08. Dezember 2025 Marcel Kunzmann
Die Preise für Arbeitsspeicher sind rasant gestiegen – und dürften mittelfristig hoch bleiben
(Bild: slexp880/Shutterstock.com)
Die Speicherknappheit trifft jetzt die PC-Branche mit voller Wucht. Dell und Lenovo kündigen drastische Preiserhöhungen an. Wie lange wird der Engpass dauern?
Die anhaltende Speicherknappheit zwingt große PC-Hersteller zu deutlichen Preiserhöhungen. Dell wird nach Informationen von Branchenquellen die Preise bereits Mitte Dezember um mindestens 15 bis 20 Prozent anheben, wie die Marktforschungsfirma Trendforce berichtet. Lenovo kündigte an, dass alle aktuellen Preisangebote zum 1. Januar 2026 ihre Gültigkeit verlieren werden.
Der Grund für die Preissteigerungen liegt in der massiv gestiegenen Nachfrage nach Speicherchips für KI-Server, die zu drastischen Preiserhöhungen bei DRAM-Komponenten geführt hat. Nach einem Bericht der südkoreanischen Wirtschaftszeitung Chosun Biz sind die Preise für DDR5-Speicher im Jahresvergleich um 70 Prozent gestiegen, bei einigen Komponenten sogar um bis zu 170 Prozent.
Hersteller warnen vor weiteren Engpässen
Dell-Geschäftsführer Jeff Clarke erklärte laut Bloomberg Ende November, er habe "noch nie erlebt, dass die Kosten für Speicherchips so schnell steigen". Die Ausgaben würden über alle Produktlinien hinweg klettern.
In einer Mitteilung an Kunden begründete Lenovo die kommenden Preisanpassungen mit zwei Hauptfaktoren: einer sich verschärfenden Speicherknappheit und der rasanten Integration von KI-Technologien. Das Unternehmen empfahl seinen Kunden, Bestellungen so schnell wie möglich aufzugeben, um noch von den aktuellen Preisen zu profitieren und zusätzliche Kosten durch die Preisanpassungen zu vermeiden.
Auch HP-Chef Enrique Lores warnte laut Asia Business Daily vor einer besonders schwierigen Phase in der zweiten Jahreshälfte 2026. Er wies darauf hin, dass Speicherchips etwa 15 bis 18 Prozent der Kosten eines typischen PCs ausmachen.
Auswirkungen auf den Gesamtmarkt
Die steigenden Speicherpreise setzen die gesamte Branche unter Druck. Laut Chosun Biz überdenken Hersteller wie Lenovo, HP, Dell sowie Samsung Electronics und LG Electronics ihre Produktpläne für 2026, einschließlich KI-PCs und Tablets.
Trendforce hat aufgrund der gestiegenen Kosten seine Prognose für Notebook-Auslieferungen im Jahr 2026 deutlich nach unten korrigiert. Statt eines ursprünglich erwarteten Wachstums von 1,7 Prozent im Jahresvergleich rechnet das Marktforschungsunternehmen nun mit einem Rückgang von 2,4 Prozent. Der Grund: Die steigenden Materialkosten hätten die Einzelhandelspreise in die Höhe getrieben und die Marktnachfrage gedämpft.
Krise könnte bis 2028 andauern
Eine baldige Entspannung der Situation ist nicht in Sicht. Samsung und SK Hynix, die zusammen für 70 Prozent des DRAM-Marktes verantwortlich sind, haben signalisiert, dass sie ihre Produktionskapazitäten nur vorsichtig ausbauen werden.
"Anstatt die Anlagen schnell zu erweitern, werden wir eine Strategie verfolgen, die langfristige Rentabilität aufrechterhält", erklärte ein Samsung-Vertreter während einer Investorenkonferenz laut der südkoreanischen Zeitung Tech Insight. Das Unternehmen wolle "das Risiko eines Überangebots durch eine Investitionsstrategie minimieren, die Kundennachfrage und Preisgestaltung ausbalanciert".
Samsung gab an, derzeit nur 70 Prozent der DRAM-Bestellungen erfüllen zu können. Das Unternehmen lehnt zudem langfristige Verträge ab, die Kunden vor künftigen Preissteigerungen schützen würden. "Kunden wollen mehrjährige Verträge, aber Samsung Electronics möchte in einer Situation, in der die Preise schnell steigen, keine Mengen an einen bestimmten Kunden binden", so der Vertreter.
SK Hynix kündigte zwar an, im Jahr 2026 etwa 30 Prozent des Umsatzes in Produktionsanlagen zu investieren und den Übergang zu 1c-DRAM zu beschleunigen. Dennoch werde es "schwierig sein, die Versorgungsknappheit zu beheben", warnte das Unternehmen.
Das Problem liegt nicht darin, dass die Speicherproduktion nicht steigt. Vielmehr nimmt die Nachfrage noch schneller zu. Branchenprognosen gehen davon aus, dass das Speicherangebot 2026 um 23 Prozent wachsen wird, die Nachfrage jedoch um 35 Prozent zunimmt.



