Stand: 15.06.2026, 13:17 Uhr
Von: Felix Busjaeger
Im Iran-Krieg einigen sich die USA und Teheran auf einen ersten Deal. Nun rückt ein Einsatz in der Straße von Hormus in den Fokus – auch unter deutscher Beteiligung.
Berlin – SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetović begrüßt die vorläufige Einigung zwischen den USA und dem Iran als „wichtigen diplomatischen Schritt“, warnt jedoch zugleich vor überzogenen Erwartungen. „Es scheint so, als würde Trumps Irrfahrt nun endlich enden“, sagte Ahmetović auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau. Entscheidend sei nicht die politische Ankündigung, sondern ob das Abkommen „belastbar, überprüfbar und dauerhaft durchsetzbar“ sei. Mit dieser Einschätzung steht der Sozialdemokrat nicht allein: Auch in Berlin und Brüssel überwiegt nach Bekanntwerden des Rahmenabkommens vorsichtiger Optimismus – verbunden mit klaren Erwartungen an die Umsetzung.

Nach wochenlangen Verhandlungen hatten die USA und der Iran eine vorläufige Übereinkunft verkündet. Bestätigt wurde dies von der US-Regierung, Teheran sowie dem Vermittler Pakistan. Unterzeichnet werden soll das Dokument am Freitag in Genf. Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif sprach von einer Vereinbarung über die sofortige und endgültige Beendigung der Militäroperationen an allen Fronten, einschließlich der Auseinandersetzungen zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah im Libanon. Noch bis zuletzt war die Einigung ins Wanken geraten, nachdem gegenseitige Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah die Gespräche belastet hatten.
Folgen von Iran-Abkommen für Straße von Hormus – auch Bundeswehr-Einsatz im Gespräch
Im Zentrum der Vereinbarung steht die schrittweise Wiederöffnung der Straße von Hormus. Die für den globalen Öl- und Gashandel zentrale Meerenge soll nach der Unterzeichnung am Freitag wieder für den Schiffsverkehr freigegeben werden – zunächst unter Aufsicht von Minenräumungen und Sicherheitsmaßnahmen. Für den Iran bedeutet das eine schrittweise Reintegration in den internationalen Seehandel, für die Weltwirtschaft eine mögliche Entlastung der Energiemärkte. Außenminister Johann Wadephul sprach von „einer Chance für die gesamte Region“, mahnte jedoch Zurückhaltung an. Die Substanz der Einigung müsse sich erst noch beweisen.
Besonders deutlich positioniert sich die Unionsfraktion zur Frage einer möglichen europäischen Absicherung der Meerenge. Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt, sprach gegenüber der Frankfurter Rundschau von einer grundsätzlich offenen, aber noch unklaren Lage. „Noch kennen wir den Rahmen nicht genau“, sagte Hardt. Erst wenn die Details der Vereinbarung vorlägen, könne über eine konkrete deutsche oder europäische Beteiligung entschieden werden. Die politische Zusage aus Berlin stehe zwar, die operative Ausgestaltung sei jedoch offen. Die USA wollten das bevorstehende G7-Treffen nutzen, um ihre Verbündeten detailliert zu informieren.
Hardt betonte zugleich die sicherheitspolitische Breite der Lage. Der Fokus Deutschlands darf sich nicht allein auf den Persischen Golf verengen. „Unser Hauptaugenmerk liegt mit gutem Grund auf dem Libanon, der nun eine Chance haben könnte, in eine neue Friedensphase einzutreten.“ Entscheidend bleibe, dass der Iran seine Regionalpolitik ändere und keine weiteren Angriffe über seine Verbündeten zulasse. „Der Iran muss nun beweisen, wie sehr er wirklich an Frieden im Nahen Osten interessiert ist.“
Bundeswehr-Einsatz nach Iran-Deal in der Straße von Hormus – „ausschließlich“ unter Bundestags-Mandat
Ahmetović knüpft eine mögliche deutsche Beteiligung bei der Sicherung der Straße von Hormus an klare politische Bedingungen. „Sollte sich die Bundeswehr beteiligen, dann ausschließlich unter einem Mandat des Bundestags“, sagte er. Zugleich unterstütze er grundsätzlich den europäischen Ansatz, die Wiederaufnahme der Schifffahrt in der Straße von Hormus abzusichern. Auf europäischer Ebene wurde die Einigung ebenfalls begrüßt. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von einer „ersten Phase“ zur Wiederöffnung der Straße von Hormus und zur Vorbereitung weiterer Verhandlungen, insbesondere zur Nuklearfrage. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte, die Freiheit der Schifffahrt müsse „ohne Durchfahrtsgebühren“ wiederhergestellt werden.
Bundeswehreinsatz in der Straße von Hormus?
Die Bundeswehr hat bereits im Mai erste Schritte eingeleitet, um für eine mögliche Hormus-Mission gerüstet zu sein. Das Minenjagdboot Fulda lief von Kiel aus Richtung Mittelmeer aus, der Tender Mosel wurde aus der NATO-Mission in der Ägäis herausgelöst und dem NATO-Minenabwehrverband unterstellt. Eine Entscheidung über einen tatsächlichen Einsatz vor Ort war damit ausdrücklich noch nicht getroffen.
Das Verteidigungsministerium erklärte dazu: „Zweck der Maßnahme ist es, potenzielle deutsche Fähigkeitsbeiträge zu einer möglichen Operation in der Straße von Hormus in einer kürzeren geografischen Distanz zu stationieren und gemeinsam operative Vorbereitungen durchzuführen.“ Voraussetzungen für einen Einsatz seien neben dem Ende der Kampfhandlungen eine völkerrechtliche Grundlage sowie die Zustimmung des Bundestages.
Dass das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran nur ein erster Schritt ist, betonen auch weitere Stimmen in Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz mahnte eine „zielstrebige“ Umsetzung an. Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour erinnerte indes daran, dass ein Abkommen weder die Menschenrechtslage im Iran noch die regionalen Konflikte automatisch löse. Mit der Einigung rückt nun die Straße von Hormus als zentrale geopolitische Achse in den Mittelpunkt. Die mögliche internationale Absicherung der Meerenge könnte damit zum Testfall europäischer Sicherheits- und Marinepolitik werden. (Quellen: eigene Recherche, dpa, AFP) (fbu)



