
Nothing bringt mit den Nothing Headphone (1) Pro neue Over-Ear-Kopfhörer an den Start. Das Erstlingswerk, die Nothing Headphone (1), konnten mich im vergangenen Jahr in einigen Punkten überzeugen. Entsprechend gespannt war ich, als Nothing das Pro-Modell vorgestellt hat und ich jenes in den vergangenen Wochen ausgiebig Probehören und mit den Headphone (1) vergleichen konnte.
Ein kurzer Blick auf die technischen Spezifikationen sowie Unterschiede auf dem Papier. Der größte Unterschied des Pro-Modells steckt im Inneren: Statt eines einzelnen, von KEF abgestimmten Treibers setzt man beim Pro-Modell auf eine Dreifach-Architektur: ein 40-mm-Basstreiber, ein 13 × 8 mm großer Precision-Treiber für den Mittenbereich und ein xMEMS-Hochtöner decken gemeinsam den Frequenzbereich von 20 Hz bis 40.000 Hz ab. Auch bei der Geräuschunterdrückung legt man nach: Zehn Mikrofone statt sechs, bis zu 46 dB Dämpfung. Überarbeitet habe man zudem die dynamische Spatial-Audio-Unterstützung. Die Laufzeit fällt mit 30 Stunden mit ANC bzw. 68 Stunden ohne aus.
Nothing Headphone (1) Pro vorgestellt: Over-Ear-Kopfhörer kommen mit drei Treibern Nothing erweitert seine Over-Ear-Reihe und stellt den Headphone (1) Pro vor. Hierbei handelt es... Jetzt lesen →
Ansonsten? Statt einer Stofftasche setzt man jetzt auf ein Hardcase. Neu sind zudem Bluetooth 6.1 (statt 5.3) mit Hi-Fi-Unterstützung (24 Bit/96 kHz) per LDAC-Codec, Auracast Broadcast Audio als Sender und Empfänger, um Musik gemeinsam mit anderen Personen zu hören. Ebenfalls dabei ist USB-C-Audio mit Hi-Fi-Unterstützung bis zu 24 Bit/192 kHz. Auch ein AUX-Anschluss ist vorhanden. Bei den taktilen Eingabeelementen bleibt alles identisch. Neu ist der physische Schalter Flat EQ, der Sound-Anpassungen neutralisiert.

Ausgepackt und angefasst
Auch die Nothing Headphones (1) Pro lassen ihre Zugehörigkeit zum Nothing-Konzern nicht leugnen: die transparente Designsprache spricht da Bände. Der Look des Pro-Modells sagt mir – insbesondere im vorliegenden schwarzen Modell – mehr zu als bei den Headphones (1): etwas schlichter und weniger auffällig. Zudem ist es nun kein Pseudo-Transparenz-Look, sondern das Glas legt einen Blick auf die verbauten Treiber mitsamt plastischem Look offen. Materialwahl und Verarbeitung fallen weiter hochwertig – gar erstklassig – aus. Auch hier legt das Pro-Modell eine Schippe drauf: Die Abdeckung der Ohrhörer ist jetzt aus gehärtetem, kratzfestem Glas. Das wirkt nochmals etwas wertiger.

In Sachen Kratzer mache ich mir da deutlich weniger Gedanken, als bei den Headphones (1) mit Kunststoff – was ist aber mit potenziellen Stürzen? Auf der anderen Seite zieht das Glas, zumindest beim schwarzen Modell, wesentlich eher Fingerabdrücke an. Weiterhin kommt zudem Aluminium für echtes Premium-Feeling zum Einsatz.

Die Abmaße von den Headphones (1) und den Headphones (1) Pro sind identisch. Man könnte das jeweils andere Case nutzen und vice versa. Das Case aus Kunststoff ist tatsächlich nicht meins und eher ein Design-Objekt. Es ist schwer und schützt nicht alles. Ich hätte Probleme damit, die Kopfhörer so einfach in einen Rucksack zu werfen. Zudem zieht das Ganze Fingerabdrücke an. Die Kopfhörer sind weiter nicht faltbar, sondern lassen nur die Ohrmuscheln drehen, um flach verstaut zu werden. Ein Manko der Headphones (1) bleibt: „Die beiden Hörmuscheln schlagen zusammen, wenn man die Kopfhörer am Kopfband hält. Da prallt dann Aluminium auf Aluminium...“
Trage- und Bedienkomfort
Trotz des Gewichts hat mir der Tragekomfort zugesagt und die Kopfhörer halten problemlos auf dem Kopf ohne zu verrutschen – für den Sport ist das dennoch nichts. Die Ohrpolster fallen nun einen Tick weicher aus. Die Kopfhörer über mehrere Stunden auf den Ohren? Klappt für mich ohne Druckstellen oder Beschwerden. Das Pro-Modell sitzt etwas satter und dichtet dadurch auch etwas besser passiv ab. Positiv hervorzuheben: Für mich als Brillenträger funktioniert das auch. Sowohl vom Tragekomfort, als auch der Abdichtung.

Fetter Pluspunkt: Die Ohrpolster kann man jetzt auch selbst wechseln und als Ersatzteil bei Nothing erwerben – da zeigen sich sonst so die Alterserscheinungen bei meinen anderen Over-Ear-Kopfhörern.

Weiterhin willkommen bei mir: Die taktilen Bedienelemente. Da hole ich nicht allzu sehr aus, da habe ich bereits bei den Headphones (1) ausführlich drüber berichtet. Für viele dürfte der Flat-EQ-Schalter in physischer Form ebenfalls willkommen sein. Unterm Strich: Alles ist gut bedienbar, erreichbar und lässt sich problemlos auch blind bedienen.


