Odyssey-3: Neues KI-Weltmodell erzeugt interaktive Welten und ist jetzt kostenlos testbar

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Odyssey macht sein Weltmodell Odyssey-3 öffentlich zugänglich. Es erzeugt interaktive Welten in Echtzeit und erreicht laut Hersteller Bestwerte bei Physik-Benchmarks.

Das kalifornische KI-Unternehmen Odyssey hat eine öffentliche Forschungsvorschau seines Weltmodells Odyssey-3 gestartet. Nutzer können damit interaktive Umgebungen aus Textanweisungen erzeugen und in Echtzeit erkunden. Das Modell soll physikalische Abläufe simulieren und vorhersagen, wie sich Umgebungen durch bestimmte Handlungen verändern. Entwickler können API-Zugang beantragen.

Bereits am 15. September hatten die Gründer Oliver Cameron und Jeff Hawke das Modell erstmals vorgestellt, damals mit Fokus auf Anwendungen in Robotik, autonomem Fahren und Videospielen. Neu sind der öffentliche Zugang, zusätzliche technische Details und Benchmark-Ergebnisse.

Interaktive KI-Welten in Echtzeit zum Ausprobieren

In der kostenlos zugänglichen Online-Demo kommt Odyssey-3 Flash zum Einsatz. Das Modell generiert aus Textbeschreibungen interaktive Umgebungen. Zur Auswahl stehen eine Ego- und eine Third-Person-Perspektive. Nutzer können sich durch die generierte Welt bewegen, Ereignisse auslösen und beobachten, wie das Modell in Echtzeit darauf reagiert.

Odyssey-3 basiert auf einem autoregressiven Diffusion-Transformer, der auf Grundlage vorheriger Bilder und Nutzeraktionen fortlaufend neue Videobilder erzeugt. Dabei lernt das Modell laut Odyssey physikalische Zusammenhänge und Ursache-Wirkungs-Beziehungen aus visuellen Beobachtungen.

Für das Training verwendete Odyssey unter anderem Internetvideos mit Ereignisbeschreibungen, Aufnahmen aus Videospielen samt den dazugehörigen Tastatur- und Mauseingaben sowie simulierte physikalische Interaktionen. Ein zusätzliches Trainingsverfahren reduziert die Zahl der erforderlichen Rechenschritte und ermöglicht so die Echtzeitgenerierung.

Das Basismodell Odyssey-3 umfasst laut der offiziellen Benchmark-Einreichung 14 Milliarden Parameter und erzeugt Videos mit 832 × 480 Pixeln. Odyssey-3 Pro unterstützt eine Auflösung von 1280 × 720 Pixeln.

Odyssey beansprucht Bestwerte bei Physik-Benchmarks

Die leistungsfähigere Variante Odyssey-3 Pro erzielt laut Hersteller 66,1 Punkte im Video-to-Video-Benchmark von Physics-IQ Verified. Der Test untersucht physikalisches Verhalten unter anderem in den Bereichen Strömungsmechanik, Optik, Festkörpermechanik, Magnetismus und Thermodynamik. Modelle müssen Videos realer Experimente fortsetzen, deren Ergebnisse mit dem tatsächlichen Verlauf verglichen werden.

Der Spitzenwert von 66,1 Punkten ist allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig: Er stammt aus einem einzigen Testdurchlauf, bei dem ein Bewertungsverfahren jeweils eines von acht generierten Videos auswählte. Die Benchmarkregeln verlangen für Rekordansprüche vier Testdurchläufe mit Angabe der Standardabweichung. Der gemeldete Rekordwert erfüllt diese Voraussetzung damit nicht. Ohne dieses Auswahlverfahren erreichte Odyssey-3 Pro über vier Durchläufe durchschnittlich 63,37 Punkte. Beide Ergebnisse stehen in der offiziellen Rangliste, wurden aber von Odyssey selbst eingereicht.

