Beobachter warnen vor einer Welle von Sabotageakten in Europa, verübt von angeheuerten Ausländern unter falscher Flagge - gesteuert höchstwahrscheinlich von russischen Geheimdiensten. Erst in der vergangenen Woche gelang es slowakischen Sicherheitskräften, einen geplanten Brandanschlag vereiteln. Ziel war ihren Angaben zufolge eine ukrainische Drohnenfabrik in der Ostslowakei.
Die Folgen eines solchen Brandanschlags wären verheerend gewesen. Ziel des Angriffs sei das Unternehmen Skyeton in Haniska bei Presov gewesen, so Polizeipräsidentin Jana Maskarova. Dort werden Drohnen hergestellt. "Zum Zeitpunkt des geplanten Anschlags könnten sich dort rund 70 Personen aufgehalten haben. Der Wert der Produktionsstätte beläuft sich nach unseren bisherigen Erkenntnissen auf Dutzende Millionen Euro", erklärt Maskarova weiter.
Private Firmen produzieren für Ukraine
Drei Verdächtige wurden in der Slowakei festgenommen, eine weitere Person in Deutschland. Zwei sind Letten, zwei Ukrainer. Skyeton ist eine ukrainische Firma, die derzeit schnell expandiert, auch nach Deutschland. Sie gilt als ein führender Hersteller von Aufklärungsdrohnen, den "Raybirds 3". Einen Teil seiner Produktion hat Skyeton in die benachbarte Slowakei verlagert.
Die Ukraine hat sich zu einer Weltmacht in der Entwicklung von Drohnen etabliert: Sie sind kostengünstig und kampferprobt. Auch die Rüstungsindustrie in der Slowakei erlebt einen Boom - trotz der russlandfreundlichen Rhetorik von Premierminister Robert Fico. Der hat zwar staatliche Waffenlieferungen an Kiew gestoppt, aber teilstaatliche und vor allem private Firmen produzieren in großem Stil auch für die Ukraine und ihre Verbündeten, an immer mehr Standorten in der Slowakei.
Daher warnt Präsident Peter Pellegrini: "Ich möchte die Regierung der Slowakei bitten, diese Situation nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und sich ernsthaft mit diesem Angriff und den möglichen Risiken weiterer Angriffe auseinanderzusetzen."
Bekennervideo umstritten
Verteidigungsminister Robert Kalinak bestätigte die Ermittlungen zu anderen möglichen Anschlagszielen in den vergangenen Monaten. Allerdings habe die Drohnenfabrik Skyeton keine Lizenz zur Ausfuhr Richtung Osten gehabt, nur in Richtung Westen. Das spricht auf den ersten Blick gegen Russland als möglichen Auftraggeber des Anschlags.
Genau wie ein angebliches Bekennervideo der kaum bekannten Gruppe "Global Citizens against War 1984". "Wir übernehmen die volle Verantwortung für diese Aktion. Dadurch gehen wir zur aktiven Phase unserer Friedenskampagne über", zitierte sie das slowakische Fernsehen. Die Bilder sind laut Polizei allerdings KI-generiert.
Für den Sicherheitsexperten Radovan Branik ist das ein offensichtlicher Versuch, den geplanten Brandanschlag zu einer privaten Aktion umzudeuten. "Es ist doch völlig einleuchtend, dass weder Grönland noch die Antarktis hinter einer solchen Operation steht. Wer derzeit am meisten davon profitiert, das ist einzig und allein die Russische Föderation", so Branik.
Brand in Rüstungsunternehmen
Slowakische Ermittler sehen mögliche Parallelen zu einem tatsächlich erfolgten Anschlag in Tschechien. Im März ging in Pardubice eine Produktionshalle des Rüstungsunternehmens LPP Holding in Flammen auf. Elf ausländische Verdächtige wurden festgenommen.
Die angebliche propalästinensische Gruppe "The Earthquake Fraction" bekannte sich zu dem Angriff. Ziel sei es gewesen, Waffen für Israel zu zerstören. Die LPP Holding hatte eine Zusammenarbeit mit einem israelischen Drohnenhersteller angekündigt, aber nie umgesetzt. Stattdessen produziert sie zum Beispiel Drohnen für die Ukraine.
"Russland versucht, auf hybride Weise ganz Europa anzugreifen"
Tschechien überprüft auch eine mögliche Operation unter falscher Flagge. Der tschechische Inlandsgeheimdienst wirft Russland vor, gezielt Unterstützter der Ukraine ins Visier zu nehmen, so Sprecher Ladislav Sticha im Interview mit dem ARD-Studio Prag.
"Russland versucht, auf hybride Weise ganz Europa anzugreifen", sagt Sticha. In den sozialen Netzwerken werde versucht, sogenannte Einmalagenten zu rekrutieren, die bereit sind, für wenig Geld verschiedenste Sabotageakte zu verüben. Auch in Tschechien seien mehrere solcher Fälle untersucht worden, und die Zahl dieser Versuche steige stetig an.
Gefälschte Medienberichte zu Polen
Auch hinter einer aktuellen Desinformationskampagne vermutet der Geheimdienst Russland. Hintergrund ist eine alte Auseinandersetzung um einen polnisch-tschechischen Gebietsaustausch. Aufwändig gefakte Medienberichte und Regierungsdokumente sollen den Eindruck erwecken, dass Polen sich darauf vorbereite, tschechisches Staatsgebiet zu annektieren. Was nach überzogener Satire klingt, nehmen Sicherheitskreise sehr ernst. Als weiteren Versuch, Zwietracht in Europa zu säen.