Mit dem Roller kann man etwa durch Drehen mit hoher Präzision die Lautstärke steuern. Das Paddel erlaubt durch das Klappen in zwei Richtungen das Springen zum nächsten Titel. Zudem gibt es einen dedizierten Ein/-Ausschalter. Dieser lässt den Zustand der Kopfhörer direkt und ohne Aufsetzen erkennen. Personalisierungsoptionen hat man in der Nothing-X-App.

Aufgesetzt & angehört – Klang und Geräuschunterdrückung der Headphones (1) Pro

Bereits der Klang der Nothing Headphones (1) sagte mir persönlich durchaus zu, insbesondere weil der Sound in meinen Augen recht neutral daherkommt und man ansonsten die Möglichkeiten hat mittels Equalizer und vorgefertigten Soundprofilen manuell nachzujustieren sollte man da spezielle Hörgewohnheiten aufweisen. Ich hatte jedoch auch viel Spaß damit, mittels Flat-EQ-Schalter, mal reinzuhören wie sich das Ganze wirklich neutral und ohne Anpassungen so anhört.
Die Klangbühne des Pro-Modells ist gefühlt ein gutes Stück breiter und pointierter geworden – kein Wunder bei drei dedizierten Treibern, die als Experten ihren eigenen Frequenzbereich abdecken. So merkt man, gerade im Direktvergleich mit den Headphones (1), vor allem eine Verbesserung in den Höhen. Die Höhen fallen in meinen Augen detaillierter und klarer aus, während der Umgang mit Zischlauten besser ist und diese nicht so „scharf“ hervortreten. Verbesserungen gibt es aber auch in den Tiefen: Bässe haben einen Tick mehr Punch. Allgemein: In meinen Augen gut abgestimmt, über alle Frequenzbereiche hinweg.
Die Geräuschunterdrückung fällt allein aufgrund der passiven Abdeckung positiv auf. Sind wir ehrlich: Während Musik läuft, hört man bei den wenigsten Over-Ear-Kopfhörern in dieser Preiskategorie etwas von der Umgebung, also habe ich die Headphones (1) Pro vor allem auch mal ohne laufende Musik auf die Probe gestellt. Während tiefe und monotone Störgeräusche schon bei den Headphones (1) kein Problem waren, hat man bei der aktiven Geräuschunterdrückung in höheren Frequenzbereichen in meinen Augen dazugewonnen: So werden auch Stimmen, etwa von laufendem Fernseher im Hintergrund, besser gefiltert. Top-Notch ist man da weiterhin nicht. In meinen Augen braucht es das aber auch nicht unbedingt.
Der Transparenz-Modus war bereits beim Non-Pro-Modell gut: kein Rauschen und kaum gedämpfte Umgebung trotz ordentlicher Abdeckung. Hier ist der Sprung beim Pro-Modell nicht allzu groß, im Direktvergleich bilde ich mir aber etwas mehr Klarheit und weniger gedämpfte Geräuschkulissen ein – fast als hätte man eben wirklich keine Kopfhörer auf den Ohren.
Weitere Randnotizen
- Bluetooth Auracast konnte ich leider bislang nicht testen, dazu fehlt es mir mindestens an einem weiteren Auracast-fähigen Gerät. Finde ich aber prima und zukunftsfähig, dass man da endlich aufspringt und das Ganze nicht nur als Empfänger, sondern auch Sender fürs Audio-Sharing. Entsprechende Erfahrungen reiche ich bei Bedarf nach, sobald möglich.

- Die Akkulaufzeit fällt, auf dem Papier, zwar etwas geringer aus. Für mich und andere durchschnittliche Nutzer dürften die Kopfhörer dennoch kaum leer zu bekommen sein – das war schon bei den Headphones (1) mit moderater Nutzung schlicht nicht möglich.
- In Sachen Spatial Audio gibt es mehr Modi. Das ist willkommen und klingt mit dynamischem Headtracking jetzt tatsächlich runder und weniger aufgesetzt – echtes 3D-Audio unter Verwendung von Dolby-Atmos-Spuren für Filme oder auch entsprechend abgemischte Tonspuren gibt es leider weiterhin nicht.
- Die internen Mikrofone für Anrufe gehen in Ordnung – also eher durchschnittlich. Tonaufnahmen könnten für meinen Geschmack nicht nur klarer sein, sondern auch Nebengeräusche etwas besser filtern, als das im Status Quo der Fall ist.

Unterm Strich?
Für 349 Euro schnürt Nothing mit den Headphones (1) Pro ein durchaus rundes Gesamtpaket mit Fokus auf das Wesentliche: Sound und keine Sperenzchen. So gibt es keine Features wie bei diversen Konkurrenz-Produkten rund um Live-Übersetzung oder automatischer Transparenz-Modus beim Sprechen et cetera.
Lohnt sich der Aufpreis von den Headphones (1)? In meinen Augen: Ja. Alleine der neue, transparente Look, die höherwertigen Materialien und die austauschbaren Ohrenpads rechtfertigen das. Vom akzentuierten Sound mit Verbesserungen in den Höhen und etwas besserem ANC mal ganz zu schweigen.

Möchte man meckern, dann wäre es wohl das (schwere und wenig praktikable) Case und die weiter nicht so kompakte Transportform mangels Faltmechanismus. Zudem wildert Nothing da nun auch in Preisgefilden, die von Bose und Sony durchaus hart umkämpft sind. Allein, dass man für die Nothing Headphones (1) Pro renommierte Modelle, wie die Sony WH-1000XM6 oder auch die AirPods Max zum Vergleich heranzieht dürfte Bände sprechen, womit sich Nothing da grundlegend anlegt. Das Wasser reichen kann man den Konkurrenten nicht in allen Bereichen.
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1 month ago
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