Razer Seiren V3 Pro im Test: Streaming-Mikrofon mit weiteren Qualitäten

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 Streaming-Mikrofon mit weiteren Qualitäten

Razer hat Mitte Juni 2026 mit dem Seiren V3 Pro ein neues Streaming-Mikrofon auf den Markt gebracht. Auf diese Weise bewirbt es der Hersteller zumindest. Euch hindert natürlich nichts daran, das Mikro auch für Podcast-Aufzeichnungen, Nachvertonungen oder Musikaufnahmen zu verwenden. Im Test habe ich mir die Qualitäten ein wenig angeschaut bzw. besser gesagt angehört. Mein Fokus hat dabei auf Sprachaufnahmen gelegen.Zählpixel

Das Razer Seiren V3 Pro ist ein dynamisches Mikrofon, dessen technisches Herzstück eine 30-mm-Dynamikkapsel mit Nierencharakteristik darstellt. Der Frequenzbereich reicht von 50 Hz bis 16 kHz. Punkten soll dieses Modell aber auch mit der Unterstützung von 32-Bit-Float für Aufnahmen, was gegenüber dem üblichen 24-Bit-Standard einen höheren Dynamikumfang mitbringt. Laut dem Hersteller soll das etwa zu weniger Clipping bei lauten Geräuschen führen und die Nachbearbeitung erleichtern.

Allerdings müsst ihr, um einen Vorteil daraus zu ziehen, auch Razers App Synapse verwenden. Die gibt es nur für Windows, sodass Mac-User außen vor bleiben. Ebenfalls an Bord ist ein Audio-DSP, welcher die Signalverarbeitung direkt auf der Mikrofon-Hardware übernimmt. Noise Remover, Kompressor, Limiter und Expander arbeiten also im Gerät selbst. Das Signal kommt so bereits aufbereitet in der Aufnahmesoftware an. Das kann gut sein, wenn man sich das wünscht. Für Puristen ist das natürlich eher nichts.

Razer Seiren V3 Pro – Technische Eckdaten

Merkmal Technische Daten
Abtastrate 48 / 96 kHz
Bitrate 24 / 32 Bit (unterstützt 32-Bit-Float per Razer Synapse für Windows)
Kapseln Dynamische 30-mm-Kapsel
Richtcharakteristik Kardioide
Frequenzgang 50 Hz – 16 kHz
Strom erforderlich 5V / 500 mA
Empfindlichkeit -50 dB (1 Volt / Pa bei 1 kHz)
Max. Schalldruck 150 dB (XLR), 125 dB (USB)
Impedanz 300 Ohm
Ausgangsleistung Nein
THD Nein
Rauschabstand 74 dB
Verbindungstyp USB Typ-C oder XLR
Adjustable Gain 40 dB
Mute-Funktion Touch-Taste mit LED-Kontrollleuchte
Material Unibody, verzinkt
Montage-Typ 5/8″-27-Gewindeanschluss

Das Razer Seiren V3 Pro lässt sich via USB-C oder über XLR mit eurem Rechner bzw. Mixern verbinden. Mehr zu den technischen Daten verrät euch auch die Tabelle oben – oder bei Bedarf die offizielle Produktseite. Im Handel ist das Mikrofon bereits erhältlich und kostet stattliche 289,99 Euro.

Ausstattung und Verarbeitung

Das Razer Seiren V3 Pro wirkt sehr hochwertig verarbeitet, denn es nutzt ein Unibody-Gehäuse aus Metall. Allerdings bin ich da auch Qualität gewohnt, denn ich habe jahrelang das Blue Yeti verwendet, was man wohl mittlerweile als echten Klassiker bezeichnen darf. Letzteres ist ein Kondensatormikrofon, was jedoch auch Nachteile mit sich bringt, weil schnell Klänge aus der Umgebung aufgenommen werden. Da ist das Seiren V3 Pro präziser. Doch die Präzision bedingt auch, dass Bewegungen beim Sprechen weniger verziehen werden und die Ausrichtung besonders wichtig ist.

Ich würde für ein Mikrofon auf Dauer an eurer Stelle immer einen Mikrofonarm mit Spinne nutzen oder einen sehr gut isolierten Zusatzständer. Razer wirbt jedoch damit, dass das Seiren V3 Pro ab Werk mit einem Shock-Absorber versehen ist, der z. B. Tastaturgeräusche minimieren soll. Im Lieferumfang ist zudem direkt ein abnehmbarer Popfilter enthalten. Letzterer sitzt allerdings ziemlich flatterig auf dem Mikrofon und wirkt recht dünn. Auch eine vibrationsgedämpfte Gelenkhalterung für die Montage an Mikrofonarmen liegt bereits bei.

