Stand: 19.10.2026, 15:58 Uhr
Von: Lukas Richter

Selenskyj warnt Europa vor bis zu 20 Millionen Flüchtlingen, falls die Ukraine fällt, während Russland mit Hunderten Drohnen angreift.
Wolodymyr Selenskyj warnt vor einer neuen Flüchtlingswelle aus der Ukraine nach Europa, falls Russland sein Land besiegen sollte. Bis zu 20 Millionen Menschen könnten dann die Ukraine verlassen, sagte der Präsident bei einem EU-Gipfel in Brüssel. Zugleich meldet Kiew für das Wochenende erneut massive russische Luftangriffe mit Hunderten Drohnen und mehreren Raketen.
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Selenskyj warnt Europa vor neuer Fluchtbewegung
„Russland tötet uns“, sagte Selenskyj am Freitag bei einer Pressekonferenz auf dem EU-Gipfel in Brüssel, wie das Nachrichtenportal Politico berichtet. Die Menschen würden aus der Ukraine gedrängt. „Sie wollen nicht aufhören“, fügte der Präsident über Russland hinzu. Für den Fall eines russischen Sieges warnte er davor, dass bis zu 20 Millionen Ukrainer nach Europa fliehen könnten.
Schon nach Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 flohen Millionen Menschen aus der Ukraine. Ende August 2026 standen mehr als vier Millionen Ukrainer in der EU unter vorübergehendem Schutz, wie aus Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. Deutschland nahm mit 1.294.555 Menschen den größten Anteil auf – 29,2 Prozent der EU-Gesamtzahl. Dahinter folgten Polen mit 939.395 Menschen und Tschechien mit 398.360.
Selenskyj reiste nach Brüssel, um weitere finanzielle Unterstützung für sein Land zu sichern. Die Ukraine geht inzwischen in den fünften Kriegswinter. Politico zufolge belasten steigende Energiekosten, bevorstehende Wahlen und der Streit über den rund zwei Billionen Euro schweren EU-Haushalt zugleich die Agenda der Mitgliedstaaten. Die EU hatte der Ukraine im vergangenen Jahr bereits einen Kredit über 90 Milliarden Euro zugesagt.
Hunderte Drohnen in zwei Nächten
Die Angriffe aus Russland gehen unterdessen ungebrochen weiter. Der ukrainische Generalstab meldete am Wochenende zwei große russische Luftangriffe. In der Nacht zum Sonntag griff Russland demnach mit 180 Drohnen und einer ballistischen Iskander-M-Rakete an. Unter den Fluggeräten seien auch 26 besonders schnelle, jetgetriebene Drohnen gewesen.
Die ukrainische Luftabwehr habe bis Sonntagmorgen 152 Drohnen abgeschossen oder elektronisch gestört. Einschläge seien an 20 Orten registriert worden. An vier weiteren Stellen seien Trümmer abgeschossener Flugkörper niedergegangen. An der Abwehr waren nach Angaben des Generalstabs unter anderem Kampfflugzeuge, Flugabwehreinheiten und mobile Feuergruppen beteiligt. Zusätzlich kamen Einheiten für elektronische Kampfführung und Drohnensysteme zum Einsatz.
Bereits in der Nacht zum Samstag hatte der Generalstab einen noch größeren Angriff gemeldet. Russland setzte demnach ballistische Raketen, Marschflugkörper und 332 Drohnen ein. Zu den eingesetzten Waffen gehörten auch vier von Schiffen gestartete Kalibr-Marschflugkörper. Bei den Drohnen habe Russland unter anderem Shahed-Typen sowie Angriffs- und Täuschdrohnen eingesetzt.
Vier Kalibr-Marschflugkörper und 289 Drohnen seien abgefangen oder gestört worden. Treffer habe es an 22 Orten gegeben, Trümmer seien an drei weiteren Stellen niedergegangen. Ein Teil der russischen Drohnen sei aus besetzten Gebieten im Osten der Ukraine und von der russisch kontrollierten Krim gestartet worden. Quellen: Eurostat, Politico, Ukrainischer Generalstab / Facebook, nif/red.



