Nintendo Switch 2: Die ersten Eindrücke eines Switch-Haters

8 months ago 11

Stammleser, die schon viele Jahre dabei sind, erinnern sich: 2017 kaufte ich mir die erste Nintendo Switch – und stieß sie nach rund drei Monaten bereits wieder ab. Die Ursachen waren vielfältig: Technisch war mir die Plattform am Ende doch zu underpowered und da ich vor allem narrative Games schätze, spielten viele First-Party-Spiele für mich keine ernsthafte Rolle. 2025 sitze ich also hier mit der Nintendo Switch 2 und sammele als „Switch-Hater“ meine ersten Eindrücke. Würde ich die Spielekonsole empfehlen?

Klar, „Switch-Hater“ ist übertrieben – die erste Generation hat meine persönlichen Bedürfnisse nicht erfüllt. Das macht die Nintendo Switch natürlich nicht zu einer schlechten Konsole. Warum habe ich mir dann die zweite Generation überhaupt gekauft? Nun, zum einen beherrscht die Nintendo Switch 2 jetzt 4K und HDR. Zum anderen hat sich mein Spielgeschmack etwas erweitert. So habe ich vor allem beim Zocken von „Astro Bot“ gemerkt, dass ich inzwischen ab und auch einfach Lust auf ein Game ohne große Story mit dem Fokus auf kreativem Gameplay habe – einfach zum Abschalten.

Dazu kommt: Da ich die erste Switch-Generation links liegen gelassen habe, kann ich auf der Switch 2 viele Hits der letzten Jahre mit verbesserter Technik nachholen. Im Grunde profitiere ich also vielleicht sogar noch stärker von der neuen Konsole als die alten Hasen, welche auf frisches Spielefutter warten müssen. Deswegen habe ich mir z. B. schon vor dem Launch entweder gebraucht oder in Angeboten Titel wie „Super Mario Odyssey“, „Super Mario Bros. U Deluxe“ oder „Super Mario 3D World“ gesichert, um bestens vorbereitet zu sein.

Nintendo Switch 2: Meine ersten Eindrücke von Hard- und Software

Das Design der Nintendo Switch 2 ähnelt dem Vorgängermodell, stellt aber eine gelungene Evolution dar. Wirkte die erste Generation mit den bunten Joy-Cons auf mich irgendwie immer sehr kindlich, ist das elegante Schwarz des Nachfolgemodells mit nur leichten Farbakzenten ausgereifter. Auch die Analogsticks und Schultertasten machen aus meiner Sicht einen deutlichen Sprung. Sie sind nicht nur etwas größer, sondern fühlen sich auch wertiger an.

Spezifikation Nintendo Switch 2
Abmessungen 272 × 116 × 13,9 mm (mit Joy-Con)
Gewicht 401 g
(534 g mit Joy-Con)
Display LCD, 7,9 Zoll, 1.920 × 1.080, 120 Hz, HDR10, VRR
Prozessor (SoC) Custom Nvidia Tegra (T239)
CPU: 8 × ARM Cortex-A78C
GPU: Ampere, 1.536 Shader
RAM 12 GB LPDDR5X
Festspeicher 256 GB UFS 3.1
Erweiterung microSD Express
Video-Output Maximal 3.840 × 2.160 mit 60 FPS
2.560 × 1.440 mit 120 FPS
1.920 × 1.080 mit 120 FPS
Audio-Output lineares PCM 5.1
Lautsprecher Stereo
Funknetzwerk Bluetooth, Wi-Fi 6 und LAN (nur übers Dock)
Sensoren Beschleunigung, Gyro, Helligkeit, Maus
Akku Li-Ion 5.220 mAh
Laufzeit: 2 bis 6,5 Stunden
Ladezeit: 3 Stunden
Anschlüsse 1 × HDMI 2.1, 2 × USB-C, 1 × 3,5-mm-Kopfhörer

Das vergrößerte Touchscreen-Display der Switch 2 mit 7,9 Zoll Diagonale (Switch 1: 7 Zoll) und der von 720p auf 1080p erhöhten Auflösung empfinde ich als gut – aber nicht großartig.  Beispielsweise muss ich die HDR-Unterstützung als Quatsch abstempeln. Denn ehrlich, ohne OLED oder wenigstens eine Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung führt HDR primär dazu, dass sich das Bild insgesamt massiv aufhellt. Anders sieht es am TV aus, wo die HDR-Unterstützung natürlich einen Mehrwert bietet. Schade dennoch, dass Nintendo kein OLED-Display verbaut und sich das wohl wieder für ein Mid-Gen-Upgrade spart. Dafür hätte ich persönlich auch zur Not 50 Euro mehr gezahlt.

