Russische Militärblogger bangen um Sieg

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Stand: 29.09.2026, 06:07 Uhr

Von: Christoph Gschoßmann

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Russlands einflussreichste Militärblogger räumen ein, was der Kreml verschweigt – und ein Exilpolitiker zieht die schärfste Schlussfolgerung.

Moskau – Es gibt Momente, in denen Propaganda an ihrer eigenen Realität zerbricht. Russlands Militärblogger – die lautesten Stimmen hinter Russlands Angriffskrieg, Millionen-Accounts auf Telegram, Stichwortgeber für eine ganze Nation – schreiben dieser Tage keine Siegesmeldungen mehr. Sie sind konsterniert.

Ein russischer Soldat der Spezialeinheit „Akhmat“ steht in der Region Sumy Wache

Russlands Armee kämpft mit vielen Problemen. © IMAGO / SNA

Der Telegram-Kanal „Zwei Majore“ mit 1,2 Millionen Abonnenten räumt ein: „Dass im Vergleich zu früheren siegessicheren Karten gravierende Probleme bestehen, lässt sich kaum noch leugnen.“ Blogger Juri Kotenok, selbst überzeugter Kriegsbefürworter, warnt seine Leser auf Telegram: „Der Feind ist nicht besiegt, steht nicht vor der Kapitulation, hat nicht die Absicht, sich in die Defensive zurückzuziehen.“ Und Juri Podoljak, mit 2,7 Millionen Followern die reichweitenstärkste Stimme der russischen Militärbloggerwelt, klingt erschöpft: „Die Probleme sind dieselben wie eh und je, und solange wir sie nicht lösen, ist kein strategischer Erfolg möglich.“

Russland: Geschönte Berichte statt Frontwahrheit

Was diese Selbstkritik besonders brisant macht, ist ihr Ziel: der eigene Militärapparat. Das amerikanische Institute for the Study of War (ISW) hält in seiner Lageanalyse vom 26. September 2026 fest, dass russische Milblogger selbst beschreiben, wie eine grassierende Lügenkultur innerhalb des Militärs ukrainische Erfolge begünstigt. Kommandeure melden nach oben, was oben gehört werden will. Die Folgen sind konkret: Falsche Lageberichte verhindern, dass russische Kräfte Artilleriefeuer auf Positionen anfordern können, die sie selbst als bereits eingenommen gemeldet haben. Benachbarte Einheiten planen Operationen auf Basis eines Lagebildes, das mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat. Das ISW dokumentiert zudem, dass Russland im August 2026 nur noch rund 90 Quadratkilometer ukrainisches Territorium einnahm – im August 2025 waren es noch über 500. Der Vormarsch ist faktisch zum Stillstand gekommen.

Z-Blogger Michail Swintschuk vom einflussreichen Telegram-Kanal „Rybar“ benennt das Kernproblem: „Der entscheidende Punkt ist eine Fehleinschätzung der Lage, die zu einer Kettenreaktion der Probleme führte.“

Kampfroboter: Ukraines technologische Antwort auf Russlands Zahlenvorteil#

Hinter dem russischen Pessimismus steckt auch eine technologische Entwicklung, die viele Beobachter überrascht hat. Die Ukraine setzt in wachsendem Umfang bodengestützte Kampfroboter ein – unbemannte Fahrzeuge, die Stellungen angreifen, Munition transportieren und Verwundete bergen, ohne einen einzigen Soldaten in Gefahr zu bringen. Jakub Janovsky, Analyst beim niederländischen Rüstungsanalyseprojekt Oryx, erklärte gegenüber der Kyiv Independent bereits im Vorjahr: „Ihr größter Einfluss könnte sein, dass die Ukraine langfristig weniger Truppen an der Front benötigt – und weniger in Unterstützungsrollen wie Logistik und Verwundetenversorgung.“ Über 200 ukrainische Unternehmen entwickeln solche Systeme, Russland hat bislang kein vergleichbares Programm aufgebaut.

Der in London lehrende Exil-Politologe Wladimir Pastuchow zieht daraus eine knappe Schlussfolgerung, die er auf Telegram veröffentlichte: „Putin kann den Krieg, den er selbst begonnen hat, nicht gewinnen. Das ist die einzige Tatsache, die bei der Beurteilung der aktuellen Lage Beachtung verdient – alles andere ist eine Lüge.“ (Quellen: Telegram, ISW, Kyiv Independent) (cgsc)

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