SPD will Anthropic nach Europa locken

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Der SPD-Politiker Mieves sieht eine "einmalige Chance", das KI-Unternehmen Anthropic in die EU zu holen. In den USA steht das Unternehmen unter Druck der Trump-Regierung.

Aktualisiert am 2. März 2026, 9:37 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, Reuters,

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 Könnte das US-Unternehmen Anthropic seinen Sitz nach Europa verlagern? SPD-Politiker Matthias Mieves fordert das.
Könnte das US-Unternehmen Anthropic seinen Sitz nach Europa verlagern? SPD-Politiker Matthias Mieves fordert das. © Michael M. Santiago/​Getty Images

Nach der Entscheidung der US-Regierung, das KI-Unternehmen Anthropic als "Lieferkettenrisiko" einstufen zu wollen, dringt der SPD-Digitalexperte Matthias Mieves darauf, das Unternehmen nach Europa zu holen. Er forderte die Bundesregierung und die EU-Kommission zu einem solchen Schritt auf. Anthropic stehe "unter existenzbedrohendem Druck der US-Regierung", schreibt Mieves in einem Brief, über den die Zeitung Rheinpfalz berichtete. Das Schreiben ging an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und Digitalminister Karsten Wildberger (CDU).

Käme Anthropic in die EU, könne das Unternehmen sein auf "menschenzentrierte, vertrauenswürdige KI" ausgerichtetes Geschäftsmodell "unter optimalen Rahmenbedingungen und der gleichen freiheitlichen Denkrichtung" fortsetzen, argumentiert Mieves in dem Brief. Die Europäer auf der anderen Seite könnten die Lücke in der KI-Wertschöpfung schließen und "einen wesentlichen Beitrag zur digitalen und technologischen Souveränität leisten".

Streit um Nutzung von künstlicher Intelligenz durch das US-Militär

Zuvor war eine Auseinandersetzung zwischen Anthropic und der US-Regierung um die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) durch das Militär eskaliert. Anthropic hatte darauf bestanden, dass seine Software nicht für die "Massenüberwachung im Inland" oder in vollautonomen Waffensystemen eingesetzt wird. US-Präsident Donald Trump hatte das Unternehmen daraufhin als radikal und "woke" bezeichnet und angewiesen, dass alle Bundesbehörden aufhören sollen, Anthropic-Technologie zu nutzen. Verteidigungsminister Pete Hegseth ordnete zudem an, Anthropic als "Lieferkettenrisiko" einzustufen, und entschied, dass Auftragnehmer, Zulieferer oder Partner des US-Militärs keine Geschäfte mehr mit Anthropic machen dürften.

Nur Stunden später hatte Anthropic-Konkurrent OpenAI eine Einigung mit dem Pentagon verkündet. Der Vertrag enthält laut OpenAI strenge Schutzvorkehrungen und definiert angeblich drei rote Linien: Die OpenAI-Technologie dürfe nicht zur Massenüberwachung im Inland, zur Steuerung autonomer Waffensysteme oder ⁠für automatisierte Entscheidungen mit weitreichenden ​Folgen eingesetzt werden.

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