Kennen vielleicht auch einige Leser: Wochen- oder sogar monatelang widmet man sich einem Game und wenn dann am Ende der Abspann über den Bildschirm flimmert, bekommt man gemischte Gefühle. Einerseits ist es toll, einen Titel abgeschlossen zu haben. Andererseits wäre man vielleicht gerne noch weiter bzw. tiefer in die Welt eingetaucht. Das kann tatsächlich zu sogenannter „Post-Game-Depression“ führen, wie einige Wissenschaftler der SWPS University und der Stefan Batory Academy of Applied Sciences gemeinsam dokumentiert haben.
Die Forscher haben untersucht, wie es Menschen nach dem Abschließen eines Videospiels ergeht, und ihre Ergebnisse im wissenschaftlichen Journal Current Psychology veröffentlicht. Sie betonten dabei, dass Computer- und Videospiele die drittbeliebteste Freizeitaktivität der Welt seien – nur Fernsehen und Social Media sind beliebter. Dennoch gebe es sehr wenig Forschung zu Games. Für viele Menschen seien Spiele auch ein emotionales Erlebnis. Das kann vielfältig sein und von Frust bei einer als unfair empfundenen Herausforderung über Freude über eine fesselnde Story-Entwicklung bis hin zu Traurigkeit über das Durchspielen reichen.
Die Psychologen konnten dabei nachweisen, dass einige Menschen nach dem Abschluss eines Spiels in eine sogenannte Post-Game-Depression (P-GD) fallen. Das ist ein Gefühl der Leere nach dem Durchspielen eines besonders immersiven und emotionalen Spiels. Mit P-GD hängen andere Aspekte zusammen. Dazu zählen die Meinung und Gefühle des Spielers zur Geschichte des jeweiligen Spiels, die Gameplay-Herausforderungen, die etwaige Notwendigkeit, das Spiel vielleicht nochmals durchzuspielen, und der mögliche, zeitweilige Verlust von Interesse an anderen Medien.
Post-Game-Depression: Ein komplexes Phänomen
Im Rahmen verschiedener Untersuchungen mussten die Psychologen feststellen, dass P-GD ein sehr komplexes Phänomen ist. So kann etwa die Intensität variieren. Ausmachen konnte man immerhin schon, welche Spieler am ehesten Gefahr laufen, eine Post-Game-Depression zu erleiden: Zocker von RPGs. Das hängt laut den Forschern damit zusammen, dass gerade solche Spiele den Spielern erlauben, die Protagonisten und andere Charaktere besonders stark zu lenken und durch Entscheidungen Beziehungen zu ihnen aufzubauen. Und je mitreißender das jeweilige Spiel ist, je enger die Bindung an die Charaktere, desto schwerer ist dann der endgültige Bruch mit solchen Games.
Gleichzeitig zeigte die Studie auf: Menschen, die generell eher von bestimmten Gedanken und Gefühlen übermannt werden, haben dieses Problem dann auch beim Gaming. Die Gefahr, an P-GD zu leiden, hängt also auch von der individuellen Disposition ab. Zudem ließ sich eine weitere Korrelation feststellen: Die Probanden, die sich nach Abschluss eines Spiels eher traurig fühlten, waren auch diejenigen, die generell eher pessimistisch auf Ereignisse zurückblickten. Somit kann man spekulieren, dass eher die Gamer Post-Game-Depression erfahren, die allgemein Schwierigkeiten haben, mit Gefühlen umzugehen.
Die Psychologen bezeichnen P-GD als eine spezielle Form von Trauer, vage vergleichbar mit dem Tod einer geliebten Person oder dem Ende einer bedeutsamen Lebensphase. Für einige Spieler wird eine virtuelle Welt zu so einem Anker, dass sie es schwer finden, sich davon zu trennen. Die Ergebnisse der Studie könnten dabei einerseits beim Game-Design helfen, eröffnen andererseits aber auch ethische Fragen. Denn es gilt, die emotionalen Auswirkungen des Spielerlebnisses zu berücksichtigen.
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3 weeks ago
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