Prusa geht den VFAs beim Core One auf den Grund

7 months ago 9

Wichtiges Thema aus der 3D-Druck-Szene, das mich auch betrifft: Jede noch so kleine Unregelmäßigkeit auf der Oberfläche eines Drucks wird analysiert und diskutiert. Genau das passiert gerade beim Prusa Core One. Berichte über feine vertikale Linien, sogenannte VFAs (Vertical Fine Artifacts), haben die Entwickler auf den Plan gerufen. Bekannt ist das Problem bereits seit langer Zeit, ich kenne das Problem selbst – mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt und auch in meinem Umfeld habe ich diverse Unterhaltungen diesbezüglich geführt.

Die Entwickler bestätigen: Den einen Schalter, den man umlegen kann, um die Artefakte zu beseitigen, gibt es natürlich nicht. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass die VFAs das Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung sind. Dazu gehören:

  • Die Riemenspannung: Schon minimale Abweichungen von der optimalen Spannung können Vibrationen im System verursachen, die sich als feine Linien auf dem Druckobjekt zeigen.
  • Das Input Shaping: Diese eigentlich nützliche Software-Funktion zur Reduzierung von Schwingungen kann bei sehr schnellen, kurzen Bewegungen selbst zum Verursacher von Mikro-Vibrationen werden.
  • Kritische Druckgeschwindigkeiten: Bestimmte Geschwindigkeiten können das System in eine Eigenschwingung (Resonanz) versetzen, was die Artefaktbildung begünstigt.

Wenn man in der Community in den vergangenen Monaten mitgelesen hat, dann sind das alles Dinge, die dort und auch im Austausch mit den Entwicklern bereits mehrfach thematisiert hatte. Die Motoren selbst stehen dabei nicht unter Verdacht, so Prusa weiter. Einige der nun vorgeschlagenen Maßnahmen können Besitzer eines Core One bereits jetzt umsetzen, andere werden über zukünftige Updates ausgerollt.

Im ersten Schritt wurden die Empfehlungen für die Riemenspannung präzisiert. Die neuen Zielwerte liegen bei 98 Hz für den oberen und 92 Hz für den unteren Riemen. Um die Messung per Smartphone-App zuverlässiger zu machen, wurde die Anwendung aktualisiert. Sie enthält jetzt ein Wasserfall-Diagramm, das hilft, verfälschende Nebengeräusche des Mikrofons zu erkennen. Prusa testet aber auch eine Firmware, die es ermöglichen soll, die Riemen mithilfe der Drucker-eigenen LEDs als Stroboskop einzustellen. Das würde dann externe Messgeräte überflüssig machen.

Der zweite große Hebel ist der PrusaSlicer. Hier wird an einer neuen Strategie für die Verarbeitung von scharfen Kanten gearbeitet. Anstatt diese durch aggressives Input Shaping zu „glätten“ und dabei neue Artefakte zu riskieren, soll die Software lernen, die Bewegungen so zu planen, dass die Kanten präzise gedruckt werden, ohne dass unerwünschte Vibrationen entstehen. Diese Verbesserung soll später dann auch für den Prusa MK4 und den XL zur Verfügung stehen.

Zuletzt wird an einem intelligenten Mechanismus gefeilt, der die Druckgeschwindigkeit überwacht. Sollte die Software die Geschwindigkeit anpassen müssen, beispielsweise für eine bessere Kühlung, stellt diese Funktion sicher, dass keine Geschwindigkeit gewählt wird, die das System in Resonanz versetzen könnte. Bin ich ehrlich mal hart gespannt, wie hilfreich diese Lösungen am Ende dann wirklich sind. Zugegeben: In meinen Drucken fallen die VFAs bislang echt übersichtlich unauffällig aus, sind aber nun einmal auch nicht von der Hand zu weisen. Nutzer, deren Modelle beispielsweise für unternehmerische Zwecke perfekt aussehen sollen, stören sich deutlich eher an solchen Fehlern als beispielsweise ich mit meinen Modellen, Figuren und Heimwerkerlösungen.

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