Am Razer Seiren V3 Pro selbst findet ihr zur Bedienung einen Gain-Regler für die Pegelsteuerung und eine berührungsempfindliche Mute-Taste auf der Seite. Während die Mute-Taste nicht zu übersehen ist, sitzt der Regler an der Unterseite und ist dadurch im laufenden Betrieb sehr schlecht zu erreichen. Zumal er sich lose dreht, was es erschwert, vorsichtig in Stufen Einstellungen zu setzen.

 Streaming-Mikrofon mit weiteren Qualitäten

Der RGB-Leuchtring im Chroma-Design zeigt dabei nicht nur den Mute-Status an, sondern liefert auch visuelles Echtzeit-Feedback zum Gain-Pegel und warnt vor Pegelspitzen. Freilich könnt ihr die Beleuchtung aber auch über die Synapse-App abschalten, sollte sie euch nerven. Vor der ersten Nutzung müsst ihr das Mikrofon im Übrigen erst auf den beiliegenden Ständer schrauben – oder, sofern vorhanden, an eurem Mikrofonarm befestigen. An der Unterseite des Razer Seiren V3 Pro sitzt auch ein Anschluss für 3,5-mm-Klinke. Der ist für den Anschluss eines Kopfhörers gedacht, um den Klang direkt mithören zu können.

Das Razer Seiren V3 Pro fühlt sich dank seines Gewichts von etwa 650 g (ohne Ständer) recht wuchtig an. Mit Ständer kommen rund 850 g zusammen. An der Unterseite des Ständers sitzen dann fünf kleine Füße, welche die Vibrationen dämpfen sollen. Auf dem Tisch steht die Gesamtkonstruktion sehr stabil. Allerdings werden größere Menschen wegen des recht tiefen Aufbaus entweder sofort einen Mikrofonarm zücken oder Bücher unterlegen müssen. Letzteres ist nach meiner Erfahrung für schmales Geld übrigens auch eine solide Entkopplungshilfe, wenn einmal nichts anderes greifbar ist.

Praxistest des Razer Seiren V3 Pro

Bereits auf der Verpackung bewirbt Razer das Seiren V3 Pro mit 32-Bit-Float-Aufnahmen. Was steckt aber überhaupt dahinter? Nun, wie schon angedeutet, verhindert die Technik im Wesentlichen in Extremszenarien Übersteuerungen und soll die Nachbearbeitung dadurch erleichtern. Das funktioniert dadurch, dass Lautstärkewerte nicht wie bei 16-Bit- oder 24-Bit-Audio als feste Ganzzahlen, sondern als Exponenten gespeichert werden. Dadurch zerstören auch falsche Pegel eine Aufnahme nicht. Zudem könnt ihr so mit erhöhter Dynamik arbeiten. Wechsel zwischen laut und leise in einem Take sind möglich.

 Streaming-Mikrofon mit weiteren Qualitäten

Im Ergebnis eignet sich das Razer Seiren V3 Pro dadurch besonders gut für One-Take-Aufnahmen, bei denen ihr z. B. zwischen Flüster-, Sprech- und Schreipassagen wechselt. Euch wird die Arbeit genommen, groß am Pegel rumzustellen. Ob das für euch ein Gamechanger oder im Alltag unbedeutend ist, hängt eben davon ab, was für Aufnahmen ihr erstellen wollt. Bei kontrollierter Nachvertonung sind die Vorteile durch 32-Bit-Float deutlich geringer als z. B. bei Livestreams, in denen ihr vielleicht auch mal spontan laut loslacht.

Das Razer Seiren V3 Pro kann 32-Bit-Float verwenden, wenn ihr es in Kombination mit der App Razer Synapse unter Windows im USB-Betrieb nutzt. Wichtig dabei: Dennoch kann es sein, dass ihr beim Abmischen bzw. Schnitt nochmal ran müsst. Denn ein Schrei wird natürlich trotzdem deutlich lauter aufgezeichnet, er ist eben nur nicht übersteuert hinterlegt. Im Programm eurer Wahl, z. B. OBS, solltet ihr also dennoch auf die passende Gesamtlautstärke achten, damit am Ende alles rund wirkt.

 Streaming-Mikrofon mit weiteren Qualitäten

Obendrein schützt 32-Bit-Float am Ende nur vor digitaler Übersteuerung, es kann aber immer noch zu einer mechanischen Übersteuerung kommen. Ehrlicherweise ist das aber durch eine menschliche Stimme nicht wirklich zu erreichen. Ich habe es daher selbst mit meinem basslastigen Organ nicht geschafft, das Razer Seiren V3 Pro an seine Grenzen zu bringen. Das ist schon beeindruckend. Wie gesagt, ist aber am Ende bei Audioaufnahmen bzw. im Videoschnitt dennoch eine Normalisierung und Anwendung eines Kompressors notwendig. Alle Arbeit nimmt man euch hier also nicht ab, sondern gibt euch vor allem mehr Spielraum und vermeidet Extremsituationen.