Physics-IQ-Benchmark

Im WorldMark-Benchmark belegt Odyssey-3 nach eigener Evaluation in drei von vier Kategorien den ersten Platz: First-Person Stylized (77,2), Third-Person Real (79,0) und Third-Person Stylized (76,3). In First-Person Real liegt es mit 80,6 Punkten auf Platz drei. WorldMark prüft unter anderem, wie gut Modelle Steuerungsanweisungen befolgen, wie hochwertig die erzeugten Bilder sind und ob die simulierten Welten über die Zeit konsistent bleiben.

Ein Modell für Roboter, Drohnen und GTA V

Odyssey will dasselbe Weltmodell für unterschiedliche Aufgaben einsetzen: etwa um Roboterarme zu bewegen, Drohnen zu navigieren oder Spielfiguren zu steuern. Dafür wird das Modell je nach Anwendung um eine spezielle Steuerung ergänzt, die seine Vorhersagen in konkrete Befehle umsetzt.

In Versuchen steuerte eine auf Odyssey-3 basierende KI laut Unternehmen mehrere Roboterarme. Dafür genügten wenige Dutzend Stunden Trainingsdaten aus Demonstrationen. Die Roboter konnten zudem selbstständig auf misslungene Griffe reagieren, ohne dass diese Situationen eigens trainiert worden waren.

Für humanoide Roboter arbeitet Odyssey mit dem Schweizer Robotikunternehmen Flexion zusammen. Die von Flexion auf Basis von Odyssey-3 entwickelten Steuerungen sollen auch bei veränderten Umgebungsbedingungen zuverlässiger funktionieren als die getesteten Vergleichsmodelle.

Für Drohnen entwickelte Odyssey ebenfalls eine KI-Steuerung, die mit simulierten Flugdaten trainiert wurde. In einer virtuellen Innenraumumgebung konnte sie laut Unternehmen Hindernissen ausweichen und auf Anweisung bestimmte Ziele anfliegen.

Odyssey-3 kann auch Videospiele steuern: Das Unternehmen demonstrierte, wie eine darauf basierende KI selbstständig GTA V spielt, Fahrzeuge lenkt und Kämpfe bestreitet. Eine mit rund zwei Stunden GTA-Aufnahmen trainierte Steuerung konnte ihre Fähigkeiten zudem ohne zusätzliches Training auf Red Dead Redemption 2 übertragen und dort eine Spielfigur auf einem Pferd bewegen.

Odyssey will sein Weltmodell zudem für das Training von KI-Agenten einsetzen. In einer Demonstration erhielt ein KI-Agent eine Aufgabe in natürlicher Sprache und versuchte, sie durch eigene Aktionen in einer von Odyssey-3 generierten Umgebung zu lösen. Ziel ist es, dass Agenten aus den Erfahrungen ihrer eigenen Handlungen lernen, ein potenziell neues Trainingsparadigma für KI.

Wie zuverlässig die gezeigten Fähigkeiten im praktischen Einsatz funktionieren, bleibt offen. Die öffentliche Forschungsvorschau bietet zunächst interaktive Umgebungsgenerierung. Für Robotik und autonome Systeme sind zusätzliche Anpassungen erforderlich.

Wettlauf um Weltmodelle

Odyssey wurde 2023 von Oliver Cameron und Jeff Hawke gegründet. Im Juni 2026 sammelte das Unternehmen 310 Millionen US-Dollar ein, unter anderem von Amazon und AMD Ventures.

Weltmodelle sollen KI-Systemen ein Verständnis räumlicher und physikalischer Zusammenhänge vermitteln. Google Deepmind verfolgt mit Genie 3 einen ähnlichen Ansatz zur Generierung interaktiver Welten. Auch das von Fei-Fei Li gegründete Start-up World Labs entwickelt entsprechende Technologien. AMD kündigte Ende September an, World Labs für rund 8,2 Milliarden US-Dollar übernehmen zu wollen.

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