schulfach „Medienkompetenz“ aus. Prognose: Darauf wird die Politik keine Lust haben, denn das wäre ein langwieriges und komplexes Verfahren – ein simples Verbot einzuführen, ist etwas, womit man sich leichter und schneller politisch profilieren kann.

Der Vizepräsident des Kinderschutzbundes, Joachim Türk, reagiert noch kritischer. Auch Kinder und Jugendliche hätten am Ende ein Recht auf digitale Teilhabe. Statt mit Verboten zu arbeiten, wäre es sinnvoller, altersgerechte Angebote als Alternativen zu entwickeln. Pauschale Verbote würden nur dazu führen, dass die Jugendlichen ab einem gewissen Alter dann unvorbereitet in die Medienwelt der Erwachsenen treten (via RND).

Auch Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, reagiert ähnlich. Ein Mindestalter klinge auf den ersten Blick sinnvoll, belege Jugendliche aber am Ende ohne Respekt mit neuen Einschränkungen. Zu einem verbesserten Umgang mit sozialen Netzwerken führe das dann nicht. Man könnte meinen, so würde das Problem nur auf einen späteren Zeitpunkt verlagert. Wichtig sei also nicht, den Vorhang zu schließen und die Realität zu verbergen, sondern darauf vorzubereiten, anzuleiten und zu unterstützen – etwa durch verbindliche Medienbildung an Schulen.

Tja, ein kompliziertes Thema, für das es keine Patentlösung gibt. Im Übrigen führen wir dazu ja auch gerade unsere Monatsumfrage durch – stimmt gerne mit ab!

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