Im Betrieb musste ich dabei feststellen, dass der schon angesprochene Popfilter zwar seinen Dienst tut, aber sehr lose sitzt und den wertigen Gesamteindruck auch optisch etwas trübt. Da ist es eventuell ratsam, sich ein etwas hochwertigeres Modell zur Befestigung nachzukaufen. Ansonsten kommt ihr an der Software Synapse 4 nicht vorbei, wollt ihr alle Möglichkeiten ausschöpfen. Das sehe ich eher als Nachteil – nicht nur für Mac-Nutzer, die ja auf die App verzichten müssen. Auch unter Windows wird mancher Käufer eines Mikrofons möglichst auf zusätzliche Programme verzichten wollen. Das ist hier nicht möglich. Da Razers Programm auch ziemlich verschachtelt und überladen ist, werden sich daran wohl die Geister scheiden.

Über die Funktionen an sich kann man nicht meckern, denn Synapse 4 erlaubt es z. B. über einen 8-Band-Equalizer, den Klang abzustimmen, das Mikrofon stummzuschalten, Gain zu regeln, die Chroma-Beleuchtung filigran anzupassen und vieles mehr. Und wer keine Lust hat, am Equalizer herumzudoktern, sucht sich eines der Presets aus. Es gibt auch noch verschiedene DSP-Modi zur Bearbeitung des Signals. Etwa ist es möglich, so direkt einen Hochpassfilter, Kompressor oder Limiter einzusetzen. Das nimmt euch aber später Raum bei der Nachbearbeitung. Ich würde dies also eher in dem Programm beibehalten, in dem ihr später die Abmischung durchführen wollt.

Selbiges gilt auch für die KI-Rauschunterdrückung. Per se erledigt diese ihre Arbeit, bedingt aber ein leicht steriles Klangbild. Für Livestreamer ist dabei grundsätzlich nett, dass Synapse euch auch ein digitales Mischpult anbietet, um mehrere Audioquellen zu mixen. Das funktioniert dann etwa mit dem Klang des Mikrofons und dem Sound aus einem Spiel. Allerdings gehe ich davon aus, dass jeder halbwegs interessierte Streamer da schon andere und umfangreichere Software dafür nutzt, sodass das mehr ein kleiner Bonus für Einsteiger ist.

Die Stimmwiedergabe weiß, lasst ihr die KI-Rauschunterdrückung weg und reduziert sie zumindest auf eine moderate Stufe, sehr zu gefallen. Das Razer Seiren V3 Pro ist vergleichsweise unempfindlich: Wer den Gain nicht spürbar anhebt, erhält eine deutlich leiser gepegelte Aufnahme als bei anderen USB-Mikrofonen. Hier ist es auch wirklich notwendig, relativ nah an das Mikro zu gehen. Darauf solltet ihr bei eurem Setup achten. Falls das für euch nur schwer möglich ist, könnte doch ein Kondensator-Mikrofon, wie eben der Klassiker Blue Yeti, für euch die bessere Wahl sein.

Mein Fazit

Das Razer Seiren V3 Pro liefert eine sehr gute Sprachqualität und nimmt Stimmen präzise und fokussiert auf. Allerdings muss man sich recht nahe an das Mikrofon begeben und es zudem präzise ausrichten, sonst nimmt es zu leise auf. 32-Bit-Float ist dabei je nach Set-up ein echter Mehrwert und reduziert das Risiko der Übersteuerung extrem. Auch die Verarbeitung ist erstklassig. Lediglich der Popfilter trübt den Gesamteindruck mit seinem flatterigen Sitz minimal.

 Streaming-Mikrofon mit weiteren Qualitäten

Ob sich das Razer Seiren V3 Pro zum stolzen Preis von 289,99 Euro für euch lohnt, hängt wesentlich von zwei Faktoren ab: Seid ihr bereits im Ökosystem des Herstellers verwurzelt? Dann werdet ihr es vielleicht begrüßen, auch das Mikrofon über die App Synapse 4 zu verwalten. Andernfalls könnte euch die überladene App vielleicht stören. Der andere Aspekt ist 32-Bit-Float, denn dafür zahlt ihr im Vergleich zu anderen, ansonsten technisch vergleichbaren Mikrofonen hier ordentlich drauf. Wenn ihr dies nicht benötigt oder nicht nutzen könnt, weil ihr etwa an einem Mac hantiert, ist das Razer Seiren V3 Pro sicher nicht das richtige Mikrofon für euch.

Stimmt eure Konfiguration, dann ist das Razer Seiren V3 Pro ein sehr gutes Mikrofon für Sprachaufnahmen, während ich für Instrumente eher ein Kondensator-Mikrofon empfehlen würde, weil Razers Modell dafür zu fokussiert ist. Doch der Hersteller bewirbt es auch primär für Livestreamer und da ist es ein unkomplizierter, verlässlicher Gehilfe.

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