Stand: 08.10.2026, 11:38 Uhr
Von: Lukas Richter
Russland soll dänische Rüstungsfirmen gezielt mit Sabotageaktionen angreifen.
Moskau – Russland hat nach Angaben des dänischen Inlandsgeheimdienstes PET seine Sabotageaktivitäten gegen Rüstungsunternehmen in Dänemark verschärft. Im Visier stehen demnach Firmen, die Waffen und andere militärische Güter für die Ukraine herstellen oder liefern.
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Der Geheimdienst sieht darin einen Kurswechsel: Statt breit angelegter Störaktionen ziele Moskau zunehmend auf Unternehmen, deren Produktion unmittelbaren Einfluss auf den Krieg in der Ukraine habe.

Im Frühjahr habe Russland zahlreiche Aktionen vorbereitet, aber nur wenige umgesetzt, sagte PET-Analystin Josefine Christensen, wie Reuters meldet. Seit dem Frühsommer habe sich das geändert. „Sie begannen, viel mehr davon tatsächlich auszuführen“, erklärte Christensen am Mittwoch auf einer Sicherheitskonferenz in Kopenhagen.
Geheimdienst sieht Kurswechsel bei russischen Operationen
Nach Einschätzung des PET kam Moskau zu dem Schluss, dass frühere Aktionen den Westen nicht davon abhielten, die Ukraine militärisch zu unterstützen. Russland gehe deshalb inzwischen gezielter vor. Die neue Linie bestehe darin, „Ziele zu treffen, die direkte Auswirkungen auf die Front haben“, sagte Christensen laut Reuters. Gemeint sei damit vor allem die Waffenproduktion.
Politisch würden solche Operationen weiterhin aus Moskau gesteuert, erklärte die Geheimdienstmitarbeiterin. Gleichzeitig wachse die Bereitschaft, größere Risiken einzugehen. Russland greife bei Sabotageaktionen demnach häufig auf Menschen zurück, die im Internet angeworben würden.
Angeworbene Helfer sollen Ziele auskundschaften
Diese Personen erhalten nach Angaben des PET zunächst einfachere Aufgaben. Sie sollen etwa Informationen sammeln oder mögliche Ziele fotografieren. Später könnten ihnen schwerwiegendere Aufträge angeboten werden, berichtet die ukrainische Nachrichtenseite Kyiv Independent unter Berufung auf Christensen.
Besonders aufmerksam beobachte Russland europäische Hersteller von Drohnen sowie Zulieferer entsprechender Bauteile. Christensen verwies auf eine Liste des russischen Verteidigungsministeriums vom April. Darauf standen europäische Unternehmen, die Moskau wegen ihrer Beteiligung an der Drohnenproduktion als mögliche militärische Ziele bezeichnet hatte.
Die russische Botschaft in Kopenhagen weist die Vorwürfe zurück. Dänische Behörden machten unbegründete Anschuldigungen gegen Russland, erklärte die Vertretung laut Reuters. Moskau hat eine Beteiligung an Sabotage und anderen hybriden Operationen in Europa wiederholt bestritten.
Dänemark warnt vor weiteren hybriden Angriffen
Bereits im September hatte der dänische Militärgeheimdienst DDIS vor einer möglichen Ausweitung russischer Aktivitäten gegen westliche Staaten gewarnt, wie Kyiv Independent berichtet. Russland sei angesichts der verschlechterten Sicherheitslage in Europa zunehmend bereit, Risiken einzugehen.
Zu den denkbaren Angriffen zählen demnach schwere Cyberattacken gegen kritische Infrastruktur und Sabotageakte, bei denen Menschen verletzt oder getötet werden könnten. Als Beispiel verwies der Dienst auf den versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle, den deutsche Behörden Russland zugeschrieben haben.
In einer früheren Einschätzung vom Februar 2025 hatte der DDIS zudem Szenarien für eine mögliche militärische Eskalation beschrieben. Unter bestimmten Bedingungen könne Russland demnach innerhalb von etwa sechs Monaten zu einem lokalen Krieg gegen ein Nachbarland fähig sein. Für einen regionalen Krieg im Ostseeraum nannte der Dienst rund zwei Jahre, für einen größeren Krieg in Europa etwa fünf Jahre. Quellen: Kyiv Independent, Reuters, nif/red.



