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Mit religiösen Endzeitvisionen warnt Tech-Investor Peter Thiel vor KI-Regulierung: Wer die Technologie zügelt, bereitet dem Antichristen den Weg.
Der Tech-Milliardär und PayPal-Mitgründer Peter Thiel hat mit einer vierteiligen Vortragsreihe für Aufsehen gesorgt: Darin warnt er eindringlich vor den Gefahren einer staatlichen Regulierung von Wissenschaft, Technologie und insbesondere Künstlicher Intelligenz (KI).
Für Thiel ist klar: Wer KI regulieren will, ebnet dem Antichristen den Weg und riskiert nichts weniger als das Ende der Welt.
Der Antichrist als Regulierer: Thiels düstere Prophezeiung
In seinen vom Acts 17 Collective organisierten Vorträgen zeichnet Thiel ein apokalyptisches Bild der nahen Zukunft: Atomkriege, Umweltkatastrophen, Biowaffen und autonome Killerroboter, gesteuert von KI, werden die Menschheit an den Rand des Abgrunds bringen.
Doch die eigentliche Bedrohung sieht er in einer Ein-Welt-Regierung, die angesichts dieser existenziellen Risiken Frieden und Sicherheit verspricht – aber in Wahrheit die Ankunft des Antichristen markiert.
Thiel stützt sich auf die Theorie, dass der Antichrist als charismatische Person oder Organisation auftreten könnte, die ständig vor dem Weltuntergang warnt und so die Gesellschaft dazu bringt, ihr die Macht zu geben, Wissenschaft und Technologie zu regulieren. Der US-Präsident könnte ein Kandidat für den Antichristen sein, so Thiel – vermutlich, wenn er damit anfinge, die Technologien zu regulieren.
Doch genau diese Regulierung, so Thiel, werde das Kommen des Antichristen erst recht beschleunigen.
Geschäftsinteressen und Endzeit-Rhetorik: Thiels zwiespältige Rolle
Was Thiels Warnungen so brisant macht, ist die Tatsache, dass er selbst massiv in jene Technologien investiert, deren Regulierung er als Werk des Antichristen brandmarkt. Als Gründer von Palantir und Risikokapitalgeber hat er ein vitales Interesse an einem unregulierten Tech-Sektor – und scheut nicht davor zurück, religiöse Ängste für seine Agenda zu instrumentalisieren.
Kritiker sehen darin einen gefährlichen Widerspruch: Thiel profitiert von den Technologien, die er als Bedrohung darstellt, und nutzt apokalyptische Rhetorik, um berechtigte Regulierungsbestrebungen zu diskreditieren.
Religiöser Libertarismus: Thiels politische Vision
Doch es geht Thiel um weit mehr als seine Geschäftsinteressen. Sein religiös gefärbter Libertarismus zielt auf eine radikale Neuordnung der Gesellschaft ab: Liberale Demokratie und globale Institutionen betrachtet er als Vorstufe einer tyrannischen Weltregierung.
Als Gegenentwurf propagiert er eine "starke Ordnung", die sich auf den rätselhaften "Katechon" aus der christlichen Apokalyptik beruft – eine Macht, die das Chaos aufhält.
Gemeinsam mit Gesinnungsgenossen wie dem Monarchisten Curtis Yarvin und dem bekennenden Katholiken JD Vance, den er zum US-Vizepräsidenten machte, arbeitet Thiel an einer christlich-libertären Gegenordnung.
Unheilige Allianzen: Wenn Glaubenseifer auf Tech-Milliarden trifft
Thiel ist nicht der einzige Tech-Mogul, der religiöse Motive mit handfesten wirtschaftlichen Interessen verquickt. Gerade in den USA gibt es eine wachsende Allianz zwischen konservativ-religiösen Kreisen und libertären Milliardären, die gegen staatliche Regulierung Sturm laufen.
Experten warnen vor den Folgen: Wenn Glaubenseifer auf die Milliarden und den Einfluss der Tech-Elite trifft, geraten die Fundamente der liberalen Demokratie ins Wanken. Sachliche Debatten über Regulierung werden unmöglich, wenn Giganten wie Thiel ihre Agenda mit der Autorität des Glaubens untermauern.
Fazit: Die Gefahr der digitalen Apokalypse
Peter Thiels Vortragsreihe ist ein Alarmsignal: Sie zeigt, wie religiös-libertäre Ideologien im Silicon Valley an Einfluss gewinnen. Unter dem Deckmantel apokalyptischer Warnungen betreibt Thiel einen Feldzug gegen jede Form von staatlicher Regulierung – insbesondere im Bereich Künstlicher Intelligenz.
Doch seine Argumentation ist mehr als fragwürdig: Ausgerechnet jene Technologien, mit denen er sein Vermögen gemacht hat, stilisiert er nun zur Bedrohung der Menschheit. Gleichzeitig arbeitet er an einer autoritären Gegenordnung, die auf religiösem Fundamentalismus und radikaler Regulierungsfeindlichkeit basiert.
Als einer der reichsten und best-vernetzten Tech-Investoren hat Thiel die Mittel und den Einfluss, die politische Debatte zu prägen. Seine Kritik an der KI-Regulierung ist nur ein Aspekt einer umfassenderen Agenda, die auf nichts weniger als eine Neuerfindung der westlichen Gesellschaft abzielt.