Die mir vorliegenden Games machen noch keinen Gebrauch von 120 Hz oder VRR, sodass ich dazu noch nichts sagen kann. Meines Wissens gilt das für alle aktuellen Launch-Titel. Was ich loben möchte: Nintendo bietet in den Systemeinstellungen die Option, HDR nur dann anzulegen, wenn das jeweilige Game es auch unterstützt. Genau so soll es sein. Da sollte sich Sony ein Beispiel dran nehmen, welche so ein Settings für die PlayStation 5 erst nach dem Launch über ein Update nachlieferten.

Der Ständer der ersten Nintendo Switch war ziemlich plünnig, was man absolut nicht von der Switch 2 behaupten kann. Vielmehr ist der Ständer noch robuster als beim OLED-Modell und lässt sich stufenlos verstellen. Auch eine tolle Sache, dass die Konsole sowohl an der Ober- als auch Unterseite einen USB-C-Port bietet. Das erleichtert die Aufladung in allen Lebenslagen. Die Switch 2 wiegt dabei zwar mehr als das Vorgängermodell, vergleiche ich das aber mit PC-Gaming-Handhelds wie dem Ayaneo Slide oder dem Ayaneo Kun, die ich so getestet habe, dann empfinde ich die Konsole immer noch als leicht. Das ist aber natürlich subjektiv.

Die Systemoberfläche finde ich dabei recht minimalistisch und sie erinnert mich frappierend an die erste Switch. Wer also die First-Gen kennt, wird sich hier direkt zurechtfinden. Direkt nach dem Start musste ich dabei erst einmal ein Firmware-Update ziehen, um die Konsole nutzen zu können. Im Lieferumfang findet ihr im Übrigen neben der Nintendo Switch 2 nebst der Joy-Cons natürlich auch Handgelenkschlaufen und eine Controller-Halterung für jene, ein Netzteil mit USB-C-Kabel, ein HDMI-2.1-Kabel sowie das TV-Dock. Letzteres wirkt nun abgerundeter und hält neben den HDMI-Anschluss auch noch zwei USB-A-Anschlüsse sowie einen Ethernet-Port bereit.

Das Dock finde ich dabei im direkten Vergleich mit der Konsole etwas billig, denn das dünne Plastik lässt sich leicht verbiegen. Viel bräuchte es wohl nicht, um diese Konstruktion unbrauchbar zu machen.

Die Konsole am 4K-TV: Endlich ein brauchbares Erlebnis

Beim ersten Anschluss an einen HDR-fähigen Smart-TV könnt ihr eine Kalibrierung anhand eines Testbilds vornehmen, ganz ähnlich wie auch an Xbox Series X|S und PlayStation 5. Seid ihr mit dem Ergebnis nicht zufrieden, dann lässt sich das jederzeit in den Display-Settings wiederholen. In meinem Fall gab es keinerlei Zicken: Dock an einen der HDMI-Ports meines LG OLED E9 angeschlossen, Konsole ins Dock und sofort ist das Signal mit Bild und Ton da gewesen. Letzterer wandert einwandfrei via eARC an meine Soundbar. Wer im Gegensatz zu mir Daten von der ersten Nintendo Switch umziehen kann und möchte, bekommt dafür Schritt für Schritt das Verfahren bei der Einrichtung angeboten und erklärt.

Die erste Nintendo Switch hatte bei mir auch deswegen verloren, falls das Bild an einem 4K-TV für mich persönlich einfach zu schrottig gewesen ist. Die Switch 2 liegt zwar ebenfalls technisch weit hinter einer PlayStation 5 zurück, ist aber in der Lage ein 4K-Signal mit HDR auszugeben. Zu meinen persönlichen Erfahrungen mit den ersten Games verfasse ich aber noch einen ausführlicheren, separaten Post. In jedem Fall sehen Titel wie „Super Mario 3D World“, das zum Launch ein kostenloses Upgrade bekommen hat, nun wirklich brauchbar aus. In diesem Titel sieht das Interface für mich nach nativem 4K aus, das sonstige Spiel scheint in 1440p zu laufen und zu 4K hochskaliert zu werden. Aufgrund des eher simplen Art-Designs dieses Titels ist das Gesamtergebnis ein richtig sauberes und scharfes Bild, das qualitativ absolut zeitgemäß wirkt.

Auch die HDR-Darstellung am TV – etwa in „Bowser’s Fury“ macht Laune. Ich habe jetzt also nicht mehr das Gefühl, an einem Retro-System zu spielen, sondern eine moderne Spielekonsole zu nutzen. Zumal die Switch 2 trotz ihrer Lüfter und des Lüfters im Dock für mich beim Zocken bisher nicht hörbar gewesen ist. Insofern bietet die Nintendo Switch 2 jetzt genau das TV-Erlebnis, das ich mir für die erste Generation gewünscht hätte.

