Nvidia-Aktie: 100-Milliarden-Deal mit OpenAI auf Eis gelegt

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02. Februar 2026 Kai Imhoff

Jen-Hsun Huan NVIDIAs Gründer, Präsident und CEO hielt am 29. Mai 2023 eine Grundsatzrede bei Computex in Taipei, Taiwan

(Bild: jamesonwu1972 / Shutterstock.com)

Nvidias geplante Mega-Investition in OpenAI stockt. CEO Huang rudert zurück. Was bedeutet das für Anleger im KI-Boom?

Der im September angekündigte Plan von Nvidia, bis zu 100 Milliarden US-Dollar in OpenAI zu investieren, ist ins Stocken geraten. Das berichtet das Wall Street Journal (WSJ) kürzlich unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Nvidia-Chef Jensen Huang stellte nun gegenüber Bloomberg klar: Die kolportierte Summe sei "niemals eine Verpflichtung" gewesen.

Für Anleger wirft dieser Rückzieher Fragen auf. Wie verlässlich sind die Mega-Ankündigungen im KI-Sektor? Und was sagt das Stocken des Deals über die tatsächliche Nachfrage nach KI-Infrastruktur aus?

Was ursprünglich geplant war

Die Absichtserklärung vom September klang nach einem Meilenstein: Nvidia wollte OpenAI dabei unterstützen, Rechenzentren mit mindestens 10 Gigawatt Stromkapazität aufzubauen. Das entspricht dem Spitzenstrombedarf von New York City.

Die Anlagen sollten mit Nvidias fortschrittlichen Chips ausgestattet werden, um KI-Modelle zu trainieren und einzusetzen.

OpenAI sollte die Chips leasen, Nvidia im Gegenzug bis zu 100 Milliarden US-Dollar investieren. Huang bezeichnete laut WSJ das Vorhaben damals als "das größte Rechenprojekt der Geschichte".

Die Nvidia-Aktie legte nach der Ankündigung um fast vier Prozent zu.

Warum der Deal auf Eis liegt

Doch aus dem Großprojekt wird vorerst nichts. Laut WSJ äußerten Nvidia-Mitarbeiter Bedenken. Intern sei betont worden, dass die 100-Milliarden-Vereinbarung unverbindlich sei.

Huang habe privat Kritik an OpenAIs Geschäftsansatz geübt und von "mangelnder Disziplin" gesprochen, berichten WSJ und Bloomberg übereinstimmend. Auch Wettbewerbsbedenken spielten eine Rolle.

Die Verhandlungen kamen nicht über eine frühe Phase hinaus. Eine formale Absicherung gab es ohnehin: Nvidia hatte darauf hingewiesen, es gebe keine Garantie für endgültige Vereinbarungen.

Auch Nvidias Finanzchefin Colette Kress erklärte im Dezember, man habe keine endgültige Vereinbarung mit OpenAI getroffen.

Huang rudert zurück – investiert aber weiter

Auf Nachfragen in Taipeh relativierte Huang die Erwartungen. "Es war nie eine Verpflichtung", sagte er laut Bloomberg gegenüber Reportern. Nvidia werde jede Finanzierungsrunde "einzeln" prüfen und "Schritt für Schritt" investieren.

Dennoch betonte Huang sein Vertrauen in OpenAI und erklärte, sich an der jüngsten Finanzierungsrunde von OpenAI beteiligen zu wollen: "Wir werden eine Menge Geld investieren." Es handle sich wahrscheinlich um "die größte Investition, die wir je getätigt haben".

Auf die Frage, ob es mehr als 100 Milliarden US-Dollar sein würden, antwortete er laut WSJ jedoch: "Nein, nein, nichts dergleichen."

Wie viel es aber genau sein werden, ließ Huang offen. Er verwies darauf, dass OpenAI-Chef Sam Altman die Summe bekanntgeben werde.

Execution-Risiko liegt bei OpenAI

Ob das erste Gigawatt im Rahmen des gemeinsamen Plans planmäßig verläuft, hänge von OpenAI ab, so Huang. "Es ist ihre Infrastruktur." Damit schiebt Nvidia die Verantwortung für mögliche Verzögerungen dem KI-Entwickler zu.

OpenAI strebt in seiner aktuellen Finanzierungsrunde bis zu 100 Milliarden Dollar an. Neben Nvidia verhandeln auch Amazon und SoftBank über Beteiligungen in Höhe von mehreren zehn Milliarden Dollar.

Amazon soll bis zu 50 Milliarden US-Dollar investieren wollen. Die Runde könnte OpenAI mit etwa 750 bis 830 Milliarden US-Dollar bewerten.

Kreislaufgeschäfte schüren Zweifel am KI-Boom

Das Stocken des Nvidia-Deals befeuert eine Debatte, die Investoren zunehmend umtreibt: Sind die Partnerschaften im KI-Sektor nachhaltig? Oder handelt es sich um Kreislaufgeschäfte, bei denen Technologieunternehmen in KI-Firmen investieren, die dann ihre Produkte kaufen?

Nvidia plant zusätzlich, zwei Milliarden Dollar in CoreWeave zu investieren – ebenfalls ein wichtiger Kunde. Solche Konstruktionen könnten die Nachfrage künstlich ankurbeln, befürchten Kritiker.

Huang wies laut Bloomberg die Vorwürfe zurück: "Die Vorstellung, dass es sich um einen Kreislauf handelt, ist lächerlich."

Dennoch bleibt die Frage: Wie viel der angekündigten KI-Investitionen mündet in echte Nachfrage? Und wie viel ist Marketing? Die Nervosität am Markt wächst. Einige Tech-Aktien im Zusammenhang mit OpenAI gerieten zuletzt unter Druck.

Was das für Nvidia-Anleger bedeutet

Für Anleger sendet das Stocken des 100-Milliarden-Deals ein gemischtes Signal. Einerseits bleibt Nvidia Technologieführer im KI-Boom. OpenAI ist seit zehn Jahren bevorzugter Partner und wird weiter auf Nvidia-Chips setzen. Andererseits zeigt der Fall, dass öffentlichkeitswirksame Ankündigungen nicht immer halten, was sie versprechen.

Die Erwartung, Nvidia würde OpenAI in einer Runde mit dreistelligen Milliardensummen unterstützen, hat sich nicht erfüllt. Stattdessen wird schrittweise geprüft und investiert. Das ist vorsichtiger – aber auch realistischer.

Die Nvidia-Aktie bleibt trotz der Unsicherheiten gefragt. Der Chipkonzern dominiert den Markt für KI-Prozessoren. Doch die Bewertung hängt auch davon ab, wie nachhaltig die KI-Nachfrage ist. Kreislaufgeschäfte und überzogene Ankündigungen könnten das Vertrauen beschädigen, wenn sie nicht in konkrete Projekte münden.

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