03. Februar 2026 Matthias Lindner
(Bild: miss.cabul / Shutterstock.com)
SpaceX übernimmt xAI per Aktientausch und plant Rechenzentren im Orbit – finanziert durch die Milliarden-Einnahmen von Starlink.
Elon Musk schließt zwei seiner wichtigsten Unternehmen zusammen. Gemeint sind SpaceX und xAI, wobei SpaceX am Montag erklärte, das KI-Startup übernehmen zu wollen. Das neue Unternehmen wird nach Schätzungen von Insidern wohl einen Wert von 1,25 Billionen US-Dollar haben, wie Bloomberg und das Wall Street Journal (WSJ) übereinstimmend berichten.
Der Zusammenschluss erfolgt demnach durch einen reinen Aktientausch. Wer xAI-Anteile hält, erhält dafür SpaceX-Papiere im Verhältnis von etwa eins zu sieben. Pro SpaceX-Anteil werden rund 527 Dollar veranschlagt.
Diese Zahlen gingen aus internen Schreiben an die Belegschaft hervor, während die offizielle Verlautbarung keine Finanzdaten nannte, heißt es im WSJ.
Milliardenschwerer Geldbedarf für KI-Entwicklung
Der zentrale Grund für die Fusion ist der immense Kapitalbedarf von xAI. Wie es bei Bloomberg heißt, verbrennt das Unternehmen pro Monat rund eine Milliarde US-Dollar mit der Entwicklung von Sprachmodellen und des Chatbots Grok.
Mit diesen Anwendungen kämpft xAI um Marktanteile mit anderen etablierten Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic – die ebenfalls erhebliche Kapitalmengen verbrennen.
SpaceX verfügt über die nötigen Geldquellen. Das Satellitennetz Starlink mit über 9.000 Einheiten im Orbit wirft inzwischen mehr ab als das klassische Raketengeschäft. Diese Erlöse könnten künftig die teuren KI-Projekte mitfinanzieren.
Zugleich beherrscht SpaceX den Markt für kommerzielle Raketenstarts nahezu vollständig.
Fachleute von Bloomberg Intelligence warnen allerdings, dass die hohen Ausgaben von xAI die Bewertung des Gesamtkonzerns belasten könnten. Als positives Signal werten sie hingegen einen frischen Auftrag vom Pentagon über 200 Millionen Dollar.
Vision von Rechenzentren im Weltraum
Musk rechtfertigt den Schritt mit seiner Idee eines umfassenden Technologieverbunds. Raketen, Satelliten, KI und Kommunikationsdienste sollen zu einem System verschmelzen. In seiner Mitteilung spricht er vom "ehrgeizigsten, vertikal integrierten Innovationsmotor auf (und außerhalb der) Erde".
Der Unternehmer geht davon aus, dass Rechenleistung für KI mittelfristig am günstigsten im All zu haben sein wird. Sonnenenergie direkt aus dem Orbit soll die Stromversorgung sichern. So ließen sich KI-Modelle schneller und umfangreicher trainieren als auf der Erde, argumentiert er.
Konkret beantragte SpaceX Ende vergangener Woche bei der zuständigen Behörde die Erlaubnis für bis zu eine Million zusätzliche Satelliten, berichtet Bloomberg. Sie sollen ein orbitales Netzwerk für KI-Berechnungen bilden.
Experten halten das Vorhaben allerdings für technisch und wirtschaftlich äußerst anspruchsvoll.
Kooperation bestand bereits vor der Fusion
Beide Firmen hatten schon vorher zusammengearbeitet. XAI zählte SpaceX zu seinen ersten Kunden, als es vor etwa zwei Jahren startete. Der Chatbot kam unter anderem im Kundendienst des Starlink-Dienstes zum Einsatz.
Die Verschmelzung reiht sich ein in Musks Strategie, seine verschiedenen Geschäfte zu verknüpfen. Vergangenes Jahr hatte er xAI bereits mit der Plattform X vereint, die er zuvor als Twitter gekauft hatte.
SpaceX steckte bereits zwei Milliarden in xAI. Tesla sagte kürzlich zu, denselben Betrag zu investieren. Die Verflechtungen nehmen also stetig zu.
Börsengang trotz Fusion geplant
SpaceX hält laut Insidern an seinem Plan fest, noch dieses Jahr an die Börse zu gehen. Bis zu 50 Milliarden Dollar könnten dabei eingesammelt werden – ein Rekordwert. In den vergangenen Tagen diskutierten Beteiligte intern über Chancen und Risiken der Fusion im Hinblick auf den anstehenden Börsengang.
Analysten der Bank Wedbush spekulieren im WSJ bereits über einen nächsten Schritt. Sie halten es für denkbar, dass Musk binnen eineinhalb Jahren auch Tesla mit SpaceX zusammenführt.
Zusammengenommen ergäbe sich ein Konzern von etwa 2,8 Billionen US-Dollar Wert. Die Experten sehen darin Musks Ziel, möglichst viel vom KI-Ökosystem unter eigener Kontrolle zu bündeln.
Unklarer Nutzen und technische Risiken
Wie genau SpaceX vom Zusammenschluss profitieren soll, bleibt vorerst offen. Das Raketengeschäft läuft bereits außerordentlich gut, sodass der direkte Mehrwert der KI-Produkte schwer erkennbar ist.
Zudem muss SpaceX bei seiner neuen Großrakete Starship noch Fortschritte vorweisen. Seit 2023 laufen Testflüge, bei denen es wiederholt zu Problemen kam. Bislang brachte das System keine echte Nutzlast in den Orbit.
Ausgerechnet am Tag der Fusionsmeldung trat bei einer Falcon-9-Mission ein technisches Problem auf, nachdem die Satelliten bereits ausgesetzt waren. Die Teams prüfen nun die Ursache, bevor weitere Flüge stattfinden.