Nintendo Switch 2: Der Handheld-Modus

Wie schon erwähnt: Für mich persönlich ist es eine herbe Enttäuschung, dass die Nintendo Switch 2 ein LC-Display nutzt. Der IPS-Screen ist gut, die HDR-Darstellung aber nicht wirklich vorhanden und aus meiner Sicht reines Marketing. Trotzdem ist der Bildschirm, bedenkt man die Grenzen der LCD-Technik, durchaus gut. Dreht man die Helligkeit etwa abends im Bett herunter, dann sind die Schwarzwerte in Ordnung und starrt man nicht gerade auf sehr dunkle Bildinhalte, dann geht die Darstellung in Ordnung. Die Auflösung von 1080p reicht für die Diagonale aus und sorgt für eine gute Balance aus Schärfe und Stromverbrauch. Die Laufzeit variiert dabei tatsächlich stark nach Spiel. Somit könnt ihr Nintendos Angaben von minimal zwei bis maximal 6,5-Stunden gut so hinnehmen. „Mario Kart World“, als wohl wichtigster Launchtitel, saugt den Akku etwa in ca. drei Stunden mal eben leer.

Die Joy-Cons rasten dabei an der Switch 2 magnetisch ein und lassen sich lösen, indem man jeweils eine Release-Taste links und rechts an der Rückseite drückt. Das funktioniert super und die beiden Controller sitzen im Handheldbetrieb fest und überhaupt nicht wackelig. Im Übrigen geht auch der Klang der integrierten Lautsprecher voll in Ordnung und ist wesentlich besser als beim Vorgängermodell. Die meisten Käufer werden sich aber wohl ein Headset besorgen wollen. Etwa habe ich selbst das Airlite Fit von Turtle Beach verwendet, das eigentlich für die erste Generation gedacht ist, aber auch an der Switch 2 funktioniert.

Im Handheld-Modus müsst ihr natürlich mit niedrigeren Auflösungen leben, die von mir ausprobierten Spiele wie „Mario Kart World“, „Super Mario Odyssey“ oder „The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom“ (Switch 2 Edition) laufen aber absolut rund und die Konsole wird zwar an der Rückseite handwarm bzw. die Lüfter kommen etwas in Schwung, alles bleibt aber für mich im Rahmen. Was man nicht vernachlässigen sollte: Inzwischen gibt es im Gegensatz zum Launchzeitraum der ersten Nintendo Switch einen florierenden Markt für PC-Gaming-Handhelds. Letztere sind aber immer noch mit mehr Frickelei verbunden und setzen voraus, dass ihr eure Spiele selbst konfiguriert. Obendrein sind jene Systeme, zumindest die, die ich genutzt habe, deutlich teurer als die Switch 2 und zudem schwerer und klobiger. Dafür sind ihre Anwendungsgebiete aber vielfältiger, denn es sind ja im Grunde „normale“ PCs.

Müsste ich mich aber nun entscheiden, was ich unterwegs mitnehme, wäre die Nintendo Switch 2 aufgrund ihrer weitaus unkomplizierteren Bedienung meine Wahl für unterwegs. Nur sehr kurz im Übrigen zur Maussteuerung, da die Spiele, die ich gekauft habe, da keine wirklichen Potenziale haben: Ich sehe es eher als Gimmick, dass man die Konsole mit der wohl schlechtesten Maus der Welt nutzen kann. Denn die Joy-Cons liegen als Maus schlecht in der Hand und sind viel zu schmal. Das ist eine arg krüppelige Lösung, die ich praktisch nicht zur Steuerung nutzen wollen würde – dann würde ich noch eher eine USB-Maus anschließen.

Mein erstes Fazit zur Nintendo Switch 2

Die Nintendo Switch 2 liefert im Grunde fast alles, was ich mir von der ersten Generation gewünscht hätte. Sie beherrscht die Ausgabe eines 4K-Videosignals mit optionalem HDR, ist flüsterleise und verfügt über ein größeres und höher auflösenderes Display. Ja, sie ist vor allem eine Evolution der ersten Generation, aber dafür überall dort, wo es darauf ankommt. Einzig fas LC-Display hätte nicht sein müssen, denn ein OLED-Pendant wäre hier einfach die überlegene Wahl gewesen.

So ist deswegen HDR zwar im Docked-Modus ein Mehrwert, am Display der Nintendo Switch 2 aber reines Marketing. Die Verarbeitung der Switch 2 an sich und das elegantere Design habe ich sofort geschätzt. Das gilt auch für den stark verbesserten Ständer. Lediglich das Dock wirkt auf mich immer noch etwas billig.

Schlucken muss man bei der Nintendo Switch 2 den deutlich erhöhten Verkaufspreis – und die teureren Spiele. Zumal auch das Zubehör, wie der fasst schon obligatorische Pro-Controller, nochmals reinhaut. Wer also z. B. nicht unbedingt auf die First-Party-Spiele von Nintendo und die mobilen Funktionen der Konsole angewiesen ist, kommt vielleicht mit einer PlayStation 5 sogar günstiger weg. Ich selbst freue mich, dass ich nun einige Klassiker der ersten Generation nachholen kann und bin schon auf kommende Games von Nintendo gespannt. Ich denke die Switch 2 wird bei mir jedenfalls deutlich länger verweilen, als noch das Vorgängermodell.

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